Abschluss der Serie „Waldecker Landesligavereine“

Beim Tanz in den Mai schon Meister: Bad Wildungens Triumph 2013

Der Meister singt, die Kamera läuft: Das Team der SG Bad Wildungen/Friedrichstein durfte am 30. April 2013 in den Mai tanzen. Mario Salviati gibt den Dirigenten.
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Der Meister singt, die Kamera läuft: Das Team der SG Bad Wildungen/Friedrichstein durfte am 30. April 2013 in den Mai tanzen. Mario Salviati gibt den Dirigenten.

Der Vorsprung am Ende der Saison 2012/13 war riesig. Und der Jubel über den größten Erfolg der 1991 gebildeten SG Bad Wildungen/Friedrichstein ebenso.

Bad Wildungen – Bevor wir zum Aufstiegsjahr 2013 kommen, müssen wir ein paar Jahre zurückschauen. Die SG Bad Wildungen/Friedrichstein war in Kreisober- und A-Liga zu Hause, ehe 2008 erstmalig der Sprung in die Gruppenliga gelang. Dieser sportliche Aufstieg war dem Spielertrainer-Duo Carsten Laun und Torsten Scherp geschuldet und insbesondere dank eines von Ertan Calisir ausgebildeten „Jahrhundertjahrgangs“ geglückt.

Seitdem zählt die SG zu den festen Größen in der Gruppenliga und kann gut damit leben, dass es bisher nur ein Jahr noch höherklassigeren Fußball gab. Nach den Tabellenplätzen 9, 5 und 6 gab es in der Saison 2011/2012 erneut einen sportlichen Sprung. Kurz nach Beginn der Saison 2011/2012 übernahm Carsten Laun erneut das Training. Die SG rettete sich mit Platz neun in die Winterpause, mit Tuchfühlung nach oben, aber auch mit Blick zu den Abstiegsrängen.

SG Bad Wildungen: 17 Punkte Vorsprung

In der Winterpause wurde Jörg Schäfer als neuer Trainer verpflichtet. Das sollte sich als „Glücksgriff“ erweisen. Nach einer phänomenalen Rückrunde verspielten die Badestädter erst am letzten Spieltag den Relegationsplatz durch eine Niederlage in Zierenberg. Gleichwohl bedeutete der dritte Platz in dieser Gruppenliga-Saison die beste Platzierung einer SG-Mannschaft seit 1995/1996.

Die Mannschaft und das Umfeld schienen jetzt reif und sportlich fähig für „Höheres“. Ein Jahr später, in der Saison 2012/2013 war es endlich soweit. Durch das 2:0 am 30. April 2013 in Homberg erreichte die Mannschaft verdient den Aufstieg in die Verbandsliga mit souveränen 17 Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten TSV Altenlotheim.

Sektdusche: Die Wildunger Spieler um Carsten Laun taufen Meistertrainer Jörg Schäfer.

Die Mischung mit den gereiften Spielern um Tim Krollpfeiffer, Dennis Stöcker, Paul Kuhn und Waldemar Schubert; mit Youngster Jan Kramer – mit 32 Toren der Knipser der Saison – sowie den erfahreneren Spielern um Carsten Laun, Mario Salviati, Christian Schwalm und Wilhelm Rabe passte einfach. Jeder hob den besonderen Teamgeist der Aufstiegsmannschaft hervor. „An dem großen Wir-Gefühl hat Trainer Jörg Schäfer sicher den größten Anteil, er hat jeden Spieler besser gemacht, viel Neues reingebracht. Wir haben einfach eine Super-Stimmung“, sagte Laun damals nach dem Aufstieg.

Klar, dass das Abenteuer Verbandsliga mit viel Euphorie angegangen wurde. Und auch mit sportlich sehr ordentlichem Rüstzeug. Mit Sven Engelhardt im Tor, Iven Krüger und Kevin Wathling kamen richtig gute Spieler hinzu; außerdem auch Youngster Dominik Schneider, dessen Stern in jener Saison aufging und der seit 2016 in der Hessenliga spielt.

