Auftakt des Forum Nordicum

Skispringer-Themen von Athletik bis Bettwäsche

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Willingen - Das gibt‘s nicht alle Tage: Vier Skisprung-Olympiasieger sind am Montag beim Eröffnungsabend des Forum Nordicum in Willingen aufeinandergetroffen – zum netten Plausch, aber auch, um mit Journalisten über den Sport und dessen Entwicklung zu diskutieren.

Skisprung vor 20 oder 30 Jahren und Skisprung heute, irgendwie ist das schwer zu vergleichen: Die Technik hat sich vom Parallel- zum V-Stil verändert, das Material ebenso. Allerdings, da waren sich Jens Weißflog, Dieter Thoma, Martin Schmitt und Andreas Wellinger einig, spielt die Athletik wieder eine ähnlich große Rolle wie früher. „Um das Jahr 2000 gab es eine Phase, in der vor allem Material und Gewicht entscheidend waren. Seitdem ist der Sport wieder athletischer geworden, wie es zu meiner Zeit auch war“, sagte Weißflog, der seine Karriere 1996 beendet hatte, am Montagabend im Café Aufwind an der Mühlenkopfschanze bei der Auftaktveranstaltung des Forum Nordicum.

Rund 100 Fachjournalisten und Funktionäre aus mehr als zehn Nationen sind in dieser Woche in Willingen zu Gast, diskutieren und informieren sich im Upland über den nordischen Skisport und Biathlon, um für die bevorstehende Saison gut vorbereitet zu sein.

SCW-Präsident „sehr stolz“

Jürgen Hensel, Präsident des Ski-Club Willingen, begrüßte die Tagungsteilnehmer sowie Ehrengäste wie Fis-Skisprung-Renndirektor Walter Hofer und den ehemaligen Langläufer Jochen Behle. Er sei „sehr stolz, dass wir das Forum Nordicum bereits zum dritten Mal ausrichten dürfen“. Schon 1997 und 2009 war Willingen Gastgeber, in diesem Jahr sprang es kurzfristig ein, nachdem die Organisatoren Thorsten vom Wege und Uwe Jentzsch keine Einigung mit dem WM-Ort Falun über die Ausrichtung erreichten. „Es war nicht so einfach, das 35. Forum Nordicum auf die Beine zu stellen“, sagte vom Wege in diesem Zusammenhang und richtete einen Dank an den Verein. Grüße überbrachten Bürgermeister Thomas Trachte und der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf. Dass die Tagung in Willingen stattfindet, sei auch für die Upland-Gemeinde und den Landkreis Waldeck-Frankenberg Ehre und Bestätigung.

Nach Aufnahmen des Hessischen Rundfunks, PR-Termin von Milka und Essen ging es in der von Ski-Club-Pressechef Dieter Schütz moderierten Gesprächsrunde mit den vier Olympiasiegern Weißflog, Thoma, Schmitt und Wellinger nicht nur um die Entwicklung des Skispringens, es war noch mehr Interessantes und Amüsantes zu erfahren: Der 19-jährige Wellinger erzählte, dass seine Mutter erst kürzlich die Martin-Schmitt-Bettwäsche aus seiner Kindheit hervorgekramt habe. Schmitt, 36 Jahre alt, nahm's zum Anlass, sich im Spaß über das mangelnde Angebot an Merchandising-Produkten in seiner Jugend zu beschweren: „Hätte es so was von Jens oder Dieter gegeben, hätte ich es auch gehabt“, sagte er mit Blick auf Weißflog und Thoma. „Gab's aber nicht.“

Weißflog stellt Biografie vor

Zumindest jetzt gibt's für die Weißflog-Fans etwas, und zwar zum Lesen: Der Sachse nutzte am Montag die Gelegenheit, seine Biografie vorzustellen. Mit 50 Jahren sowie 30 beziehungsweise 20 Jahre nach seinen Olympiasiegen in Sarajevo und Lillehammer sei es „der richtige Zeitpunkt“ für das Buch, das er gemeinsam mit dem Journalisten Egon Theiner geschrieben hat, gewesen. Die „Geschichten meines Lebens“ erzählt Weißflog darin – von seiner Kindheit in der DDR über die Karriere als Skispringer bis zu seiner Zeit nach dem aktiven Sport als Hotelier und Politiker.

Und wie geht's weiter mit dem deutschen Skispringen? Glaubt man den drei ehemaligen Athleten, dann sehr erfolgreich: „Es wird ein sehr interessanter Winter. Die Deutschen werden eine gute Rolle spielen“, meinte Thoma und bekam Zustimmung von Weißflog und Schmitt. Wellinger wollte dem nicht widersprechen: „Wir wollen um die vorderen Platzierungen mitkämpfen.“

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