Ein kleiner Ausblick aufs Fest und das kommende WM-Jahr  

Bei Carolin Schäfer gehört Weihnachten ganz der Familie

+
Tunnelblick: Carolin Schäfer konzentriert sich auf ihren Start über 100 Meter Hürden im Siebenkampf der EM in Berlin. Die dortige Bronzemedaille war einer ihrer „emotionalsten Momente“.

Bad Wildungen. „Lass dich erst mal drücken, wir haben uns ja lange nicht gesehen.“ Carolin Schäfer ist zu Hause in Wildungen. Mal wieder. Auftritt beim Weihnachtsmarkt in der Altstadt. Und viele freuen sich, sie zu sehen; in echt, nicht auf dem Bildschirm.

Eine Klassenkameradin plaudert mit der Siebenkämpferin über alte Zeiten. Auch eine Reihe anderer fallen ihr um den Hals, die irgendwann einmal etwas zu tun hatten mit der „Caro“. Und sie erkennt sie alle wieder.

In der Heimatstadt ist ein gewisser Stolz zu spüren ob der Erfolge von Carolin Schäfer. Silber bei der WM 2017. Bronze bei der Europameisterschaft in diesem Jahr in Berlin – zweifellos das bisherige Highlight, gibt die Leichtathletin zu. „Ins Ziel zu laufen und vom heimischen Publikum gefeiert zu werden; zu wissen, du hast eine Medaille – das war einer der emotionalsten Momente.“

Dass es auch eine Saison ohne Highlights hätte werden können, weiß sie. „Da war schon ein großer Druck da, nachdem ich durch die Qualifikation mehr oder weniger gestolpert bin“, blickt Schäfer zurück auf Tiefen wie die drei Fehlversuche im Kugelstoßen beim Meeting in Götzis und die Höhen wie die starke gelungene Quali beim Sieg in Ratingen.

Treffen beim älteren Bruder 

„Ich bin die Oma“, stellt sich eine ältere Dame vor. Auch sie will die bekannte Enkelin mal wieder sehen, genau wie die Eltern. Jetzt an Weihnachten ist die Familie komplett zusammen; man trifft sich in Südhessen bei Carolins Bruder Sebastian und dessen Familie. 

Gespannt freut sich die Profisportlerin auf diese Zeit fernab von Leistungsdruck und Medienrummel. „Wichtig ist mir, dass in der Familie alle beisammen sind, wir die gemeinsame Zeit teilen können; dass alle mal zusammen sitzen können und einfach auch mal Familienthemen auf den Tisch kommen“, sagt die gerade 27 Jahre alt gewordene Wahl-Frankfurterin. 

Beim Schenken soll Herzblut fließen

Was ihr beim Schenken wichtig ist? „Dass Herzblut drin steckt. Es geht um den ideellen Wert, darum, dass man sich Gedanken gemacht hat.“ Zeit zum Gedanken machen hat Carolin Schäfer im Herbst gehabt, als sie für zweieinhalb Monate mehr oder weniger pausierte. „In der Pause ging es mir vor allem darum, alles mal sacken zu lassen, zu reflektieren, wie die Saison war, zu analysieren was gut und was schlecht war“, so die Kommissarin aus der Sportfördergruppe der hessischen Polizei.

Interview im Lichterglanz: Bei ihrem Besuch zum Weihnachtsmarkt in Bad Wildungen war Carolin Schäfer gefragter Star, nicht nur bei den Medien.

Für sie hat das neue Jahr begonnen, bevor das alte vorüber ist. Anfang Dezember kurz vor ihrem Geburtstag startete Schäfer in die Vorbereitung auf die 2019er Saison. Die hat in der Weltmeisterschaft im Oktober in Katar den Knüller.

WM in Doha: "An Medaille schnuppern"

Die Hallen-EM Anfang März wird keine Station auf dem Weg dorthin sein. Schäfer verzichtet auf den Fünfkampf. „Speer und die 200 Meter werden mir quasi weggenommen, die zu meinen starken Disziplinen gehören. So kann ich ganz vorne nicht mitmischen. Es ist auch immer eine Gefahr, ich will mich keinem Verletzungsrisiko aussetzen“, erklärt Schäfer. 

Sie weiß: Im neuen Jahr zählt in erster Linie die WM. In Doha möchte „Caro“ „an einer Medaille schnuppern und vielleicht die ganz Großen ärgern“ etwa die Belgierin Nafissatou Thiam, amtierende Welt- und Europameisterin sowie Olympiasiegerin.

"Ich bin jetzt auch die Gejagte"

Die gestiegenen Ansprüche kommen nicht von ungefähr. Carolin Schäfer weiß, dass sie eine Rolle eingenommen hat. Und die motiviert sie. „Ich bin jetzt eine gestandene Athletin mit internationalen Erfolgen, bin nicht mehr nur die Jägerin, sondern auch die Gejagte, weil andere mir eine Medaille streitig machen wollen“, so die 27-Jährige. Sie müsse in diese Rolle reinwachsen, habe sie aber akzeptiert. 

Eines ist der Wildungerin auch im neuen Jahr sicher: Die Leute in der Heimat, mit denen sie noch genüsslich einen heißen Punsch beim Weihnachtsmarkt trinkt, drücken ihr die Daumen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare