Der zweite Sprung gelingt nicht: Auch beim Heimspiel zeigt der Schwalefelder auf seine Weise Konstanz

Stephan Leyhe nennt Heimspiel "durchwachsen"

Skeptischer Blick nach oben: Stephan Leyhe nannte den Auftritt bei seinem Heimspiel „durchwachsen“.

Willingen. Traurig schaute er nicht drein, glücklich aber auch nicht. Genau der richtige Gesichtsausdruck für Stephan Leyhes knappes Fazit bei „seinem“ Weltcup: „Durchwachsen.“

Nach Platz 16 am Samstag reichte es gestern doch nur zu Rang 18, nachdem er den ersten Durchgang als aussichtsreicher Elfter beendet hatte. „Eine solide Performance“, meinte Bundestrainer Werner Schuster zu den Darbietungen des Lokalmatadors vom SC Willingen.

Leyhe selbst dachte verständlicherweise vor allem an das Positive, als er im dichten Schneefall noch einmal das Bad in der Menge genoss. „Ich hatte ein paar gute Sachen dabei.“ Zum Beispiel die Qualifikation am Freitag mit starken 143,0 Metern und Platz sieben. Er traf die Kante am Schanzentisch optimal und steigerte sich deutlich gegenüber den Trainingssprüngen.

„Es macht Spaß so in die Menge zu springen“, wirkte der 26-jährige Schwalefelder gelöst, „und wenn es so gut klappt, dann macht es natürlich doppelt Spaß.“

Ein Blick in die Seele

Im ersten Durchgang am Samstag landete Leyhe auch erst spät bei 140 Metern. Werner Schuster ballte oben auf der Trainerbank kurz die Faust. Sein Schützling schulterte rasch sein Ski und verschwand mit einem eingefrorenen Lächeln auf den Lippen grußlos vorbei an den Fans im Tunnel zur Standseilbahn. Spürte er plötzlich doch den Druck vor „seiner“ Kulisse?

Immerhin hatte selbst der Bundestrainer gemutmaßt, dass für Leyhe bei Olympia zu springen einfacher sei als zuhause. „Nee, gar nicht, ich habe normal mein Zeug gemacht“, wiegelte Leyhe ab.

Aber statt im eng beisammen liegenden Feld (von seinem 17. zu einem einstelligen Rang waren es nur sieben Punkte) anzugreifen, lieferte er im Finale nur 131,0 Meter. „In der Verknüpfungsphase, wo sich der Springer in Kooperation mit seinen langen Latten leichtmachen muss, da fehlt ihm noch ein wenig das Gefühl“, suchte TV-Experte Toni Innauer eine fachchinesische Erklärung.

Später im Teamhotel Hochsauerland 2010 wurde Leyhe trotzdem von den für die Fernsehkameras extra ausgelassen singenden Gästen gefeiert. „Das lindert ein bisschen die Schmerzen“, gestattet er dabei einen vielleicht ungewollten Einblick ins Innere. Bald danach verschwand er zur Massage, kurz darauf ging’s ins Bett.

Wieder nur 122,5 Meter

Die Nacht war kurz, schon um 9.30 Uhr startete gestern der Probedurchgang; Grund: die heutige Anreise des Teams zu den Olympischen Spielen nach Südkorea. Leyhe schien die ungewohnte Zeit nicht zu stören, er war mit 136,5 Metern Elfter und bester Deutscher. Wieder oben im Springerlager wirkte er locker, flachste mit Willingens Stützpunkttrainer Heinz Koch, seinem früheren Coach.

Leyhe schien den Dreh raus zu haben, denn beim ersten Wertungssprung setzte er erst bei 138,0 Meter auf dem perfekt präparierten Aufsprung auf – Platz elf. „Dann sind aber wieder ein paar Sachen zusammengekommen“, kommentierte er seine nur 122,5 Meter im Finale. Platz 18, zwei Ränge besser als im vergangenen Jahr.

Schuster: Auf tönernen Füßen

Werner Schuster hielt sich denn auch nicht lange mit den Leistungen des Upländers auf. „Sein Sprung steht oft auf tönernen Füßen“, hofft der Bundestrainer, dass der Durchbruch bald gelingt.

Stephan Leyhe blickte ebenfalls schnell nach vorn. „Jetzt muss ich dran arbeiten, dass der zweite Sprung endlich auch okay ist.“ Am besten in Pyeongchang, schon an diesem Donnerstag ist die Qualifikation auf der olympischen Normalschanze.

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