Heimischer Landessieger verpasst Podest beim Bundesfinale

„Sterne des Sports“: Viel Anerkennung für TSV Elleringhausen auch ohne Platzierung

Karin Bernhard, Sina Jost und Birgit Kleinschmidt (von links) vom TSV Elleringhausen mit Masken  vor Großbildschirm.
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Siegerehrung in Pandemiezeiten: Karin Bernhard, Sina Jost und Birgit Kleinschmidt (von links) vom TSV Elleringhausen verfolgten via Livestream die Verkündigung der Gewinner im Bundesfinale des „Sterne“-Wettbewerbs – wie die 16 anderen Landessieger auch.

Kein dritter „Stern des Sports“ für den TSV Elleringhausen: Beim Bundesfinale des Vereinswettbewerbs gewann ein Verein aus Hannover.

Korbach – Die Luft war ziemlich genau um 11 Uhr raus. Einzelnen im Konferenzraum der Waldecker Bank in Korbach entwich sie hörbar. Kurz war es spannend geworden – als bei der virtuellen Preisverleihung im Bundesfinale um die „Sterne des Sports“ die Kurzporträts der 14 Projekte über den Livestream gingen, die die Jury nicht auf einen der drei ersten Plätze gesetzt hatte. 13 Landessieger waren schon vorgestellt, der TSV Elleringhausen noch nicht – doch dann tauchte als Nummer 14 das grün-weiße Logo des Vereins aus Waldeck auf

Keine weitere funkelnde Auszeichnung also für den „Fitnesspfad“, mit dem der TSV schon für so viel Furore gesorgt hat. .Bei der Ehrung ohne Publikum am Montag in der DZ-Bank in Berlin verkündete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Verein IcanDo (Hannover) als Bundessieger und Gewinner des „Großen Sterns des Sports“ in Gold.

Auf Platz zwei setzte die Jury den Karateverein Zanshin-Siegerland. Unter dem Slogan „ZKidz - Zanshin Kidz sind clever und mutig“ hat er ein Präventionsprogramm gegen sexuelle Gewalt und Kindesmissbrauch aufgelegt. Sein Ziel: den Kindern Selbstbewusstsein zu verleihen, damit sie sich im Alltag besser vor Übergriffen schützen können. Auf Rang drei kam eine Initiative des Duvenstedter SV. Dem Verein aus dem Hamburger Stadtteil gelingt es regelmäßig, 95 Prozent eines Jahrgangs für seine Angebote zu gewinnen.

Vorsitzende Sina Jost: „Dankbar und glücklich“

Eine kleine Abordnung des TSV mit der Vorsitzenden Sina Jost sowie den Übungsleiterinnen Birgit Kleinschmidt und Karin Bernhard verfolgte die Feier, die wegen Corona ins Internet verlegt worden war, gemeinsam mit Vertretern von Bank und Sportkreis vor der Leinwand in Korbach. Enttäuschung brach sich gar nicht erst Bahn. „Ich bin mehr als dankbar und glücklich, dass wir überhaupt so weit gekommen sind“, sagte Sina Jost nach der Veranstaltung. Der TSV hat als Sieger der Region und in Hessen bereits die Großen Sterne des Sports in Bronze und Silber abgeräumt. „Schon dass wir Silber gewonnen haben, fand ich sensationell“, so die Vereinschefin.

Auf Bundesebene gewann der TSV 1000 Euro als Vierter – auf diesen Platz setzte die Jury alle Landesbesten ohne Platzierung unter den ersten drei. Aber eigentlich, schalmeite Moderatorin Katja Müller-Hohenstein (ARD-Sportschau), „haben wir hier nur Sieger“.

Zumindest waren die Unterschiede bei einzelnen Projekten oft nur graduell. Die Niedersachsen von IcanDo hatten mit ihrer mit 10000 Euro prämierten Gewinner-Initiative „IcanDo@School“ zu Beginn der Coronapandemie im Frühjahr vergangenen Jahres ein Bewegungsangebot entwickelt, bei dem Kinder in Schulen und Kindergärten spielerisch den Umgang mit Nähe und Distanz lernen können.

