Becker siegt bei deutscher Meisterschaft in Willingen

Snow-Volleyball: Titelkämpfe am Ettelsberg vom Winde verweht

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Auszeit in der Gondel: Pau l Becker (hinten links) und seine Teamkameraden analysieren das Spiel.

Willingen – Vom Winde verweht: Unter dem Motto stand die zweite Deutsche Snow-Volleyball-Meisterschaft am Wochenende in Willingen.

Was am Samstag am Fuße des Ettelsbergs bereits mit starkem Wind und heftigen Regenfällen begann, steigerte sich am Sonntag sogar noch, als eine Unwetterwarnung heraus gegeben wurde. 

Kein Wunder also, dass vor allem am Finaltag nur ganz hart gesottene Zuschauer den Weg zur Veranstaltung auf sich nahmen. So wie beispielsweise Katarina und Anastasia Steblou, die extra aus Frankfurt angereist kamen und sich mit einem Regenschirm vor den Schauern schützten. 

„Wir waren neugierig, wie Volleyball auf Schnee abläuft. Schon irre, das mal zu sehen. Bei Sonnenschein wäre es zwar schöner hier gewesen, aber jetzt ziehen wir das auch bis zum Ende durch.“ Neben den beiden Mädels fieberten rund 50 weitere Zuschauer mit, die teilweise mit Klatschpappen, die ein Sponsor verteilt hatte, für Stimmung sorgten. Zusätzlich dröhnte laute Musik aus Lautsprechern.

Absage stand nicht zur Debatte

Trotzdem wurde es sportlich gesehen nicht einfacher: Die Volleyballspieler, die mit Stollenschuhen, Skiunterwäsche, Knieschonern und Mützen antraten, mussten nicht nur auf matschigem Schnee spielen und sich den Regen ins Gesicht peitschen lassen, wegen der Sturmwarnung wurden Halbfinale und Finale vorgezogen und die Sätze im Halbfinale auf elf Punkte verkürzt. Die Spiele um den dritten Platz wurden komplett gestrichen. Eine Absage stand aber nicht zur Debatte.

Ließen sich die Laune vom Regen nicht verderben: Katarina (links) und Anastasia Steblou. Foto: F. Weiler

„Der Regen war schon eine harte Nummer. Der hat das Spiel komplett verändert“, sagte der Frankenberger Paul Becker und ergänzte: „Die Bälle wurden schwer und glitschig und man konnte gar nicht richtig gucken.“ Aber nicht nur das: „Die widrigen Bedingungen führten auch dazu, dass die Teams, die nicht unbedingt favorisiert waren, viel mehr Chancen hatten, weil es mehr Faktoren gab, die Einfluss aufs Spiel hatten.“

Und das hat man vor allem am Sonntag gesehen. Denn während Becker und Co. am Samstag mit zwei deutlichen 2:0-Erfolgen durch die Gruppenphase zogen und direkt im Halbfinale standen, hatten sie Sonntag mehr Mühe.

Windglück im Entscheidungssatz

Das Halbfinale gegen Leo Hauschild, Marian Heldt, Mattes Kröger und Levin Wolf vom Verein Beach Me gewannen sie zwar ebenfalls mit 2:0, aber im Finale sah es ganz anders aus. „Wir sind als Favorit ganz schön ins Straucheln gekommen. Zum Glück haben wir mehr Erfahrung, sind ruhig geblieben und konnten dann noch die entscheidenden Punkte machen“, blickte Becker zurück. Die Titelverteidigung war also geglückt.

Becker hatte sich 2018 mit seinem Partner Jonas Schröder den ersten Snow-DM-Titel gesichert. Waren sie bei der Premiere in Winterberg nur zu zweit erfolgreich, standen sie in Willingen gemeinsam mit den Brüdern Peter und Georg Wolf auf dem Court. Im Finale schlugen sie Johannes Delinsky, Sebastian Korbach, Alexander Krippes und Peter Wagler mit 2:1 (15:11, 9:15, 15:8).

