Satrker Siebenkampf der Wildungerin in Ratingen als "Fingerzeig Richtung Berlin"

Caro Schäfer: EM-Ticket im zweiten Anlauf

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Freudiger Blick nach oben: Carolin Schäfer hat in Ratingen (hier beim Hochsprung) ihre EM-Ambitionen untermauert.

Ratingen.  Siebenkämpferin Carolin Schäfer hat im „Nachsitzen“ ihr Ticket für die Europameisterschaft der Leichtathleten in Berlin gebucht. Beim Meeting in Ratingen gewann die Vizeweltmeisterin aus Bad Wildungen mit 6549 Punkten.

Von Martin Neumann

Carolin Schäfer fiel ihrem Trainer Jürgen Sammert in die Arme. Kurz zuvor hatte sie am Sonntagnachmittag beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen den Speer auf 53,69 Meter geworfen; fast drei Meter weiter als je zuvor in ihrem Leben. Als die Weite auf der Anzeigetafel erschien, hallte ihr lauter Freudenschrei durchs Stadion. Denn spätestens da war klar: Die Bad Wildungerin im Trikot von Eintracht Frankfurt wird den Siebenkampf von Ratingen gewinnen und als Medaillenkandidatin zu den Europameisterschaften nach Berlin (ab 6. August) reisen.

Nach den abschließenden 800 Metern kam die Vize-Weltmeisterin auf 6549 Punkte, gleichbedeutend mit Rang zwei in Europa. Nur Olympiasiegerin Nafissatou Thiam (Belgien) war mit 6806 Punkten in diesem Jahr besser. „Die Leistung ist in jedem Fall ein Fingerzeig Richtung EM in Berlin, zumal ich die Leistung aus dem vollen Training heraus erzielt habe“, zog Carolin Schäfer umringt von Journalisten zufrieden Bilanz. „Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich 6549 Punkte machen würde, hätte ich das sofort unterschrieben. Klar hatte ich eine große Last zu tragen, da es ja nur noch eine Chance gab. Und beim Siebenkampf kann immer etwas passieren.“

Speerwurf-Training mit Röhler fruchtet

Die 26-Jährige zeigte an den beiden Tagen sechs solide Leistungen und mit dem Speer eine Weltklasse-Leistung für Siebenkämpferinnen. „Das Training mit Thomas Röhler hat gefruchtet. Ich habe schon beim Einwerfen gemerkt, dass es heute richtig weit gehen wird“, freute sich Carolin Schäfer nach ihrem 53,69-Meter-Coup. Die Steigerung von fast drei Metern ist eine kleine Welt für Weltklasse-Siebenkämpferinnen, bei denen am Ende jeder Punkt zählt. Mit dem Speerwurf-Olympiasieger hatte Carolin Schäfer in der Vorbereitung einige Trainingseinheiten absolviert. Anscheinend konnte der Thüringer die passenden Tipps geben.

Caros Zitterstart mit der Kugel

Nach ihrem zweiten Sieg in Ratingen nach 2017 wartet auf die Vize-Weltmeisterin und Jürgen Sammert in den knapp sieben Wochen bis zur EM in Berlin trotzdem noch jede Menge Arbeit. „Der Hochsprung und das Kugelstoßen haben nicht gut funktioniert“, sagte der Trainer der 26-Jährigen. Nach den drei ungültigen Versuchen von Götzis ging am Samstag ein Raunen durchs Ratinger Publikum, als die Kugel nach einem verunglückten Versuch schon nach knapp zwölf Metern auf dem Rasen aufschlug. Zwar steigerte sich Carolin Schäfer noch auf 13,53 Meter, doch zur Bestleistung fehlte ihr mehr als ein Meter. „Sie kann eigentlich deutlich weiter stoßen“, so Sammert. Auch im Hochsprung wollte die Latte bei 1,81 Metern nicht liegenbleiben. So gingen nur 1,78 m in die Wertung ein.

Trotz dieser kleinen Schwächen war „Caro“ in Ratingen die dominierende Siebenkämpferin. Hinter der Österreicherin Ivona Dadic, die mit 6413 Punkten ihren eigenen Landesrekord nur um vier Zähler verpasste, sicherten sich Mareike Arndt (Leverkusen) mit 6169 Punkten und Louisa Grauvogel (LG Saar 70, 6162) die weiteren EM-Startplätze im DLV-Team.

Die deutschen Medaillenhoffnungen im Berliner Olympiastadion ruhen aber auf den Schultern von Vize-Weltmeisterin Carolin Schäfer. Dass mit ihr zu rechnen sein wird, hat die 26-Jährige mit einem starken Siebenkampf aus dem Training heraus in Ratingen eindrucksvoll bewiesen.

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