Skispringer des SC Willingen landet beim Teamwettbewerb in Oberstdorf zu früh

Leyhe und Co. bei Skiflug-WM nur undankbare Vierte

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Nicht weit genug geflogen: Stephan Leyhe vom SC Willingen.

Willingen/Oberstdorf. Die deutschen Skispringer mussten sich im Teamwettbewerb der Skiflug-WM in Oberstdorf hinter Titelverteidiger Norwegen, Slowenien und Polen mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Tragischer Held war ausgerechnet Stephan Leyhe vom SC Willingen.

Bundestrainer Werner Schuster hatte sich erneut gegen Lokalmatador Karl Geiger und für den 26-jährigen Schwalefelder entschieden. Dabei war er im Einzel, das in nur drei Durchgängen entschieden wurde und Richard Freitag die Bronzemedaille bescherte, nur auf Platz 20 gelandet. Geiger hatte sich derweil mit guten Vorstellungen als Vorspringer angeboten.

Zunächst deutete alles darauf hin, dass die Rechnung aufgehen sollte. Schon im Probedurchgang landete Leyhe erstmals bei den Titelkämpfen bei 200 Metern und lieferte dieselbe Weite auch im ersten Durchgang ab. „Das freut mich sehr für das Team“, war er im TV-Interview sichtlich erleichtert – und zeigte sich zugleich angriffslustig: „Da ist noch wesentlich mehr möglich.“ Und: „Die Medaille soll es schon werden.“ Vor zwei Jahren in bei den Titelkämpfen in Bad Mitterndorf hatte er zusammen mit Severin Freund, Richard Freitag und Andreas Wellinger die Silbermedaille gewonnen.

Österreicher enttäuschen

Hinter den von Beginn an dominierenden Titelverteidigern aus Norwegen entwickelte sich ein Dreikampf mit den wiedererstarkten Slowenen und den Polen. Dagegen verabschiedeten sich die Österreicher ganz schnell aus dem Medaillenrennen, wurden am Ende abgeschlagen Fünfter. Wellinger hatte mit 226,0 Metern das DSV-Quartett in der ersten Gruppe in Führung geflogen. Leyhe hielt es auf Rang drei, wohin es Richard Freitag nach Markus Eisenbichler (200,0 Meter) solidem Sprung mit 221,5 Metern wieder hinbrachte. „Das war ein ganz guter Durchgang für uns“, meinte Werner Schuster bei Halbzeit und nur 0,4 Punkten Vorsprung auf Polen. „Stephan war dabei im Rahmen, wie er hier bisher gesprungen ist.“

Leyhe mit ganz schlechtem Wind

Im Finale vergrößerte Wellinger (212,0) zunächst im Duell mit Piotr Zyla (204,0) das Polster auf Polen. Aber dann hatte Leyhe großes Pech mit dem Wind, er erwischte die mit Abstand schlechtesten Bedingungen von allen Startern. Nachdem der Slowene Ante Semenic (220,5) und der Pole Stefan Hula (210,0) vorgelegt hatten, musste der Willinger schon bei 186,5 Metern die Ski in den Schnee setzen. „Das tut ihm richtig weh“, meinte TV-Kommentar Tom Bartels, „dabei kann er nur bedingt etwas dafür“. Leyhe war entsprechend zerknirscht, suchte die Schuld aber auch ein stückweit bei sich: „Man muss trotzdem irgendwie noch ein bisschen weiter springen.“ Schon im vergangenen Jahr bei der nordischen Ski-WM in Lahti hatte ein verpatzter zweiter Sprung des Upländers die Medaille gekostet.

Eisenbichler: Als Team einfach schlecht

Der Rückstand auf die Polen auf Rang drei betrug diesmal nun neun Punkte. Als dann Eisenbichler auf die 221,5 Meter von Dawid Kubacki auch nur 210,5 als Antwort fand, da war die Medaille praktisch weg. Freitag griff zwar noch einmal an, sprang 216,5, aber Kamil Stoch reichten solide 204,0 Meter, um den Bronzerang zu verteidigen. „Wir waren als Team einfach schlecht“, brachte es Eisenbichler auf dem Punkt, „aber das bringt uns auch nicht um“. Nach vorne schaute auch Wellinger: „Jetzt wollen wir erstmal in Zakopane als Team aufs Podest, dann machen wir noch Willingen und dann fliegen wir rüber.“ Gemeint sind die Olympischen Spiele in Pyeongchang. Dafür werden die deutschen Skispringer heute eingekleidet – mit dabei Stephan Leyhe.

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