Arbeitsreiches Wochenende beim Skiclub Willingen

Schanzenschnee vom Laster: Grünes Licht per E-Mail

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Frisch eingetroffen: Mehrere Laster mit Schnee aus der Skihalle in Bispingen trafen am Samstag an der Mühlenkopfschanze ein. Manche Kilo Schnee mochten offenbar nicht ins Upland – Björn Wäscher musste mit der Steilhangwalze nachhelfen, ehe er von der Ladefläche fiel.

Willingen. Oft schaut eine Woche vorher ein Offizieller am jeweiligen Ort nach dem Rechten. Ob der Weltcup der Skispringer auch tatsächlich stattfinden kann. Aber nicht in Willingen.

„Ich habe Rudi Tusch, der beim DSV für uns zuständig ist, per E-Mail informiert und einige Fotos geschickt“, erzählte Jürgen Hensel am Samstag im Auslauf der Mühlenkopfschanze. Auf die Antwort musste der OK-Chef nicht lange warten, der Internationale Ski-Verband Fis hat schnell grünes Licht gegeben.

Dabei gestalteten sich die Vorbereitungen alles andere als einfach, das Tauwetter der letzten Woche hat die Schneereserven zusammenschmelzen lassen. „Wir haben alles im Griff“, gab sich Hensel betont gelassen, „so etwas hatten wir schon mehrfach“. Zuletzt musste vor zwei Jahren Kunstschnee von außerhalb herangekarrt werden.

Noch 40 Ladungen Schnee

Zunächst schien man mit zusätzlichen 500 Kubikmeter aus der Skihalle in Bispingen auf der sicheren Seite zu sein. Daraus wurden dann 750 und Mitte der Woche, als klar war, dass die eigenen Schneekanonen nicht mehr angeworfen werden können, gab es eine kleine Krisensitzung. Danach wurden 2000 Kubikmeter bestellt, die letzten der 40 Lkw-Ladungen sollen am heutigen Montag anrollen. Die Mehrkosten, die der SC Willingen und eine Ausfallversicherung tragen müssen, sind fast sechsstellig.

„Mit unserer eigenen Beschneiung können wir den Aufsprung komplett belegen“, erklärte Schanzenchef Wolfgang Schlüter. „Von dem angelieferten Schnee benötigen wir 1500 Kubikmeter im Auslauf und unterhalb des Schanzentisches, der Rest ist zur Sicherheit.“ Nicht ganz einfach wird das Unterfangen, die weiße Masse im Hang zum Halten zu bringen. Zunächst wurden zusätzliche Querbalken eingezogen, normalerweise sind die zehn Meter auseinander, jetzt liegen sie zwischen der 80- und der 150-Meter-Marke bereits alle fünf Meter. Damit der Schnee sich trotz des fehlenden Frosts gut mit dem Untergrund verbindet, wird zunächst Kunstdünger ausgestreut.

Neben der vereinseigenen Steilhangwalze werden noch zwei weitere Pistenraupen mit Drahtseilen am Schanzentisch angedockt, um bis Mittwoch den Schnee auf der Mühlenkopfschanze zu verteilen. „Ich kann den Liftgesellschaften nur für ihre Unterstützung danken“, betonte Hensel, „wenn wir ein Problem haben, dann sind sie zur Stelle, das ist nicht selbstverständlich“.

Samstag „Großkampftag“

In der Nacht zum Donnerstag kommt dann Günter Abel wieder mit seinem Schneehobel zum Einsatz, damit der Technische Delegierte Fredi Zarucchi nachmittags die Anlage wieder für die beiden Einzelspringen am kommenden Samstag und Sonntag freigeben kann. Der Innsbrucker startet oben am Adlerhorst und begutachtet zunächst die bereits am Wochenende eingefräste Anlaufspur. Er schreitet dann die größte Großschanze der Welt zu Fuß hinab. Dabei sieht er die vielen überall noch letzte Hand anlegenden Helfer.

Ein „Großkampftag“, wie es Hensel nannte, war zum Beispiel der Samstag. Die Technik wurde geschaltet, die Verkaufsstände aufgebaut oder die Tribünensitze durchnummeriert. Und am Weltcup-Stryckbahnhof installierte das Technische Hilfswerk die mobilen Flutlichtanlagen. Große Hektik? „Nein, das täuscht“, meinte Hensel, „alles wird gut“. Davon macht sich am Freitag bei der Qualifikation dann auch Rudi Tusch vom DSV ein Bild.

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