Disqualifikation bei Jugendspielen hat  Willingerin lange beschäftigt

Skispringerin Michelle Göbel freut sich auf Weltcup-Debüt

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Olympiasieger als Motivator: Andreas Wellinger (Mitte) besuchte das deutsche Mixed-Springerteam mit Michelle Göbel (Zweite von rechts) bei den Jugendspielen in Lausanne.  

Nach den olympischen Jugendspielen betritt Michelle Göbel schon wieder Neuland.

Willingen – „Misserfolge sind Wegweiser auf dem Weg zum Erfolg.“ Mit diesem Zitat des irischen Schriftstellers Clive Stapelton Lewis kann man vielleicht Ü30-Sportler trösten, aber vermutlich keine 15 Jahren alten Teenager. Dafür fehlt ihnen eine längere sportliche Lebenserfahrung. Ein Satz des Philosophen Konfuzius könnte Michel Göbel da schon eher helfen: „Es gibt keine Misserfolge, es sei denn, du denkst immer wieder an sie.”

Die Disqualifikation im Mixed-Teamspringen bei den Olympischen Jugendspielen Mitte Januar in Lausanne hing der Skispringerin des SC Willingen noch tagelang in den Kleidern. Die 15-Jährige war nach dem ersten Durchgang um 400 Gramm als zu leicht befunden worden. Statt der fast sicheren Medaille folgte nur Rang sechs für die deutsche Mannschaft.

„Das war für mich nur schwer zu verdauen, weil das ganze Team darunter leiden musste. Es fiel mir anfangs schwer, überhaupt darüber zu reden“, gibt Michelle zu. Aber die tröstenden Worte von ihren Trainern und Teamkollegen hätten ihr in dieser Situation sehr gut getan. Genauso die vielen aufmunternden Worte in den Sozialen Medien, die sie aus Willingen und Umgebung in der Schweiz erreicht hätten. „Es gab aber auch Leute, die sich total darüber geärgert haben und mir sagten, ich solle sie jetzt erst einmal in Ruhe lassen. Die konnte ich aber auch verstehen.“

Der Laie fragt sich natürlich, wie kann solch ein Fehler passieren, ein Olympiateam besteht doch aus Profis. „Die Kontrolle ist sehr streng, wir werden dabei nur mit dem Anzug gewogen. Ich bin nicht extra noch einmal auf die Waage gegangen, sondern habe gedacht, es wird schon passen.“ Der Weltverband Fis hält die Springerinnen aber im unklaren darüber, wie viel Untergewicht erlaubt ist. Michelle erzählt von Kolleginnen, die schon wegen 200, ja sogar 50 Gramm vom Wettkampf ausgeschlossen wurden.

Mit dem Abstand von ein paar Tagen sieht die 15-Jährige die Olympischen Jugendspiele aber als „ein richtig cooles Erlebnis an, aus dem ich sehr viel mitnehmen werde.“ Ein wichtiger Punkt für sie lautet: Die Nerven besser in den Griff bekommen. „Ich war auf dem Schanzenturm schon extrem aufgeregt.“ Im Trainingsprogramm ist die mentale Fitness bei ihr noch nicht eingebaut.

„Ich war schon extrem aufgeregt"

„Die Trainer versuchen uns mit guten Worten zu beruhigen, das hilft mir auch schon viel. Ich glaube, jeder muss da selbst seinen eigenen Weg finden“, meint Michelle, die bei der Windlotterie im Einzelspringen in Lausanne auf Rang 13 kam. Die Spiele für die wahre Jugend der Welt liefen genau so ab wie bei den Großen auch: Sie finden auch nur alle vier Jahre statt, beginnen mit einer Eröffnungszeremonie mit Einlauf der Mannschaften und enden mit der Abschlussfeier. Michelle war nur bei der Schlussfeier dabei. In dem extra für die Spiele gebauten Olympischen Dorf mit rund 1000 Bewohnern fühlte sich die Willingerin sehr wohl und die Begegnungen mit Sportlern aus anderen Ländern sei sehr anregend und spannend gewesen. „Wir haben auch viele Sportler aus dem deutschen Team kennengelernt, so saßen die Curling- und Eishockeyspieler bei uns am Essenstisch.“

Und kaum ist Olympia für den Nachwuchs vorbei, betritt Michelle am Wochenende in Oberstdorf schon wieder Neuland: der erste Weltcup-Auftritt. Sie geht gelassen an diese Aufgabe heran, bei der sie sich auf der Großschanze mit der Weltelite messen darf. „Es wäre toll, wenn ich die Qualifikation schaffen würde, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, denn es ist erst meine dritte Einheit auf einer Großschanze.“

Das sagt eine Springerin, die die weltgrößte Großschanze vor ihrer Haustür stehen hat. Michelle ist aber noch nie vom Adlerhorst am Mühlenkopf ins Tal geflogen. Diesen Sprung will sie nach dem Weltcup in Willingen wagen. rsm

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