Auch der Fitnesspfad, den das Juniorteam des TSV Elleringhausen mit dem im Dorf verteilten 20 Übungsstationen an der frischen Luft entworfen hat, war eine Antwort auf die Corona-Krise. Mit der „eher kleinen Idee, die dann doch sehr groß geworden ist“, habe der Verein den Sport in einer Zeit der geschlossenen Hallen „mit am Leben gehalten“, sagte Sina Jost.

Sechs Projekte drehen sich um Corona

Gleich sechs der insgesamt siebzehn „Sterne“-Projekte im Bundesfinale standen im Zusammenhang mit Corona. „Großartig, was die Sportvereine in diesen schwierigen Zeiten alles auf die Beine gestellt haben“, lobte Bundespräsident Steinmeier bei der virtuellen Siegerehrung. „Diese Kreativität macht mir Hoffnung für das neue Jahr, auch wenn von uns allen nun erst mal wieder viel Stillsitzen zu Hause gefordert ist, damit wir diese Krise gemeinsam überwinden.“

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Alfons Hörmann, nannte Kreativität und Energie der Vereine „einfach herausragend“. Hörmann wies aber auch auf Folgen des aktuellen Sport-Lockdowns hin: „Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter fehlenden Sportangeboten und die Motivation im Bereich des ehrenamtlichen Engagements sinkt – diesen Entwicklungen müssen wir unter allen Umständen entgegenwirken.“

Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (gemeinsam mit dem DOSB Veranstalter des „Sterne“-Wettbewerbs), gratulierte den ausgezeichneten Vereinen mit den Worten: „Sie alle sind Vorbilder und haben es verdient, heute im Rampenlicht zu stehen“

Die Sache mit dem Vorbild kann man wörtlich nehmen. Das Projekt Fitnesspfad dürfe gerne „in jedem anderen Ort nachgemacht werden“, sagte Sina Jost. Das Interesse ist da. „Ich höre oft, dass andere Vereine euch kopieren wollen“, sagte der Sportkreis-Vorsitzende Uwe Steuber.

Umgekehrt hat die Elleringhäuser Teilnahme am Bundesfinale im heimischen Sport Interesse an anderen Siegerprojekten geweckt. Das IcanDo-Konzept, als Download im Internet verfügbar, hat bereits im Turngau Waldeck die Runde gemacht. Schulsport mit Abstand sei außerdem ein Thema, das im Sportkreis die Mitarbeiter Jan Speer und Verena Gottmann aufgegriffen hätten und das man weiterverfolgen wolle, sagte Steuber.

Von anderen Vereinen lernen

Anregen lassen will man sich im Sportkreis auch von einem Präventionsprogramm gegen sexualisierte Gewalt, für das der Karateverein Zanshin-Siegerland in Berlin als Rangzweiter verkündet wurde. Auf ebenso großes Interesse bei Turngau und Sportjugend stößt ein ganz ähnliches Projekt, für das Jana Glindmeyer vom VfL Pinneberg den Publikumspreis erhielt. Als Vorsitzende der Sportjugend sowie als Kinderschutzbeauftragte war sie maßgeblich an dem Projekt „Stopp - Nicht mit mir!“ beteiligt. Dabei geht es in erster Linie um einen zwölfseitigen Comic zum Kinderschutz, den der Verein aus Schleswig-Holstein aufgelegt hat.

Auch eine Idee aus Brandenburg für mehr Nachhaltigkeit im Sport findet Anklang. Steuber verkündete, alle „Sterne“-Preisträger auf regionaler Ebene (neben TSV Elleringhausen noch VfL Bad Wildungen, SV Mehlen und Turngau Waldeck) wollten demnächst einen Apfelbaum pflanzen – ein Symbol für das Ziel, dass sich die Sportvereine „hin zu mehr Klima-Neutralität entwickeln“, wie Steuber sagte.

Womöglich ein Feld für den nächsten Vereinswettbewerb in Waldeck in diesem Jahr. Waldecker Bank-Vorstand Karl Oppermann und Marketingleiter Carsten Stumpe hoffen auf breite Beteiligung. Sie forderten auch den TSV zum Mitmachen in Zukunft auf: Aus Elleringhausen kämen immer wieder gute Ideen.

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