Verbandsliga: „Ein ab und zu richtig bitteres Abenteuer“

Und trotzdem: Es wurde, wie Carsten Laun heute rückblickend sagt, „ein ab und zu richtig bitteres Abenteuer“. Der Beginn der Saison war noch vielversprechend – 1:1 beim TSV Lehnerz II, danach weitere fünf Unentschieden nach acht Spielen. Bis zur Winterpause gab es aber eine Reihe Pleiten und nur einen Sieg (gegen Vellmar II). Nach der Winterpause kamen nur sieben Punkte hinzu, 17 waren es auf der Habenseite (Torverhältnis 49:99). Es fehlten satte 25 Punkte zum Nichtabstiegsplatz. So verdient wie der Aufstieg war, so klar war auch der Abstieg.

Ein wenig ratlos sei man schon gewesen, erinnert sich Laun, heute Sportvorstand der SG. „Wir hatten uns eigentlich gut verstärkt. Aber schon damals wurde in der Verbandsliga bezahlter Fußball gespielt mit entsprechend hoher Qualität in vielen Mannschaften.“ Es habe sich letztlich gezeigt, „dass für Bad Wildungen die Gruppenliga eher das richtige Pflaster ist.

Viel Enttäuschung gab es in der Verbandsliga für Neuling Bad Wildungen – hier Jan Kramer, Waldemar Schubert und Shootingstar Dominik Schneider (rechts) nach der Niederlage im Derby in Willingen.

So kam es auch: Bis auf Wilhelm Rabe, der mit seinen Toren und Vorlagen maßgeblich am Aufstieg beteiligt war, verließ kein Spieler das Verbandsliga-Team. Diese Mannschaft war in sich so gefestigt, dass ein Zusammenbrechen nach einem so deutlichen Abstieg auch nicht ansatzweise zu erkennen war. Auch in den beiden Folgejahren schaffte die SG BW/ TVF die Aufstiegsrelegationen zur Verbandsliga; scheiterte aber zweimal knapp.

Ob es für alle die erste Zigarre des Lebens war, ist nicht überliefert. Aber es war die erste Zigarre als Gruppenliga-Meister, die die Aufstiegshelden der SG Bad Wildungen/Friedrichstein rauchten, als sie am 30. April 2013 in den Mai tanzten. Es gab nicht nur etwas zu Rauchen.

„Bis halb sechs“: Carsten Laun erinnert sich

„Am nächsten Tag mussten wir bei Gastgeber Homberg noch einmal anrufen und uns entschuldigen“, erinnert sich SGler Carsten Laun. „In der Kabine sah es fürchterlich aus“, so der heutige Sportvorstand, der damals Offensivmotor war, aber am Tag des Aufstiegs verletzt zuschauen musste. „Geschlossene Teamleistung einer super Mischung aus Jung und Alt – typisch für unsere ganze Saison“, fasst Laun den 2:0-Sieg beim FC Homberg zusammen. Die beiden Tore von Christian Schwalm erlebte er vom Spielfeldrand, bei der anschließenden Party „bis halb sechs“ war er mittendrin.

Überraschend war der Triumph letztlich nicht gekommen, sagt Laun rückblickend. Bereits in der Saison zuvor habe sich angedeutet, was die Truppe drauf habe, als sie von Platz neun zur Winterpause noch auf Rang drei geklettert sei. „Wir zählten deshalb zu den Favoriten und haben dies durch eine konstant gespielte Saison auch untermauert.“

Michael Neuhaus, Vorsitzender und Pressesprecher der SG, ärgert sich noch heute ein wenig, dass er machtlos zuschauen musste, wie die Spieler kräftig feierten. „Dauernd klingelte das Telefon. Ich kam einfach nicht dazu, mich dazuzugesellen.“ Später im proppevollen Wildunger Sportheim war er dann freilich dabei. Dort gab es hier und da weitere Zigarren – und für einen jungen Spieler das erste Bier des Lebens. Ohne den Aufstieg wäre ihm das wohl vergönnt (oder erspart) geblieben. (mha/schä)

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