Nils Milde, Jennifer Cramer, FC Ederbergland, Tilman Garthe und Michaela Kittel an die Spitze gewählt

Sportlerwahl der Rekorde

Korbach - Rekordbeteiligung, Rekordergebnisse: 1986 Stimmen für den Sportler des Jahres Nils Milde und 1681 für Jennifer Cramer als Sportlerin des Jahres gab‘s in elf Jahren WLZ-FZ-Sportlerwahl noch nie. Rund 100 Gäste klatschten bei der Ehrung am Donnerstagabend im Korbacher „LaLeLu“ den Gewinnern Beifall – und vermissten das beste Team.

Jörg Kleine geriet glatt ins Schwärmen. „Eine tolle Beteiligung. Das zeigt, wie tief der Sport in Waldeck-Frankenberg verankert ist“, fand der Chefredakteur von Waldeckischer Landeszeitung/Frankenberger Zeitung angesichts der knapp 9600 Teilnehmer, die via Internet, per Coupon oder Mail bei der Sportlerwahl 2013 abgestimmt hatten. Auch das ein Spitzenresultat.

Die Gunst des Publikums war eindeutig verteilt: Es hievte Fußballer und Leichtathleten auf sechs der zwölf Medaillenplätze, die bei den Aktiven zu vergeben waren (Details: siehe Liste auf der gegenüberliegenden Seite). Der Wintersport, zuletzt stets favorisiert, schaffte es dreimal unter die besten drei, Handball zweimal und Tischtennis einmal.

Die Ergebnisse kannten bis Donnerstagabend nur die Sportredakteure von WLZ-FZ. Erst an Ort und Stelle lüftete Moderator Dirk Schäfer das Geheimnis. Spannend war’s vor allem für die Nominierten, die wiederum alle geladen waren. „Sie alle sind Gewinner, Verlierer kann es heute Abend eigentlich nicht geben“, betonte Schäfer.

Dass es Lücken an den festlich gedeckten Tischen gab, ist auch der Jahreszeit geschuldet – die meisten Wintersportler etwa hatten ihre Teilnahme wegen Training oder Wettkämpfen abgesagt. Nadine Horchler vom Ski-Club Willingen, Titelverteidigerin bei den Sportlerinnen und diesmal Zweite, hält sich beim IBU-Cup der Biathleten in Ruhpolding auf. Mutter Ute nahm den Pokal entgegen und verriet bei dieser Gelegenheit, dass die Tochter, in der vergangenen Saison unter anderem Weltcup-Staffel-Siegerin, die Hoffnung auf Olympia in Sotschi noch nicht gänzlich aufgeben habe.Schon besser stehen die Chancen auf eine Nominierung bei Bobfahrer Jan-Martin Speer, zurzeit in Igls an der Bahn. „Ich denke und hoffe, dass er in Sotschi dabei ist, zumindest als Ersatzmann“, sagte Vater Willfried.

Vorjahressieger Speer wurde diesmal Dritter. Zur Nummer zwei der Sportler des Jahres wählten die Leser den aus Korbach stammenden Fußballer Jannik Bandowski. Der Jungprofi (Borussia Dortmund) und U-20-Nationalspieler befinde sich im Aufbautraining, nachdem er eine Zeit lang hatte aussetzen müssen, berichtete seine Mutter Martina.Nils Milde holte seinen Pokal persönlich ab. Der 38 Jahre alte Mittel- und Langstreckenläufer von der LG Eder hatte im Oktober als Dritter über 3000 Meter Hindernis seine erste Freiluft-Medaille bei einer Senioren-WM gewonnen – dank seiner besseren Hürdentechnik, wie er verriet.

Die Trophäe für die Sportlerin des Jahres nahm Laura Cramer entgegen. Ihre Zwillingsschwester Jennifer steckt mit Turbine Potsdam in der Vorbereitung auf die Rückrunde der Frauenfußball-Bundesliga. Die Europameisterin will nach auskurierter Verletzung wieder angreifen. „Ich denke, dass sie voll durchstartet“, sagte Laura Cramer. Auf Platz drei kam Vipers-Handballerin Tessa Cocx, die vom Abschlusstraining nach Korbach geeilt war.

Leer blieben die reservierten Plätze für die Mannschaft des Jahres. Die Fußballer von Hessenliga-Aufsteiger FC Ederbergland, die mit 1290 Stimmen vor den Handballern des TSV Korbach (1028) und den Tischtennis-Spielerinnen des SV Rennertehausen (677) gewonnen hatten, tauchten nicht auf. Vorsitzender Dietmar Bienhaus entschuldigte sich tags darauf: „Es tut uns fürchterlich leid, der Termin ist einfach untergegangen.“ Der FCE befindet sich in der Winterpause. „Normalerweise passiert uns das nicht“, versicherte Bienhaus.

Nachwuchssportler des Jahres wurde mit 1250 Stimmen Tilman Gar­the die Wahl zum Nachwuchssportler des Jahres unangefochten gewonnen. Fast 500 Stimmen Vorsprung hatte er vor dem Frankenberger Matthis-Leon Wilhelm. Die Teilnehmer der Abstimmung würdigten damit den süddeutschen Meistertitel und DM-Platz sechs in der Altersklasse U 18 des 800-Meter-Läufers von der LG Eder. Tilman stellte sich bei der Ehrung als reifer junger Mann vor, der Moderator Dirk Schäfer keine Antwort schuldig blieb. Natürlich wollte Schäfer vom Elftklässler auch einen Blick in die nähere Zukunft haben. „So ein bisschen ein Traum ist die Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen“, erzählte Tilman, schränkte aber gleich ein: „Das ist sehr schwierig zu erreichen.“ Ein kleines Dilemma offenbarte Matthis-Leon Wilhelm, DM-Fünfter und süddeutscher Vizemeister im Weitsprung der U 18. Er war lange Jahre hoch und weit gesprungen, hatte aber zuletzt die flache Variante favorisiert – bis zum vergangenen Wochenende. Da flog er bei den Hessenmeisterschaften in der Halle über 1,96 Meter, neuer persönlicher Rekord. „Ich kann jetzt einfach nicht sagen, ob ich Weit- oder Hochspringer bin“, gestand Matthis-Leon.Für Paul Winter ist die Sache dagegen ziemlich klar. Der Skispringer vom SC Willingen, auf Platz drei gewählt, will in jedem Wettkampf möglichst weit kommen – im doppelten Sinne.

Beim besonderen Preis, der zum zweiten Mal für ehrenamtliches Engagegemnt vergeben wurde, erreichte Michaela Kittel aus Ernsthausen mit 962 Stimmen Platz eins. Sie hat viele Meriten als Voltigiertrainerin des RFV Edertal vorzuweisen und stellt seit 25 Jahre als „Mutter der Stadtallendorfer Gymnastik-Matinee“, so Moderator Schäfer, eine Großveranstaltung mit auf die Beine.

Die geringen Abstände beim besonderen Preis spiegeln wider, dass alle Kandidaten vom wählenden Publikum wertgeschätzt wurden. Den zweitplatzierten Schiedsrichter Christof Günsch (835), Übungsleiter-Tausendsassa Birgit Kleinschmidt (827) und Hans-Friedrich Kubat, seit zwei Jahrzehnten treibende Kraft beim Laufcup Waldeck-Frankenberg (824), trennten nur wenige Stimmen, und auch der Wildunger Rollstuhlsportler Dieter Grimm (612), der den Termin nicht wahrnehmen konnte, lag dicht dran.

Mehr in der Samstagausgabe von WLZ-FZ. Eine Bildergalerie finden sie unter wlz-fz.de/sportlerdesjahres

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