Wie Vereine ab Montag wieder draußen trainieren wollen

Sportplätze öffnen wieder: In der Gemeinschaft auf Distanz

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Corona zwingt zum Umdenken Die Zeiten, als die Beachvolleyballer des TSV Frankenberg im Training nur auf den Ball achten durften, sind vorerst vorbei.

Wochenlang waren Sportplätze in Waldeck-Frankenberg gesperrt, die Turnhallen dicht. Mit der Öffnung der Freiluftanlagen ab kommenden Montag können zumindest die Draußen-Sportler wieder ins Vereinstraining starten – wenn sie die  Abstands- und Hygieneregeln einhalten.

Korbach/Frankenberg – Ist Üben unter diesen Vorgaben möglich und, wenn ja, wie? Wir haben verschiedene Akteure gefragt. Gedulden müssen sich noch Sportler, die ein Dach über dem Kopf für ihr Training brauchen – die Hallen im Landkreis bleiben mindestens bis zum 8. Juni geschlossen.  

„Wir stehen schon in den Startlöchern“

Die Leichtathleten des TSV Korbach sind bereit. „Übernächste Woche kann es losgehen“, sagt Manfred Hamel, der gemeinsam mit Udo Leithäuser die größte Sparte im HLV-Kreis Waldeck leitet. Regeln und Richtlinien gibt der Hessische Leichtathletik-Verband (HLV) den Vereinen an die Hand. Hamels Eindruck: „Das ist machbar.“ Die Auflagen für Abstand und Hygiene verändern die gewohnten Routinen jedoch tiefgreifend. 

Ein Beispiel: Ab sofort dürfen nicht mehr als vier Sportler und ein Trainer auf einer zugewiesenen Fläche mit einem Mindestabstand von jeweils zwei Metern zusammen trainieren. Die einzelnen Trainingsgruppen sollen einen Abstand von 30 Metern einhalten. Pro Einheit dürfen folglich nicht mehr als ein Dutzend Athleten auf den Paul-Zimmermann-Sportplatz. Weil allein bei den Älteren (U16 bis zu 22-, 23-Jährige) im Schnitt 20 bis 25 Sportler trainieren, muss der TSV sie in zwei Gruppen aufteilen. 

Mehr als jeweils zwei Einheiten pro Woche sind da nicht drin, zumal sich die Leichtathleten den „Pauli“ normalerweise mit den Fußballer des SC Blau-Gelb teilen – gleichzeitig dürfen sie in Corona-Zeiten nicht trainieren. Hamel hofft deshalb darauf, dass seine Sparte die Anlagen der Beruflichen Schulen mitnutzen kann. Die Jüngeren müssen sich erst mal gedulden und daheim bleiben. „Das kann sich noch ändern“, sagt Hamel. 

Teamtraining nach den Normen der Kinderleichtathletik zu organisieren, sei aber schwierig. „Und je jünger die Gruppe ist, umso schwieriger ist es, den Abstand einzuhalten.“ Recht gut lasse sich das Sprinttraining organisieren, sagt Hamel, der selbst zum Trainerteam gehört, sich aber sowohl wegen einer Vorerkrankung als auch vom Alter her zunächst zurücknimmt. Man lasse einfach jede zweite Bahn frei. 

Beim Warmmachen müssen die hintereinander laufenden Athleten darauf achten, den Abstand von jeweils 15 Metern einzuhalten. Das Techniktraining unterliegt besonderen Hygieneregeln. Disken, Kugeln oder Speere sind für die Einheit jeweils einem Werfer fest zugeordnet. Sie müssen nach ihrem Gebrauch desinfiziert werden. Mehr Respekt hat Hamel vor anderen Auflagen wie der „Kontaktrisiko-Evaluation“: Die Sportler müssen regelmäßig per Fragebogen erklären, dass sie keine Symptome einer Infektion mit Sars-CoV2 zeigen. 

Wer zum Beispiel erhöhte Temperatur hat, muss fernbleiben. „Wir müssen uns darauf verlassen, was die Kinder mit ihren Eltern angeben“, sagt Hamel. Belegungspläne und verbindliche Teilnehmerlisten, geschlossene Umkleidekabinen und Duschen, die Anfahrt möglichst mit dem eigenen Auto oder im Fahrzeug der Eltern, die dann aber nicht zuschauen dürfen – das alles macht den Trainingsalltag künftig durchaus mühsam. Und doch: „Die Athleten stehen in den Startlöchern“, sagt Manfred Hamel: „Sie sind heiß.

Sich sehen und miteinander sprechen

Nach langer Pause haben die Fußballer des TSV Altenlotheim am vergangenen Dienstag wieder ein erstes Training gestartet. Am Freitag gab es ein weiteres gemeinsames Treffen, berichtet Kai Bremmer vom Spitzenreiter der Kreisoberliga Waldeck. „All das natürlich zu eingeschränkten Bedingungen, die die Corona-Pandemie vorgibt“, sagt Bremmer, vor allem unter Maßgabe der Abstands- und Hygienevorgaben sowie der vorgegebenen Personenanzahl. 

„Die Jungs ziehen sich im Auto um, oder sie kommen schon ungezogen an“, so Bremmer. Auf dem weitläufigen Sportgelände am Oberbach sei es auch kein Problem, für ein getrenntes Ankommen und Abfahren zu sorgen. Trainiert werde in kleinen Gruppen, die auf dem Spielfeld gut zu verteilen sind.

 Und: Man müsse natürlich auch keine Zweikämpfe trainieren. Nach langen Wochen des einsamen Laufens jeder für sich habe sich der TSV zum Start in die Kleingruppenübungen entschlossen. Bremmer betont: „Es geht auch darum, dass man sich mal wieder sieht, zusammen spricht. Die Jungs sollen merken, dass es den Fußball noch gibt.“

Und der erfahrene TSV-Oldie fügt an: „Die Teilnahme am Training erfolgt natürlich auf freiwilliger Basis.“ So könnten Spieler, bei denen die Freundin schwanger sei oder eventuell ein anderes Risiko im persönlichen Umfeld bestehe, selbstverständlich zuhause bleiben. 

Unabhängig davon, wie der Hessische Fußball-Verband an diesem Wochenende über die weitere Saison entscheidet, wolle der TSV Altenlotheim das gemeinsame Training fortsetzen. Wie lang dann in diesem Jahr die Sommerpause ausfalle, das könne man noch nicht sagen, so Bremmer.(mn/had) 

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