Ex-Korbacher Spieler im Interview  

Sebastian Wrzosek trainiert Bad Wildunger Handballer 

Zugepackt: Der damalige Korbacher Sebastian Wrzosek (links) wird von Jan Appel (Mitte, Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim) attackiert, dessen Trainer er nun ist. HSG-Akteur Jan Krathge verfolgt die Szene. 
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Zugepackt: Der damalige Korbacher Sebastian Wrzosek (links) wird von Jan Appel (Mitte, Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim) attackiert, dessen Trainer e r nun ist. HSG-Akteur Jan Krathge verfolgt die Szene. 

Eigentlich wollte Handballer Sebastian Wrzosek nach seiner Spielerkarriere beim Bezirksoberligisten TSV Korbach ein Jahr Pause machen. Doch dann kam Corona und der 32-Jährige übernahm Bezirksoberligaaufsteiger HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim als  Trainer.

Dass Sie mit dem Handballspielen nach der Runde aufhören würden war schon vorher klar, oder?

Ja, ich hatte für die letzte Saison noch einmal zugesagt, aber mit der Bitte, dass ich dann gar nicht mehr gefragt werde.

Da kam Corona und Ihr Abschied war anders als erwartet.

Meine Verabschiedung als aktiver Handballer habe ich mir natürlich anders vorgestellt. Das letzte Spiel war mit der Partie am 8. März bei Eintracht Baunatal II, das wir 28:27 gewonnen haben, blöderweise auch noch ein Auswärtsspiel und man wusste da ja auch noch nicht, dass die Saison abgebrochen werden würde. Ich bin zwar nicht der Fan von einem Riesenspektakel, doch im Nachhinein hätte ich mir schon einen anderen Abgang gewünscht. Ich hätte gerne noch ein paar Worte zu den Korbacher Fans, den Spielern und den Verantwortlichen gesagt, mit denen man jahrelang einen Weg zusammen gegangenen ist.

...auch weil Sie sich dort sehr wohl gefühlt haben...

Genau, deshalb bin ich auch beim TSV geblieben, obwohl ich auch die Möglichkeit hatte, woanders zu spielen. Am Ende waren es fünf schöne Jahre in Korbach, für die ich mich gerne bei vielen Leuten bedankt hätte. Ich hoffe, dass es noch die Möglichkeit geben wird, das nachzuholen. Da lassen wir uns auch von Corona nicht stoppen.

Sie wollten mit dem TSV Korbach aufsteigen. Wie groß ist die Enttäuschung, dass das wegen des zweiten Platzes beim Saisonabbruch im März und den damit auch abgesagten Relegationsspielen nicht möglich war?

Die Relegationsspiele gegen die ESG Gensungen/Felsberg II und ein möglicher Aufstieg wären natürlich ein krönender Abschluss für mich gewesen, auch weil ich mir sicher bin, dass da in beiden Hallen richtig was los gewesen wären. So war die Enttäuschung natürlich groß.

Sind Sie sauer auf die Verantwortlichen des Hessischen Handballverbandes, dass diese entschieden haben, dass es zwar keine Absteiger geben wird, aber die insgesamt wenigen Relegationsteilnehmer nicht aufsteigen dürfen?

Weniger sauer, eher enttäuscht darüber, dass die gute Leistung, die wir in der ganzen Saison gezeigt haben, am Ende für die Katz war und nicht gewürdigt wurde. Wenn ich sehe, dass der HSC Zierenberg mit 1:40 Punkten nach 20 Niederlagen in 20 Spielen und einem Punktabzug wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls in der Landesliga Nord geblieben ist und wir nicht in diese aufsteigen konnten, dann fühlt man sich schon ein bisschen veräppelt.

Was bleibt nach fünf Jahren in Korbach bei Ihnen hängen?

Zum einen, dass wir in der Mannschaft immer eine familiäre Stimmung hatten und durch die Zuschauer in der Halle immer viel los war. Bei der Euphorie und Stimmung, die wir da hatten, war das schon Oberliganiveau. Wir waren ein zusammengeschweißtes Team und ein gallisches Dorf. Die meisten Mannschaften mochten es nicht nach Korbach zu fahren und gegen uns zu spielen, weil wir mit den Fans eine richtige Einheit waren. Es hat mir viel Spaß gemacht in Korbach zu spielen, auch weil wir mit der Mannschaft außerhalb des Handballs extrem viel gemacht haben, sodass auch durch Feiern oder Fahrten richtig gute Freundschaften entstanden sind. Das hat Korbach für mich ausgemacht.

