Skispringerin aus Willingen bei Jugendspielen in Lausanne

„Traum geht in Erfüllung“: Michelle Göbel ist bald eine Olympionikin

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Bestens eingekleidet: Bei einem ersten Treffen in München hat Michelle Göbel bereits die Teamkleidung für die anstehenden Olympischen Jugend-Winterspiele in Lausanne erhalten. 

Am 16. Januar geht die Reise für Michelle Göbel los. Die 15-jährige aus Willingen erfüllte sich ihren Traum: Teilnahme an den olympischen Jugendspielen.

Willingen –Nur wenig erinnert in ihrem Willinger Elternhaus daran, dass sie mit nur 15 Jahren bereits im Continental-Cup der Skispringerinnen, eine Liga unter dem Weltcup, aktiv ist. Lediglich die Sammlung zahlreicher Medaillen im Schrank neben dem Esstisch verschafft einen Einblick, wie erfolgreich Michelle Göbel als junge Sportlerin schon ist.

Mit acht Jahren macht sie die ersten Schritte im Wintersport. Und schon kurz danach beginnt die Erfolgsgeschichte der Upländerin. Zuerst ist sie im Langlauf aktiv, stellt jedoch schnell fest, dass das nicht ihre Sportart ist: „Es war mir einfach zu langweilig, deshalb habe ich das Skispringen ausprobiert.“ Wohl die richtige Entscheidung.

Schnell entwickelt sich Michelle weiter und gewinnt bereits zwei Monate nach ihrem ersten Training einen kleinen Wettbewerb. Über die Jahre steigert sich die Willingerin und springt auf immer größeren Schanzen. Auch das Training verändert sich: aus vielen Athletik- und Koordinationsübungen wird Krafttraining.

Michelle Göbel: "Dabei sein ist alles"

Mit dabei ist immer ihr Trainer Jörg Pietschmann, der sie von klein auf begleitet. Zusammen mit ihm hat sich Michelle ihren Traum von den Olympischen Jugend-Winterspielen in Lausanne erfüllt. „Erst im vergangenen Sommer haben wir von den Spielen in der Schweiz erfahren. Ich habe viel trainiert und umso größer war die Freude, als ich nominiert wurde.“

Am 16. Januar geht die Reise für Michelle los. Gemeldet ist die Willingerin bei einem Einzel-Wettkampf. Es könnten jedoch noch zwei weitere Springen hinzukommen. Neben dem Mixed-Springen steht auch ein doppelter Mixed-Wettbewerb auf dem Programm. Diese neue Wettkampfform bestreiten Skispringer, Nordisch-Kombinierer und Skispringer gemeinsam. Je zwei Sportler aus jeder Disziplin treten dort als Team an – im Skispringern eventuell auch Michelle.

Jeder hat mal klein angefangen: Auf der Orenbergschanze machte Michelle ihre ersten Sprünge; hier ein Schnappschuss von 2013.

Die Willingerin möchte eine bestmögliche Platzierung erreichen. „Viele Gegnerinnen kenne ich schon, und gegen einige von ihnen habe ich auch schon mal gewonnen. Die Spiele sind aber etwas anderes, ich bin gespannt“, gibt sie Einblick in ihre Erwartungen.

Und was kommt danach? „Natürlich möchte jeder Sportler das Maximum aus sich herausholen. In meinem Fall ist das sicherlich der Sprung in den Weltcup“, sagt Michelle. Diese Chance bekommt sie nun vom 31. Dezember bis zum 2. Februar. Die Willingerin darf dann erstmals beim Weltcup in Oberstdorf starten und wird dort unter anderem gegen ihr Idol Sara Takanashi springen.

Aktuelle Analyse der Sprung-Technik: „Ich muss besser am Schanzentisch werden, dort verliere ich häufig viel Geschwindigkeit.“ An dieser Schwachstelle wird sie sicherlich mit Heinz Koch arbeiten. Er wird künftig ihr neuer Trainer beim SC Willingen sein. Zusammen mit ihm kann sie den endgültigen Sprung von den Alpen-, FIS- und Continental-Cups in Richtung Weltspitze schaffen. 

Free Willi, Eishockey und Abitur

Grundlage dafür: fleißig trainieren. Die Upländerin tut dies täglich, wie sie berichtet. Und das in einem Alter, in dem man die Schule auch noch in den Tagesablauf einbauen muss. Michelle ist neben dem Sport ein guter Schulabschluss wichtig. „Ich möchte das Abitur schaffen“, betont sie. „Falls es mit dem Skispringen nicht klappen sollte, habe ich dann immer noch sehr gute Möglichkeiten, meine Zukunft zu gestalten.“ 

Die Uplandschule in Willingen berücksichtigt dieses Ziel und unterstützt Michelle, so wie viele weitere Sportler. „In meiner Klasse gibt es noch vier weitere Schüler, die in ihrem Sport gefördert werden. Aufgrund der vielen Wettkämpfe schreiben wir die Klausuren häufig nach und erhalten zusätzliche Hilfe von den Lehrern. Da ist die Schule schon sehr engagiert.

Und bleibt im Sportler-Schüler-Leben noch Platz für Hobbys? Ihre Freunde sieht Michelle während der Wintermonate nur selten, da sie fast jedes Wochenende bei Wettkämpfen im Einsatz ist. „Die haben dafür Verständnis und unterstützen mich in meiner sportlichen Laufbahn sehr“, berichtet sie. Oft erhält die Willingerin nach Wettkämpfen Anrufe von Freunden und Verwandten, die sie im Skispringen bestärken und nach schwächeren Ergebnissen auch wieder aufbauen.

Ist sie dann mal wieder zu Hause, geht sie mit ihren Freunden gerne Skifahren, Schlittschuhlaufen oder spielt gelegentlich sogar Eishockey. „Auch das macht mir immer richtig viel Spaß“, erzählt Michelle – und man merkt ihr an, dass sie nicht ohne Sport leben kann. „Ich bin einfach sportverrückt“, sagt sie schmunzelnd.

Die Göbels - eine echte Wintersportfamilie

Ihre Leidenschaft kommt nicht von irgendwo, ihre ganze Familie betreibt gerne Wintersport. Auch beim Weltcup-Skispringen in Willingen ist die Familie Göbel im Einsatz. Während Michelles Mutter am Verpflegungsstand hilft, sind Vater und Tochter im Stadion unterwegs und kümmern sich dort um Essen und Getränke. 

Das macht die 15-Jährige nun schon drei Jahre. Ihre ältere Schwester wechselt in diesem Jahr vom Kampfrichterturm zum Tretkommando, das die Schanze vor und während des Springens präpariert. Ihr kleinerer Bruder schaut sich die Springen gerne an und wird in den kommenden Jahren sicherlich ebenfalls Teil der „Free Willis“ werden. (sk)

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