Schwalfelder vor weiterer Premiere

Für Stephan Leyhe geht’s jetzt zum Fliegen

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Stephan Leyhe konzentriert im Anlauf. Der Skispringer vom SC Willingen gibt am kommenden Wochenende sein Debüt im Skifliegen.

Hinterzarten/Willingen - Er ist der deutsche Aufsteiger im Skisprung-Zirkus: Vor wenigen Wochen kannten Stephan Leyhe außerhalb seiner Heimat nur Experten. Bei der Vierschanzentournee hat der Schwalefelder vor einem Millionenpublikum auf sich aufmerksam gemacht. Und es geht weiter: Am Wochenende feiert der 23-Jährige seine Skiflug-Premiere.

„Keine Ahnung, hab’s noch nie gemacht“, antwortet Stephan Leyhe auf die Frage, was ihn in den kommenden Tagen beim Skifliegen erwartet. 151 Meter weit ist er gesprungen, im Training war das, zu Hause im Upland. Die Willinger Mühlenkopfschanze ist die größte Skisprungschanze, was am Wochenende auf ihn zukommt, ist aber noch mal etwas anderes: Am Kulm im österreichischen Bad Mitterndorf ist im vergangenen Jahr aus der alten Natur- eine der größten Flugschanzen der Welt geworden, rund 225 Meter weit soll es dort für die Besten gehen.

Seine Teamkameraden haben dem Debütanten Tipps gegeben: „Sie haben gesagt, ich soll einfach ganz normal springen.“ Das Gefühl fürs Fliegen würde dann mit der Zeit von selbst kommen. „So gehe ich daran.“ Freitag geht’s mit der Qualifikation für den ersten Wettbewerb am Samstag los, Sonntag folgt der zweite. Respekt davor hat der Springer vom SC Willingen. Zumindest die Qualifikation will Leyhe überstehen und „dann mal sehen, was möglich ist“. Sein oberstes Ziel ist seit jeher: gute Sprünge zeigen.

Leyhe ist von Bundestrainer Werner Schuster neben Severin Freund, Richard Freitag, Michael Neumayer, Markus Eisenbichler und Daniel Wenig nominiert worden, Marinus Kraus bekam hingegen eine Wettkampfpause verordnet. Dass der Schwalefelder mit dabei ist, überrascht nach seinen jüngsten Leistungen nicht: In Engelberg wurde er Mitte Dezember bei seinem ersten Weltcup sofort 13., bei seiner ersten Vierschanzentournee sprang er in allen Wettbewerben ins Finale und belegte in der Gesamtwertung einen starken 14. Platz. Das alles hätte er sich noch vor einigen Wochen „nicht einmal zu träumen gewagt“.

Auch die Helfer im Blick

Das mediale Interesse ist enorm gewachsen, plötzlich interessieren sich nicht nur die Zeitungen aus seiner Heimat und Fachmedien für ihn, regelmäßig wollen auch die Reporter der Fernsehsender Statements von ihm - ungewohnt für den eher ruhigen jungen Mann, aber auch kein Problem: Wie derzeit beim Springen präsentiert er sich auch vor den Kameras souverän. „Ich mache mir da vorher keine Gedanken, was ich sagen kann, sondern antworte einfach auf die Fragen“, erklärt er. Und er sammelte zusätzliche Sympathiepunkte, etwa als er in Oberstdorf den vielen freiwilligen Helfern dankte. Dort musste der Wettbewerb aufgrund ungünstiger Bedingungen um einen Tag verschoben werden. Leyhe kennt die „Free Willis“ aus Willingen, zu denen auch sein Vater Volker gehört, und kann das Engagement daher gut einschätzen.

Am Montag hat er seinen 23. Geburtstag am Tag der Qualifikation fürs letzte Tourneespringen in Bischofshofen gefeiert. Glückwünsche hat er viele erhalten - aber nicht nur wegen seines Ehrentags, auch wegen seiner starken Leistungen. „Es sind so viele geworden, dass ich gar nicht auf alle antworten kann“, bittet er auf seiner Facebookseite um Verständnis. Zumindest würde er aber alle Nachrichten lesen. Nicht nur Freunde und Bekannte, auch immer mehr Fans aus Waldeck-Frankenberg und der gesamten Bundesrepublik fiebern mit ihm.

Seinen Unterstützern in der alten Heimat - seit 2011 lebt und trainiert der Schwalefelder in Hinterzarten - will er sich auch beim Weltcup vom 30. Januar bis 1. Februar präsentieren. Denn auch wenn er immer wieder betont, sich auf den nächsten Wettkampf zu konzentrieren, im Hinterkopf hat Leyhe das mögliche Heimspiel auf der Mühlenkopfschanze doch. „Es war schon immer ein Kindheitstraum, auf der großen Schanze im Weltcup vor heimischem Pub­likum zu springen“, sagt er. Vor drei Jahren durfte Leyhe in Willingen schon einmal an der Qualifikation teilnehmen, damals fehlten ihm wenige Punkte. Diesmal wären die Voraussetzungen andere und die Chancen, erstmals seit der Willinger Weltcup-Premiere vor 20 Jahren einen Springer des veranstaltenden Vereins auch im Wettbewerb zu sehen, stünden sehr gut, wenn der Upländer seine jüngsten Leistungen bestätigt.

WM noch „ganz weit weg“

Bis zu den nordischen Skiweltmeisterschaften in der zweiten Februar-Hälfte im schwedischen Falun dauert es noch länger, für Leyhe sind sie daher noch „ganz weit weg“, auch wenn er die Norm dafür - zwei Weltcup-Platzierungen unter den besten 15 Springern - bereits erfüllt hat. „Damit befasse ich mich noch nicht“, sagt er. Das braucht der aktuell 28. der Weltcup-Gesamtwertung auch nicht; er muss nur weiter gut springen. Gelingt ihm das, kommen die deutschen Trainer bei der Aufstellung des WM-Teams gar nicht an ihm vorbei.

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