Mario Jassmann arbeitet professioneller, doch er fährt skeptisch zur „Deutschen“

Im Rahmen seiner Möglichkeiten

- Vier Kämpfe hat Mario Jassmann in diesem Jahr bestritten, er hat alle gewonnen. Wie viele in der nächsten Woche bei den „Deutschen“ dazukommen? „Wir fahren hin und gucken“, sagt Jassmann.

Der 27 Jahre alte Mittelgewichtler des TSV Korbach hält sich vor seiner vierten deutschen Meisterschaft der Elite zurück. Das ist seinen Erfahrungen geschuldet, der starken Konkurrenz und ein wenig auch den Begleitumständen des Turniers im bayrischen Straubing. Denn in der Klasse bis 75 Kilogramm, in der der Hessenmeister boxt, stehen nicht weniger als 21 Kämpfer auf der Meldeliste. „Das ist unglücklich. Früher sind immer nur die Meister der Verbände gefahren und vielleicht die noch, die gesetzt waren“, sagt Jassmann. Mittlerweile hat der Deutsche Boxverband (DBV) offenbar die Qualifikationskriterien gelockert. Im Prinzip könne melden, wer möchte, nicht nur die jeweiligen Landesmeister, erläutert jedenfalls DBV-Pressesprecher Oliver Palme: „Wir haben bei den Teilnehmerzahlen eine Steigerung von zehn Prozent im Vergleich zum letzten Jahr.“ Boxen nach der Anreise? Was der DBV begrüßt, stößt den Sportlern auf. „Der Deutsche Boxverband hätte das eingrenzen müssen, 16 ist eigentlich das Maximum“, findet Mario Jassmann. Die große Zahl an Konkurrenten kann eine zusätzliche Belastung nach sich ziehen. Hessens Sportwart Guiseppe Petronio hat schon verlauten lassen, dass die erste Runde der Kämpfe am Dienstagabend über die Bühne gehen könnte, also am Tag der Anreise. „Das wäre eine Katastrophe, wenn ich dann gleich boxen müsste“, sagt Jassmann. Ihm steckt schließlich die mehrstündige Fahrt in den Knochen, die ihn frühmorgens erst nach Offenbach und dann weiter nach Niederbayern führt. Ob es ihn trifft, weiß er nach der Auslosung, die laut Zeitplan für Dienstagnachmittag angesetzt ist. Das schwerste Los wäre Dennis Radovan. Der Vorjahres-Vizemeister aus Köln ist der erklärte Titelfavorit. Auch Abulubdeh Abdulraman (Eintracht Berlin), Anfang des Monats deutscher U21-Meister und bei der Militär-WM im Viertelfinale, könnte zu stark für den Korbacher sein. Ebenfalls einen guten Namen hat der Velberter WM-Fünfte von 2009, Konstantin Buga. „Der beste Platz, den ich machen könnte, wäre der dritte. Wenn ich den erreichen würde, wäre das schon ein Traum“, sagt Jassmann. Er hat neben dem Boxen stets noch seinen Brotberuf zu erfüllen. Kader-Athleten wie Radovan dagegen trainieren unter profiähnlichen Bedingungen. „Dagegen ist Mario voll berufstätig und geht erst danach ins Training“, erklärt Peter Zielke, seit vier Jahren sein Heimtrainer. Bronze gewann Jassmann vor zwei Jahren in Oldenburg, seine beste Platzierung in der Männerklasse. „Es wird aber ganz schwierig, den Erfolg zu wiederholen“, ist Zielke Realist. Im Vorjahr scheiterte er an Sebastian Fromella gleich zum DM-Auftakt umstritten, der Hamburger klettert in Straubing nicht in den Ring. Treffen könnte Jassmann dagegen auf Johannes Afrim (Ludwigsburg), den er vor zwei Wochen beim Länderkampf zwischen Hessen und Baden-Württemberg bezwang. „Für die Zeit danach“ Dieser Fight war Teil der Vorbereitung. Nach den „Hessischen“ hatte Jassmann unter Zielke, der in Landau wohnt und Lehrer an der UPS Willingen ist, vor allem Kondition getankt. In der zweiten Phase stand Sparring im Fokus, zuletzt bei einem Lehrgang des Hessenkaders am Olympia-Stützpunkt Heidelberg. Er war zufrieden: „Wenn ich das alles in den Kampf kriege, bin ich topfit“, sagt Jassmann. Optimistisch geht auch sein Coach die Sache an, „er ist gut vorbereitet und hat super trainiert – im Rahmen seiner Möglichkeiten.“ So weit, so üblich, doch Jassmann hat auch Neues versucht. Beim Korbacher Physiotherapeuten Thomas Kuhnhenn lernte er Hypnosepraktiken kennen. „Es geht darum, ruhiger zu werden und das im Kampf umzusetzen, was man sich vorgenommen hat, es sollen keine Blockaden entstehen“, erzählt er. Im Training habe er Effekte festgestellt. „Und umso mehr Kämpfe ich mache, umso mehr wird es zur Routine.“Überhaupt arbeitet Jassmann professioneller als früher. Mithilfe eines Ernährungsberaters hat er seine Ernährung umgestellt. „Das wird nicht so ausschlaggebend sein für die ,Deutschen‘, sondern mehr für die Zeit danach“, sagt er: „Gewicht verlieren, Körperfett senken, damit ich dann härter und besser trainieren kann.“ (mn)

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