Wechsel bei Vollversammlung per Videokonferenz

Gerhard Gottmann gibt nach über 31 Jahren Amt als Jugendwart ab

Gerhard Gottmann mit Hand auf dem Autodach
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Seit Oktober 1989 Jugendwart: Gerhard Gottmann ist in seinem Amt grau geworden, aber immer am Ball geblieben.

Die Sportjugend im Kreis und Gerhard Gottmann, das war lange Zeit wie ein Synonym. Am Samstag, nach mehr als 31 Jahren, gibt er sein Amt als Jugendwart ab.

Waldeck-Frankenberg – Eine personelle Zäsur, mit diesem Wort greift man nicht zu hoch. Der mittlerweile 68-Jährige aus Helsen kann einen Nachfolger präsentieren. Endlich, würde er sagen, denn seinen Abschied hatte Gottmann schon für 2018 angekündigt. Doch seinerzeit waren „die jungen Leute noch nicht so weit“, wie er fand.

Nun stellt sich Benedict Geise aus dem Battenberger Ortsteil Dodenhausen als Jugendwart zur Wahl. Er ist 22 Jahre alt, Sportstudent, und arbeitet seit 2013 bei der Sportjugend Waldeck-Frankenberg als Jugendsprecher mit. Gottmann hat ihn als kommenden Mann aufgebaut.

„Ich habe mit Benedict einen super Nachfolger gefunden“, sagt er. Allerdings muss er noch den Übergang organisieren; bis Geise voraussichtlich im nächsten Winter sein Studium in Konstanz abschließt, wird der bisherige Jugendwart den neuen vor Ort vertreten. „So haben wir das vereinbart“, sagt Gottmann. Gemeinsam haben sie die neue Jugendordnung ausgearbeitet, die am Samstag verabschiedet werden soll.

Vollversammlung auf Zoom

Die Amtsübergabe wäre Anlass für einen größeren Bahnhof. Doch die Vollversammlung der Sportjugend Waldeck-Frankenberg (Beginn 14.30 Uhr) muss unter Corona-Bedingungen stattfinden – und deshalb erstmals überhaupt als Videokonferenz. „Wir sitzen alle zu Hause“, sagt Gottmann. Der Plan, sich zumindest mit einem Teil des Vorstands im Jugendcamp in Harbshausen zu treffen, klappt nicht wegen der dort nicht sonderlich stabilen Internetverbindung.

Ein Meeting auf der Plattform Zoom ist zwar mittlerweile technisch kein Wagnis mehr, trotzdem erfordert es die Einhaltung bestimmter Regeln. Deshalb appelliert Gottmann dringend an die Teilnehmenden aus Vereinen und Fachverbänden, sich vorab mit ihrer Mailadresse anzumelden. Das erleichtere das Prozedere am Samstag – so müssen zum Beispiel alle Stimmberechtigten Zugang zu einem Wahltool haben. Die Sportjugend richtet eigens einen digitalen Warteraum ein, in den sich alle ab 13.45 Uhr einwählen sollen.

Neben dem Helser will auch Jugendwartin Nicole Rhode weiter im Vorstand mitarbeiten, sie ist seit mehr als 15 Jahren dabei und führt die Kassengeschäfte. Als ihre Stellvertreterin wird laut Gottmann Monika Trilling-Rauch, Jugendwartin des TV Rhoden, kandidieren. Außer Benedict Geise und seinem Mitstreiter Maximillian Geitz, der sich in Zukunft verstärkt um den Sportjugend-Auftritt in den sozialen Medien kümmern soll, stehen auch folgende weitere Jugendsprecher zur Mitarbeit bereit: Urs Fischhaupt, Lea-Fabienne Hartert, Anna Hochbein, Jonas-Dirk Kann, Jaron Schultze und Jonas Wiesemann.

Inzell-Freizeit wurde zum Klassiker

„Die Sportjugend Waldeck-Frankenberg ist in meiner Wahrnehmung sehr aktiv“, sagte bei der letzten Vollversammlung Ronny Schulz, der Sportjugend-Referent für Nordhessen. Das Lob kann sich Gerhard Gottmann an die Fahne heften. Mit seinem Namen wird etliches verbunden bleiben. Soziales Engagement zum Beispiel. „Sport für alle Kinder“, hieß ein Unterstützungsfonds für Bedürftige, den die heimische Sportjugend Ende 2012 auflegte, um seither Kinder aus sozial schwachen Familien zu unterstützen.

Auch für die Belange von Geflüchteten hatte Gottmann stets ein Herz. Zuletzt organisierte er im Oktober trotz der Pandemie eine Freizeit mit Sportassistentenausbildung, die ausdrücklich auch für Jugendliche aus Migrantenfamilien ausgeschrieben war. Anfang 2019 übernahm Gottmann das Amt des Koordinators für Integration zusammen mit seinem leider bereits verstorbenen Stellvertreter Manfred Ries. Der Sportkreis hat es geschaffen, um die Sportcoaches im Projekt „Sport und Flüchtlinge“ zu unterstützen.

Der 68-Jährige ist Mitglied im Jugendhilfeausschuss des Landkreises und im Fachausschuss „Förderung der Mitgliedsorganisation“ der Sportjugend Hessen sowie stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises. Niedergelegt hat er inzwischen das Amt eines Beauftragten für Kindeswohl im Sportkreis, das er gemeinsam mit der Hatzfelderin Sylvia Kuhnhenn angetreten hatte.

Immer ein Thema für ihn: Aus- und Fortbildungen. Derzeit versucht er, eine dezentrale C-Lizenzausbildung nach Waldeck-Frankenberg zu holen. Er hat zahlreiche Seminare mitorganisiert. Zuletzt vor einem Jahr stand „Selbstbehauptung für Kinder“ auf der Tagesordnung, im Herbst 2019 das Thema Inklusion, von der Landesregierung finanziert. Überhaupt hat der alleinstehende scheidende Jugendwart stets gewusst, wo Zuschüsse und wie Förderungen zu bekommen waren. Er arbeitete sich akribisch in die Materie ein.

Ein Klassiker ist die Inzell-Freizeit für Kinder und Jugendliche, die die Sportjugend unter Gottmann 19 Jahre lang angeboten hat, ehe sie im Vorjahr wegen Corona erstmals abgesagt werden musste. Indem er junge Leute in die Betreuung einband, hat Gottmann bei den Aufenthalten im Camp des Bayrischen Landessportbundes auch Mitarbeiter für die Sportjugend gewonnen. „Ich habe ihnen immer Aufgaben gegeben, „, sagt Gottmann, „dann läuft das auch.“ (mn)

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