Willingen als Vorreiter

Springerlager und Servicebereich künftig direkt bei den Zuschauern

Auftritt in Willingen: Die Fis-Renndirektoren Lasse Ottesen (links), Walter Hofer (3. v.l.), und Chika Yoshida (4. v.l.) mit Forum-Koordinator Thorsten vom Wege (2. v.l.) sowie Melanie Strauch (Fis-Kommunikation) und Ski-Club-Präsident Jürgen Hensel (r.).Foto: dit

Willingen - Die Vorbereitungen von Skispringern und Serviceleuten an den Weltcup-Schanzen bleiben dem Publikum mehr oder weniger verborgen. Bis jetzt. Beim kommenden Dreifach-Weltcup an der Mühlkopfschanze rücken die Fans den Sportlern und Technikern auf die Pelle - und das ist gewollt.

„Wir wagen an der Mühlenkopfschanze den nächsten Schritt, und Willingen wird dabei einmal mehr zum Vorreiter“, sagte der Renndirektor des Internationalen Ski-Verbands Fis, Walter Hofer, am Dienstag beim 35. Forum Nordicum in Willingen. Für den Ski-Club eine Herausforderung. Der Verein mit OK-Chef Jürgen Hensel an der Spitze bringt vom 30. Januar bis 1. Februar 2015 nicht nur zwei Einzel-Konkurrenzen und einen Team-Wettbewerb über die Bühne, sondern hat unter allen Veranstaltungsorten auch die größten Veränderungen zu bewältigen.

An der größten Großschanze der Welt soll es auf rund 200 Quadratmetern ein neues Springerlager im Bereich des Auslaufs inmitten der Zuschauer geben. In allen Jahren bisher hatte sich das Containerdorf oberhalb des Weltcup-Areals neben dem Anlaufturm befunden.

Außerdem ist geplant, eine Konstruktion aus Glas aufzubauen, damit die Fans den Serviceleuten beim Wachsen der Skier zusehen können. Zusätzlich sollen die besten Skispringer der Welt in einer offenen „Adler-Lounge“ Platz nehmen, eine weiteres Angebot an die Schaulust des Publikums. Zu guter Letzt gibt es in der Nähe der Besucher einen Aufwärmbereich für die Athleten.

„Natürlich wird das alles logistisch eine große Herausforderung für uns sein“, sagte Weltcup-Pressechef Dieter Schütz. „Aber auch ich bin fest davon überzeugt, dass analog zur Formel 1 diese neue Boxengasse des Skispringens viele emotionale Bilder erzeugen wird.“ Die Atmosphäre durch so viel Nähe zu den Fans werde beim nächsten Weltcup auf jeden Fall eine ganz andere sein.

Andere Neuerungen betreffen die Springer selbst. Hofer berichtete, die bisherige enge Passform des Anzuges werde wieder etwas gelockert, die tragenden Systeme Anzug und Ski würden besser aufeinander abgestimmt. „Gefühlt gehen wir einen Schritt zurück, aber die Sportler sind sehr zufrieden mit dieser Balance zwischen Aerodynamik und Athletik.“

Außerdem kann jeder Sportler auf einen Rückenschutz zurückgreifen, der in der Skiunterwäsche eingearbeitet ist. „Die Nationen testen das gerade, ob es etwas bringt, aber es ist zumindest ein Schutz für die Gesundheit“, so Hofer. Erhöht werden die Anforderungen an die Schutzzertifikate der Springerhelme, „um hier zumindest graduell möglichen Kopfverletzungen entgegenzuwirken“.

Auf die Frage nach der Team-Tour als Wettkampfserie der Veranstalter Willingen, Klingenthal und Oberstdorf sagte Hofer, sie werde auf jeden Fall eine Zukunft haben. „Auch andere Nationen haben ihr Interesse bekundet, aktuell passt das Format mit fünf Wettbewerben im Skispringen und Skifliegen in nur einer Woche aber nicht in unseren engen Wettkampfkalender hinein.“ (dit/red)

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