Sie wollten nach der Saison eigentlich ein Jahr Handballpause machen. Jetzt sind Sie Trainer in Bad Wildungen. Wie kam es dazu?

Ich wollte, dass Jahr für mich und die Familie nutzen, weil jeder Handballer so viel Zeit und vor allem die Wochenenden für den Sport opfert. Auch durch meine Tochter wollte ich die Wochenenden anders planen und auch mal Veranstaltungen besuchen. Aber durch Corona hat sich sehr vieles zerschlagen, gerade was das Reisen oder Veranstaltungen angeht. Und als dann die Anfrage von Bad Wildungens Abteilungsleiterin Christiane Schrauf, ...

...die sie als Glücksfall für die HSG Bad Wildungen/Friedrichstein/Bergheim HSG bezeichnet hat....

kam, habe ich nach Gesprächen, auch mit Spielern, zugesagt, dass Traineramt in Bad Wildungen zu übernehmen. Und das auch weil für mich dorthin aus Bergheim ein Katzensprung ist. Das war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus, mit der ich mich jetzt wohlfühle, die aber wahrscheinlich anders ausgefallen wäre, wenn Corona nicht gekommen wäre.

Was wissen Sie über die Bad Wildunger Mannschaft?

Das ist eine ziemlich junge Mannschaft mit vielen talentierten Spielern, aber das kommt mir als junger Trainer ja zu Gute, so kann man die Jungs auch noch gut formen und wir können einfach zusammen wachsen. Ich in meinem Trainerjob und die Spieler durch meine Erfahrung. Die haben ebenso Lust und Bock auf Handball wie ich. Wir haben richtig gute Jungs wie Florian Heß oder Jan Appel oder auch Denis Buchholz, der für Melsungen schon in der Jugendbundesliga gespielt hat und deren Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist.

Was ist das Ziel mit Bad Wildungen für die nächste Saison in der Bezirksoberliga?

Ich kenne die BOL ja durch meine Korbacher Zeit ganz gut. Ich könnte mir schon vorstellen, dass wir im ersten Schritt um den Nichtabstieg kämpfen werden, aber vielleicht auch mit einem Auge auf einen Mittelfeldplatz schielen, den ich der Mannschaft schon zutraue. Wenn wir in der Vorbereitung zusammen Gas geben und die Mannschaft das umsetzt, was ich mir so vorstelle, dann könnte sich im Wildunger Männerhandball mal wieder eine kleine Euphorie entfachen.

Auf welche Spieler können Sie bei diesem Vorhaben bauen?

Auf die Aufstiegsmannschaft, zu der noch Torwart Benjamin Efendic stoßen wird, mit dem ich in der Vorsaison noch in Korbach zusammengespielt habe. Zudem bin ich noch mit zwei weiteren Spielern im Gespräch.

Werden Sie selbst noch einmal aktiv Handball spielen?

Nur, wenn Not am Mann ist.

Das kann sehr schnell der Fall sein.

Das werde ich schon unterbinden, denn wir haben genug Spieler, sodass ich mich schön in die letzte Reihe eingliedern werde.

Freuen Sie sich denn schon auf die Derbys in der nächsten Saison gegen den TV Külte und vor allem auch beim oder gegen den TSV Korbach?

Külte sehe ich eher neutral. Da habe ich nicht so die Verbindung dazu. Von einem richtigen Derby kann man da auch nicht sprechen, auch wegen der doch relativ großen Entfernung. Das Spiel gegen Korbach oder vor allem auch in Korbach wird dagegen sehr komisch sein, wenn ich mir vorstelle, dass ich da mit einem anderen Gewand in die Kreissporthalle komme. Ich freue mich aber jetzt schon darauf, alle Korbacher wiederzusehen und hoffe, dass ich nett empfangen werde, auch weil ich viel für den Verein geopfert habe.

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