Skispringer im Interview

Für Richard Freitag sind neunte Plätze "nicht das Ziel"

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Richard Freitag bei der Vierschanzentournee. Dort lief es für ihn nicht wie erhofft, in Willingen strebt er vordere Platzierungen an – und bei den Olympischen Spielen will er Medaillen gewinnen.

- Er träumt von Team- und Einzel-Medaillen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Zunächst aber freut sich Richard Freitag auf das "Riesenerlebnis" in Willingen.

Wie haben Sie die Zeit seit Ihrem dritten Platz vor gut einer Woche in Zakopane verbracht? Mit viel Athletiktraining zu Hause in Breitenbrunn. Und ich habe die Freizeit ein bisschen genutzt, bis es dann mit Willingen wieder richtig losgeht.

Haben Sie auch zur Gitarre gegriffen? Ja, ich habe am Abend ab und zu die Saiten klingen lassen. Ich habe auch eine E-Gitarre, aber ich spiele lieber mit der Akustik-Gitarre. Dabei bevorzuge ich keine bestimmten Titel, sondern ich bringe es mir selbst bei, einfach ein bisschen Fingerpicking.

Die ersten Tage nach Ihrem zweiten Podestplatz des Winters haben Sie sicherlich auch als das Ende einer längeren sportlichen Durststrecke genossen. Ich sehe das eher wieder als ein Zeichen, dass ich es wirklich kann. Dass ich mich nicht verrückt zu machen brauche, wenn es mal nicht so läuft.

Vor allem im Skispringen sind die Gründe oft vielschichtig. Bei Ihnen waren diese aber eher naheliegend. Durch den Ermüdungsbruch und dann die Knochenhautentzündung im linken Fuß fehlten mir einfach ein paar Sprünge. Wir haben zusammen mit der Firma Rass ein bisschen am Sprungschuh rumgebastelt und seitdem kann ich wieder schmerzfrei springen.

Wie macht sich so ein Ermüdungsbruch bemerkbar? Ich hatte zwar Schmerzen, aber nicht übermäßig, ich bin normal gelaufen und habe sogar noch Fußball gespielt. Ich bin so groß geworden, dass es beim Sport auch mal wehtun kann. Aber als es nach zwei Wochen nicht besser wurde, haben wir es nach den deutschen Meisterschaften abklären lassen.

Die Verletzung haben Sie ja offenbar gut und rechtzeitig weggesteckt, immerhin haben Sie beim Saisonauftakt in Lillehammer die Qualifikation gewonnen und wurden auf der Normalschanze Dritter. Nach so einer Pause kommt man frisch rein, denkt nicht groß nach, springt einfach. Das geht auch ein, zwei Wochen gut, bis wieder Probleme auftauchen. Und da fehlen dann einfach einige Sprünge, um vielleicht eher eine Idee zu haben oder eine Lösung zu finden. Dafür haben wir nun etwas länger gebraucht.

Danach waren Sie als Neunter in Titisee-Neustadt oder später als Neunter bei der Vierschanzentournee in Garmisch nicht so weit weg. Aber die Ansprüche sind andere, oder? Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen blöd, aber das Ziel sind nicht neunte Plätze. Deswegen gehe ich nicht auf die Schanze. Ich versuche meine Sprünge durchzuziehen und wenn ich das schaffe, dann bin ich auch vorne dabei.

Vor dem Podestplatz in Zakopane sind Sie zwischen Platz 16 und 32 gelandet. Da auch die anderen deutschen Springer vor allem bei der Vierschanzentournee nicht gut waren, gab es schon erste Abgesänge auf die deutschen Skispringer. Wie haben Sie das empfunden? Skispringen ist wie Singen, das kann man nicht erzwingen. Wenn die Leistungen nicht stimmen, dass dann Kritik von außen aufkommt, das ist normal. Viel schlimmer wäre es, wenn sich keiner mehr für uns interessieren würde. Die Leute stehen aber hinter uns, das sagt doch die Kritik aus. Und das ist was sehr Schönes.

Skisprung-Ikone Jens Weißflog etwa hat behauptet, seinen Nachfolgern fehle es an dem nötigen Ehrgeiz. Der muss vielleicht auch irgendetwas sagen. Wenn mir der Ehrgeiz fehlt, dann weiß ich es nicht.

Und die deutschen Springer seien mental zu selten in der Lage, dem Erwartungsdruck gerecht zu werden. Das ist sicherlich nicht so. Ich hatte schon einige Situationen, die ich wirklich ganz gut gemeistert habe. Ich denke etwa an Harrachov im Dezember 2011, da hieß es, ,Ihr Vater hat hier vor 29 Jahren gewonnen, wie wäre es, wenn Sie das jetzt auch schaffen würden’. Da macht man sich plötzlich viel mehr Gedanken. Und ich habe es geschafft, dort auch meinen ersten Weltcupsieg gefeiert.

Bundestrainer Werner Schuster hat in der Phase, als die Ergebnisse nicht gestimmt haben, gesagt, man könne viel analysieren und arbeiten, aber den letzten Schritt muss der Athlet selber tun. Was hat er damit gemeint? Der Trainer sitzt nun mal nicht mit oben auf dem Balken. Er ist dafür da, uns Sportlern die Wege aufzuzeigen. Wir selbst müssen entscheiden, inwieweit wir dem folgen, was wir brauchen und was vielleicht nicht. Und so muss sich jeder Sportler individuell sein eigenes Paket schnüren.

Ist mit dem Sieg von Andreas Wellinger in Wisla Mitte Januar oder anschließend mit Ihrer Leistung in Zakopane wieder alles gut? Ich glaube, das können normale Leistungen sein. Wir dürfen uns nur nicht von dem Auf und Ab in unserer Sportart durcheinander bringen lassen.

Werner Schuster hat denn auch nach den letzten positiven Ergebnisse gesagt, die Qualität sei wieder deutlich besser, man könne guten Mutes nach Sotschi fahren. Warum auch nicht? Wir haben beim vorolympischen Test im vergangenen Winter auf der Normalschanze überzeugt und sind auch als Team gut zurechtgekommen (Freitag Sechster und Zweiter, Freund Zweiter und Fünfter, Wellinger Elfter und Dritter; Anm. der Redaktion).

Auf dem Weg dahin liegt vorher noch der Abstecher nach Willingen. Wie wichtig sind die beiden Einzelspringen? Ich will mir nicht in Willingen schon Gedanken über Sotschi machen. Wir werden das ganz einfach genießen, weil das immer wieder ein Riesenerlebnis ist.

Aber es ist auch die olympische Generalprobe. Sicherlich, aber man wird das nie vergleichen können. Ich war noch nie bei Olympischen Spielen, das wird noch einmal etwas komplett anderes.

Sie selbst haben gute Erinnerungen an die Mühlenkopfschanze. 2012 waren Sie als Siebter bester Deutscher, dazu die letzten zwei Jahren jeweils Dritter mit dem Team. Mit welchen Erwartungen reisen Sie dieses Mal an? Ich weiß, das werden wieder zwei coole Wettkämpfe. Von der Stimmung her, und auch die Organisation wird wieder riesig. Persönlich will ich so weit wie möglich vorne landen.

Der Bundestrainer hat gesagt, wenn es gut läuft, dann ist in Sotschi sogar Gold mit dem Team möglich. Mit der Mannschaft haben wir es gut drauf, wenn alle ihre Leistung abrufen, dann schaffen wir eine Medaille.

Träumen Sie auch von einer Einzelmedaille? Dafür fahre ich dahin. Ich weiß, dass dafür viel zusammenpassen muss. Aber das ist mein Ziel.

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