Ehemaliger Skispringer wäre am 22. Januar 100 Jahre alt geworden

Sepp Weiler ist Willingern in guter Erinnerung geblieben

Sepp Weiler
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Kneipier und Hotelier: Skispringer Sepp Weiler war für einige Jahre auch ein Willinger Bürger.

Sepp Weiler eroberte die Herzen der Willinger im Flug: Der Oberstdorfer sprang im Training zum ersten Internationalen Skispringen auf der Mühlenkopfschanze am 13. Januar 1951 mit 101 Meter Schanzenrekord.

Willingen – Sieben Jahre später klopfte er nach finanziellen Problemen mit einem Sportgeschäft in Oberstdorf bei Hans Schlömer, dem damaligen Präsidenten des Ski-Clubs Willingen an, und fragte: „Könnt ihr mir helfen?“

Willingen konnte – Sepp Weiler ließ sich dann auch mit seiner Familie für einige Jahre im Waldecker Upland nieder, nachdem ihm sogar aus der DDR vom dortigen Skiläuferverband und aus den USA, wo er Skilehrer werden sollte, spontan Hilfe angeboten worden war.

Weiler wäre heute 100 Jahre alt geworden. Im Internet stößt man noch heute auf Autogrammkarten und Fotos von ihm, die käuflich zu erwerben sind.

Wikipedia schildert seinen sportlichen Werdegang. Willingen wird in diesem Zusammenhang allerdings nicht erwähnt. Dabei spielt dieser Ort eine wichtige Rolle im Leben des Skispringers, der diese Sportart sogar weitervererbt hat: Weilers Enkel Frank Löffler schaffte den Sprung ins Nationalteam und startete auch beim Weltcup auf der Mühlenkopfschanze.

Der Altmeister selbst war vor seinem Tod durch ein Krebsleiden 1997 noch einmal zum Weltcup an die größte Großschanze der Welt zurückgekehrt.

In Willingen hatte Weiler zunächst eine Skihütte am Ettelsberg übernommen, bewirtete sie zunächst allein, ehe er seine Familie nachholte. Eine seiner beiden Töchter ist im Upland geboren. Eine von ihnen lebt heute in Brilon und ist in Willingen als Skilehrerin aktiv.

Nach dem Brand in der Skihütte blieben einige Ordner mit Zeitungsausschnitten und Fotos unversehrt. Weilers Sohn Bernd sollte die Dokumente eigentlich vernichten, aber er bewahrte die interessantesten Berichte auf und veröffentlicht sie heute bei Facebook, um das Lebenswerk des Papas nachzuzeichnen. Nach dem Pech mit der Skihütte hatte Weiler auch mit einem Hotel im Stryck wenig Glück.

Er hatte noch einige Fürsprecher in Oberstdorf, ging daher ins Allgäu zurück und übernahm dort den später zur Gaststätte umgebauten Kiosk an der Flugschanze, die nach ihrem Architekten Heini Klopfer benannt wurde. Das Trio Klopfer, Brutscher und Weiler hatte das Bauprojekt durchgesetzt und dafür Tücher und Autogrammkarten verkauft und so rund 40 000 Mark eingespielt. Beim Skifliegen besuchten Weiler auch seine Freunde aus Willingen, nachdem er im Upland und beim Hessischen Skiverband als Nachwuchstrainer aktiv gewesen war.

Weiler galt als einer der weltbesten Skispringer, obwohl ihm der große Triumph aufgrund der widrigen Zeitumstände versagt geblieben ist. 1940 und 1944 fielen die Olympischen Spiele wegen der Kriegswirren aus, 1948 durften deutsche Sportler noch nicht wieder daran teilnehmen.

1952 kam Weiler in Oslo mit 31 Jahren als Favorit zum ersten Olympiastart, hatte dort aber verwachst, wie er selbst sagte, und landete „nur“ auf Platz acht. Bei der WM 1941 erzielte er die größten Weiten, wurde aber von den lokalen Kampfrichtern auf Platz vier verbannt. Der Weltverband Fis annullierte die Titelkämpfe später und führte fortan fünf Sprungrichter ein.

Als Soldat an der Ostfront hatte Weiler durch einen Granatsplitter die Sehkraft seines linken Auges verloren, gab aber das Skispringen nicht auf. In seiner besten Saison 1948/49 entschied er 35 der 36 Wettkämpfe für sich.

Viele Auszeichnungen, wie das Silberne Lorbeerblatt wurden ihm zuteil und er war auch für den Boulevard zu haben. Er wusste um sein gutes Aussehen, war gefragt, posierte als Amateur für Werbezwecke oder doubelte für einen Skisprungfilm den Schauspieler Adrian Hoven.

Zuletzt monierten einige Urlauber aus dem Norden Deutschlands, dass es an der Flugschanze in Oberstdorf kaum noch Hinweise auf den Mann gibt, der für sie ein Idol gewesen und geblieben ist. Das soll sich ändern. Zwischen der Vierschanzentournee 2020 und der Heim-WM 2021 wird der SC Oberstdorf den 100. Geburtstag zum Anlass nehmen und Sepp Weiler wieder den Platz an der großen Schanze einräumen, den er im Ski-Club und in der Marktgemeinde im Allgäu verdient hat. (be)

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