Heimische Athleten haben meist Verständnis für Entscheidung

„Schade, aber verständlich“ - alle Leichtathletik-Meisterschaften in Hessen bis Februar abgesagt

Ann-Kristin Gohmert vom TV Jahn Willingen
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Sie zählt auch zu den heimischen Leichtathleten, die sich im Wartestand befinden: Ann-Kristin Gohmert vom TV Jahn Willingen, hier beim Twister Werfertag.

Frankfurt – Der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) hat aufgrund der coronabedingten Kontaktbeschränkungen alle für Januar und Februar 2021 bereits terminierten Titelkämpfe abgesagt.

Somit fallen die hessische Hallen-Meisterschaft und die im Freien stattfindende hessische Winterwurf-Meisterschaft in Frankfurt und in Hanau sowie die Titelkämpfe der Senioren in der Herrenwaldhalle in Stadtallendorf aus.

Langfristig seien keine gleichen Trainingsbedingungen für die Athleten abzusehen. Zudem bestehe Unklarheit, welche Teilnehmergrößen bei den Veranstaltungen zulässig sein werden. Dennoch werde der Verband seinen Bundes- und Landeskader-Athleten die Möglichkeit bieten, im Rahmen von kleinen Meetings Leistungstests zu absolvieren und sich für die Deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund (Männer/Frauen) sowie in Sindelfingen (Jugend) zu qualifizieren.

Auf Bedauern aber auf Verständnis stößt dieser Beschluss bei unserer Umfrage bei den heimischen Leichtathleten und Trainern.

Wettkämpfe fehlen: Marius Karges.

Marius Karges (U18, Eintracht Frankfurt aus Bad Wildungen): „Es ist schade, dass die Veranstaltungen ausfallen müssen. Ich wäre in der Halle bei den Hessischen, die zum Jahresanfang dazugehören, wohl beim Kugelstoßen und bei den Winterwurf-Meisterschaften beim Diskuswerfen gestartet.

Die Absagen sind aber verständlich, denn gerade die Hallenmeisterschaft ist wegen Corona mit Risiken verbunden. Die Winterwurf-Meisterschaft zu veranstalten wäre einfacher gewesen, weil sie draußen stattgefunden hätte, aber wenn die zuständigen Leute das so entschieden haben, werden sie schon einen Grund dafür haben. Die Absagen sind aber auch nicht so schlimm, weil mein Training auf längerfristige Ziele ausgerichtet ist. Dass ich durch meinen Kaderstatus unter den Hygieneauflagen wegen Corona weitertrainieren kann, ist echt gut. Es ist aber schade, dass man das Trainierte nicht beim Wettkämpfe zeigen kann.“

Pause ist okay: Sophia Schiffmann.

Sophia Schiffmann (U18, TSV Korbach): „Die Hallenmeisterschaften sind immer noch etwas Besonderes, weil es dort einfach mitunter auch andere Disziplinen wie den 60-Meter-Lauf und Umstände gibt. Deshalb freue ich mich schon jedes Jahr darauf. Aber ich kann verstehen, dass sie dieses Jahr ausfallen. Draußen konnten wir ja teilweise noch unsere Saison bestreiten, aber drinnen wäre es auch durch die Corona-Auflagen viel schwieriger geworden.

Ich denke, wenn wir dieses Jahr in der Wintersaison eine Pause machen, dass wir dann nächstes Jahr wieder normale Wettkämpfe bestreiten können. Ich versuche mich derzeit durch Joggen und Home-Workout fitzuhalten. Die Trainingspartner fehlen natürlich, weil es mit ihnen mehr Spaß macht.“

Von Corona genervt: Tom Hundertmark.

Tom Hundertmark (U18. TSV Twiste). „Es ist erst einmal schade, weil man seine Leistung ohne die Wettkämpfe nur schwer einschätzen kann. Dass man nur allein oder zu zweit trainieren kann, ist schon ziemlich nervig. Ich kann die Absagen wegen Corona aber nachvollziehen, denn das ist eine ernstzunehmende Gefahr. Ich mache im Moment viel Krafttraining, denn bei dem Wetter zu werfen, macht nicht so viel Sinn. Zudem trainiere ich Kraft auch mit Alwin Wagner in Melsungen oder wenn ich werfe mit Hans-Jürgen Schomburg in Twiste auf dem Sportplatz. Seit ein paar Wochen mache ich noch zwei wöchentliche Boxeinheiten als Ganzkörpertraining. Ich hoffe, dass es bald wieder mit dem Sport weitergeht, denn es reicht so langsam mit Corona, das ist echt nervig.“

Nicht überrascht: Marion Tenbusch.

Marion Tenbusch (W50, TSV Korbach): „Das alles ausfällt habe ich mir schon gedacht. Ich denke auch, dass gar keine Hallensaison stattfinden wird. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die deutschen Meisterschaften Anfang März ausgetragen werden, auch weil man derzeit in keine Halle darf. Ich hoffe, dass es mit den Titelkämpfen im Sommer vielleicht mit einer abgespeckten Form weiter gehen kann. Ich habe mich schon gewundert, dass Ende August noch die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften stattgefunden haben, bei denen jede Menge Athleten dabei waren.

Da wir derzeit keine guten Trainingsbedingungen haben, sind die Absagen vielleicht gar nicht so verkehrt. So fährt man nicht unvorbereitet zum Wettkampf. Für mich ist es nicht so schlimm, wenn ich keine Wettkämpfe mache. Ich trainiere nach wie vor so gut es geht. Ich muss nicht händeringend einen Wettkampf machen, sondern bin froh, wenn ich mich fit halten und überhaupt trainieren kann. Als wir im Sommer nicht auf den Platz konnten, habe ich wie viele andere auch, im Wald trainiert und hatte oft den Hund dabei. Dabei habe ich unterwegs auch Tempoläufe und Kräftigungsübungen gemacht.“

Till Vollmar (Trainer und Abteilungsleiter TSV Frankenberg): „Die Hallensaison ist für unsere Athleten ohnehin eher zweitrangig, wichtiger ist die Sommersaison draußen. Aufgrund der Corona-Pandemie ist das Aufbautraining im Winter derzeit ohnehin anders, deswegen kann ich die Entscheidung der Absagen verstehen und stehe auch dahinter.

Wichtiger als Sport ist, dass die Infektionszahlen wieder zurückgehen, dann können wir vielleicht im Januar oder Februar wieder in den normalen Trainingsbetrieb gehen. Das ist mit Blick auf die Sommersaison viel wichtiger für uns.“ (jh/ls)

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