Auszeit in der Gondel: Paul Becker (hinten links) und seine Teamkameraden analysieren das Spiel. Foto: F. Weiler

Dabei hatten Becker und Co. aber auch das Glück auf ihrer Seite: Im Tiebreak fingen sie auf der besseren Windseite an und setzten sich nicht zuletzt deshalb entscheidend ab. Das gab auch Schröder zu: „Die Bedingungen haben uns in manchen Sätzen schon in die Karten gespielt.“ Becker sah das ähnlich: „Es lief anfangs verdammt steinig für uns und es hätte auch anders ausgehen können.“

Was die äußeren Umstände anging, hatte die Veranstaltung in Willingen einfach viel Pech. Trotzdem fanden die Sportler auch positive Worte: „Snow-Volleyball ist nun mal eine Outdoorsportart, auch bei Beachturnieren haben wir schon böse gefroren. Die Veranstalter haben in Willingen viel richtig gemacht, es war einfach unglücklich, dass es an beiden Tagen so stürmisch und regnerisch war. Trotzdem war es ein schönes Event“, sagte Becker und fügte an: „Bei Sonnenschein wäre hier bestimmt volle Hütte gewesen. Deswegen würden wir uns auch freuen, wenn Willingen eine zweite Chance bekommt und irgendwann mal wieder zum Austragungsort wird.“

Viel Lob für Helfer und Organisatoren

Das Spielfeld, auf dem die Snow-Volleyball-Meisterschaft ausgetragen wurde, verlangte den Ausrichtern schon im Vorfeld viel Arbeit ab. „Wir hatten uns andere Voraussetzungen erhofft, aber wir wussten, was auf uns zukommt, weil uns die Gemeinde Willingen früh ins Boot geholt hat und uns darauf vorbereitet hat, dass es keine Schneedepots mehr gibt“, sagte Christian Bauer von der Hamburger Agentur Sportplatz für Eventmarketing, die neben Willingen auch schon die erste Deutsche Snow-Volleyball-Meisterschaft in Winterberg ausgerichtet hatte. 

Also musste, wie es auch oft für das Skispringen der Fall ist, Schnee aus der Skihalle in Neuss geordert werden. Zusätzlich wurde Schnee von der Biathlonanlage in Usseln geholt. Geplant waren in Willingen eigentlich zwei Courts, einer zum Warmspielen und eben der, auf dem die Meisterschaft ausgetragen wurde. Doch weil eben zu wenig Schnee zur Verfügung stand, wurde auf den zweiten Platz verzichtet. 

„Das Hauptfeld haben wir ganz gut hinbekommen. Die Schneehöhe musste mindestens 40 Zentimeter betragen, damit die Netzpfosten gut eingegraben werden konnten. Und das hat geklappt“, sagte Bauer. Sportlich ging es am Samstag auch nach dem Wettkampf zu: „Es waren ziemlich viele Helfer im Einsatz, um den Court wieder ordentlich herzustellen. Wir hatten Glück, dass uns die Gemeinde so unterstützt hat. Uns wurde extra ein Baggerfahrer zur Verfügung gestellt. Außerdem gilt auch ein Dank an den Skiclub Willingen, der uns mit Schneehexen ausgeholfen hat. Man hilft sich hier einfach, das haben wir gemerkt und dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Bauer, dem anzumerken war, wie sehr ihn das Wetter bedrückte. 

„Das tut schon extrem weh, dass nur so wenig Zuschauer da waren und dementsprechend eben nicht richtig Stimmung aufkam. Man kann wochenlang alles super planen, aber am Ende des Tages ist Petrus eben der Stärkere und die Sicherheit der Sportler geht natürlich vor.“ 

Auch Lars Gäbler, Pressesprecher des Deutschen Volleyball-Verbands, hätte sich bessere Bedingungen in Willingen gewünscht. „Alles steht und fällt mit dem Wetter. Trotzdem haben wir alles gegeben in den vergangenen Tagen, und mit vielen Helfern für Topbedingungen gesorgt.“ Unter anderem wurden für die Volleyballspieler in einem Zelt, in dem sie sich warmhalten konnten, sogar Schuhtrockner bereitgestellt. „Die waren bei dem Wetter aber auch bitter nötig“, so Gäbler. (frg)

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