Jörn Kesper hat als Chef des Tretkommandos einen verantwortungsvollen Job

Mit der Ski-Club-Fahne ins Tal

An der Arbeit bei Traumwetter: Jörn Kesper (3. v. l.), Chef des Tretkommandos, hobelt mit seiner Truppe an einer Seilwinde hängend die letzten Unebenheiten aus dem Aufsprunghügel. Das war vor zwei Jahren.Archivfotos: ni/bk

Willingen - Der Willinger Weltcup als Familienangelegenheit: Im Vorfeld des Skispringens vom 31. Januar bis 2. Februar stellen wir einige Familien und ihre Aktivitäten vor. Heute steht Jörn Kesper im Mittelpunkt.

Er hat seine Silvia ganz oben im Adlerhorst der Mühlenkopfschanze standesamtlich geheiratet und anschließend vor der Kirche auf einer weißen Schneespur eine Kostprobe seiner Schießleistung abgegeben. Ein ehemaliger Biathlet eben. Vor den Weltcup-Springen fährt er bei der Eröffnungsfeier und der Begrüßung der teilnehmenden Nationen die Ski-Club-Fahne in den Farben Blau, Weiß und Gelb zu Tal. Das ist kein Zufall: Jörn Kesper ist als Chef des Tretkommandos einer der wichtigsten „Free Willis“. Der Bankkaufmann, der gerade mit der Sepa-Einführung beim Online-Banking schwer beschäftigt ist, aber dennoch von seinem Arbeitgeber, der Waldecker Bank, als Sponsorenleistung in der Weltcup-Woche freigestellt wird, war Skijäger im Verein und bei der Bundeswehr in Mittenwald. Anschließend wollte er aber nicht Trainer werden, wie Heiner Göbel , Michael Lohschmidt oder Martina Stede, dem Verein jedoch verbunden bleiben und etwas zurückgeben.

Im Tretkommando ist er dabei, so lange er sich erinnern kann („schon als junger Kerl“). Den Chefposten übernahm er von Jörg Stremme, als dieser beruflich in die Schweiz ging. Auch als Streckenwart ist Kesper bei den verschiedenen Veranstaltungen und Wettbewerben aktiv. Seine Frau war beim Weltcup immer in einem Verkaufsstand dabei, ehe vor zwei Jahren die Zwillinge Lina und Johan auf die Welt kamen. Die Familie ist heute Kespers Mittelpunkt.

Seine Kumpels im Tretkommando sind gleichzeitig auch zumeist sein Freundeskreis. „Wir hatten auch schon Mädchen dabei, aber die haben Kinder bekommen und sind weggeblieben“, erzählt er. Dafür ist Pfarrer Christian Röhling als guter Skifahrer aus der Truppe mit Gunnar Kesper oder Michael Behle nicht wegzudenken, auch Ralf und Jens Vogel gehörten lange zum harten Kern.

Ein schöner Augenblick ist jährlich die kleine Eröffnungszeremonie unmittelbar vor dem ersten Springen. Die Mitglieder des Tretkommandos bringen vor vollem Haus die Fahnen ins Tal, dabei geht’s oft in Schussfahrt den Aufsprunghügel hinunter. „Um die deutsche Fahne reißen sich alle“, erzählt Jörn Kesper. Auf seiner Facebook-Seite ist Kesper übrigens gemeinsam mit Janne Ahonen zu sehen. „Bei der Skiflug-WM hat Jürgen Hensel vor Jahren am Kulm dieses Erinnerungsfoto mit dem Willinger Schanzenrekordler gemacht.“

Eigentlich läuft Kesper den Sportlern nicht so hinterher, aber den schweigsamen Finnen findet er einfach gut: „Ein echtes Vorbild“. Bayern-München-Fan Kesper ist begeisterter Fernseh-Sportler: „Da lasse ich inzwischen kaum eine wichtige Übertragung aus.“

Jörn Kesper ist einer von vielen Kespers, die ein bisschen an der Geschichte des Ski-Clubs mitgeschrieben haben. Die von Natalie Volkenrath und Dieter Schütz zum 100-jährigen Bestehen des Vereins herausgegebene Festschrift führt die, die sportlich aktiv gewesen und später als Trainer, Funktionäre oder „Free Willis“ dabeigeblieben sind, alle auf: Jörn, Gunnar, Markus, Karl, Karl-Heinz, Wilfried, Wilhelm, Haldis geb. Ferchau, Heidemarie geb. Lindner und Tina, die im Langlauf und Biathlon erfolgreich waren.(be)

Karten für das Weltcup-Wochenende gibt’s unter www.weltcup-willingen.de oder der Telefonnummer 05632/9600. Auch die Tageskassen werden geöffnet sein.

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