Vorübergehend obdachlos

Schach-Großmeister Misa Pap findet Unterschlupf in Korbach

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Ausgegrenzt: Großmeister Misa Pap (Mitte) durfte wegen Corona wochenlang nicht nach Serbien zurück. Die Brüder Dieter (links) und Wolfgang Käding von den Schachfreunden Korbach boten ihm sofort ihre Hilfe an. 

Die Brüder Dieter und Wolfgang Käding von den Schachfreunden Korbach haben dem serbischen Schachgroßmeister Misa Pap in seiner Not geholfen.

Bleiben Sie Zuhause! Dieser Aufforderung wäre Misa Pap zu Beginn der Corona-Krise Mitte März gern nachgekommen, aber er durfte nicht mehr nach Hause. Der Grenzbaum fiel zu diesem Zeitpunkt in einigen europäischen Ländern.

Und auch Serbien ließ den Serben nicht mehr rein und obwohl Pap in Novi Sad ein Dach über dem Kopf hat, wurde der Schach-Großmeister von heute auf morgen obdachlos. Gestrandet in Deutschland, weil das internationale Turnier im bayerischen Bad Wörishofen noch zu Ende gespielt werden sollte.

Existenzielle Fragen bauten sich plötzlich vor dem 41-jährigen auf. Was nun tun? Wohin jetzt? Da der Schachprofi schon für drei deutsche Vereine Turm und Läufer gezogen hat, gab es für ihn Anlaufstellen.

So erinnerte er sich auch an die Brüder Wolfgang und Dieter Käding von den Schachfreunden aus Korbach. Für diesen Verein hatte Pap ab 2012 für drei Jahre auch in der Hessenliga gespielt. Danach kam jeweils eine Saison Bundesliga für Hansa Dortmund und Regionalliga für die Schachfreude aus Augsburg hinzu.

Schach-Großmeister Pap wohnt bei Dieter Käding

Sein Gefühl sagte dem internationalen Großmeister, dass er den besten Draht nach Korbach hat und so bat er die Kädings um Hilfe. Die Brüder benötigten nicht eine Sekunde Bedenkzeit und sie nahmen Pap auf. Und es passte gut, dass Dieter Käding seine Wohnung in Korbach gerade nicht benötigte.

Schach ist ein Geduldsspiel und so kam bei Pap in dieser Zeit des Lockdowns in seinem „Korbacher Exil“ fast nie Langeweile auf. „Ich konnte hier täglich viel trainieren“, erzählt der 41-Jährige der seinen Nachnamen seinem aus Ungarn stammenden Vater verdankt.

Natürlich wird ihm auch die Frage gestellt, wie er bisher finanziell über die Runden gekommen ist. Aber seine Antwort überrascht ein wenig: „Ich rede grundsätzlich nicht über Geld!“, da ist er konsequent.

So hört man von ihm auch kein Wort über die Höhe der Spielergehälter in der Schach-Bundesliga und ob man in der höchsten spanischen Liga noch mehr oder weniger verdienen kann, in der sitzt Pap am Schachbrett.

Er hat bislang 24 internationale Turniersiege eingefahren und einer davon gelang ihm 2012 in Korbach, wo er die Gebrüder Käding kennenlernte. Pap kann bei seinen Ausflügen in verschiedene europäische Ligen nicht nur sportlich, sondern meist auch sprachlich gut mithalten, denn der 41-Jährige spricht neben seiner Muttersprache sehr gut Englisch, Deutsch und Spanisch.

Der Schach-Großmeister sitzt mehrere Stunden täglich am Brett

Da Corona den Sport weitgehend matt gesetzt hat, haben Schachspieler gegenüber anderen Sportarten das Glück, dass sie zumindest gegen den Computer antreten können. Das Duell gegen den Rechner zählt natürlich auch zu den Trainingsinhalten von Pap, aber er sitzt täglich auch mehrere Stunden am Spielbrett und zerbricht sich den Kopf darüber, neue Möglichkeiten zu finden, die sein Spiel variantenreicher und damit für den Gegner weniger gut durchschaubar machen.

Der Laie stellt sich dabei eine Frage: Kann ein Schachspieler überhaupt effektiv trainieren, denn er weiß ja nie, wie sein Gegenüber auf seinen Zug reagieren wird? „Ja, das kann er bis zu einem gewissen Punkt“, betont Pap. Schachspieler könnten sich auf jeden einzelnen Gegner vorbereiten, dessen Stärken und Schwächen analysieren und so eine Taktik herausarbeiten. Dafür teilt er den Verlauf der Partie in drei Teile ein: die Eröffnung, das Mittelspiel und das Endspiel. Eine Trainingseinheit kann sich ausschließlich mit der Eröffnung beschäftigen. Sie umfasst etwa die ersten zehn bis 15 Züge einer Partie und endet nach der Entwicklung der Figuren.

Es gibt mindestens 50 verschiedene Eröffnungen und hunderte von Varianten ein Spiel zu eröffnen und all diese Anfangszüge haben auch einen Namen, etwa die Spanische Eröffnung, die Italienische, Schottische, Skandinavische, Sizilianische, sie heißen auch Läuferspiel, Königsgambit oder sie tragen den Namen ihrer Erfinder, wie etwa die Réti-, Larsen- und Bird-Eröffnung.

Schach-Großmeister Misa Pap hat eine Eröffnungsstrategie erfunden

Die Pap-Eröffnung fehlt noch, aber er hofft, dass die von ihm erfundene Anfangsstrategie auch eines Tages in den Schachlehrbüchern auftauchen wird. Zumindest findet sich im Internet schon die nach ihm benannte Variante Misa Pap-Attack. 

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