Start für die meisten an diese Wochenende

Befreit aufspielen? Tennis-Saison startet mit 49 heimischen Teams

Tennisspielerin am Netz erwartet mit Schläger den heranfliegenden Tennisball.
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Blickpunkt trotz Corona-Zeiten: der Tennisball. Es erwartet ihn Katharina Jacobs, Nummer eins des TV Odershausen.

Die Tennis-Saison in Zeiten der Pandemie startet, bis auf wenige Aufnahmen, an diesem Wochenende. 49 Waldeck-Frankenberger Teams machen mit. Was erwarten sie?

Befreit aufspielen, das ist eine Floskel, die Sportler gern dann verwenden, wenn sie sich zum Beispiel über die Folgen von Niederlagen keine großen Gedanken machen müssen. In der neuen Tennis-Medenrunde mit Start am kommenden Wochenende können insofern alle Mannschaften befreit aufspielen. Abstieg wird es ja in diesem Jahr nicht geben. Das hat der Hessische Tennis-Verband als Tribut an Corona so festgelegt.

Ob das was verändert auf den Plätzen? Im direkten Duell Mann gegen Mann, Frau gegen Frau sicher nicht. Der Ehrgeiz zu gewinnen bestimmt das Spiel nach wie vor. Die Bleibe-Garantie, die der HTV nach einer Umfrage gibt, ist eine Art Belohnung –die Teilnahme an der Corona-Runde setzt die Akzeptanz mancher Unbequemlichkeit und Umgewöhnung voraus.

Untersagt ist Platzherren und -damen zum Beispiel, ihren Gästen nach den Matches Essen zu servieren. Zu Tisch bitten darf aber der gastronomische Betreiber eines Vereinsheims, wenn der Club selbiges verpachtet hat. Ansonsten sollen die Auswärtigen Mitgebrachtes verspeisen. Beim TC Korbach beauftragen die Herren 70 einen Caterer, wie Vorsitzender Ronald Gutberlett verrät. Eine bewährte Praxis..

Da Vereins- und Versammlungsräume laut HTV zu bleiben müssen. besteht das Verbot, sich bei Regen im Clubheim unterzustellen. Befremdlich, da die Akteure in einer gewerblichen Gastronomie durchaus Schutz suchen dürfen. „Manche Regeln sind etwas kurios“, sagt Petra Jacobs, die zweite Vorsitzende des TV Odershausen, dessen Damen erneut in die Verbandsliga aufgestiegen sind.

Auf Bedauern stößt das Zuschauer-Verbot. „Das ist sehr schade“, sagt stellvertretend für eigentlich alle Teams Jeremias Tent. Er ist Mannschaftsführer der Herren I des TC 88 Sachsenhausen, die erstmals überhaupt in der Verbandsliga starten. Dieses Novum wollten die Aufsteiger breit bewerben, um Tennis-Interessierte auf ihre Anlage zu holen. Das können sie bleiben lassen.

Leidet die Atmosphäre unter dem Abstandsgebot?

Dass das Duschen unter Abstandsgebot stattfindet, Desinfektionsmittel bereitgestellt oder auf der Anlage Gelegenheiten zum Händewaschen geschaffen werden, das, sagt Tent, „ist alles machbar“. TCK-Mann Gutberlett betont ebenfalls: „Wir können allen Ansprüchen genügen.“ Auch etwa mit dem Verbot sich abzuklatschen, wissen die Akteure ganz gut zu leben „Mit dem Schläger geht das auch“, sagt Petra Jacobs.

Gedanken über die Spiel-Atmosphäre macht sich Lisanne Kuhl, Teamchefin beim zweithöchsten Waldecker Damenteam TC Sachsenhausen, das in die Bezirksoberliga aufgestiegen ist. Sie treibt das Abstandsgebot um – die 1,50 Meter gelten durchgängig beim Betreten und Verlassen der Anlage, des Platzes, beim Seitenwechsel und in den Pausen. Es hemme womöglich und gestalte das Miteinander der Teams distanzierter, wenn man sich nicht zu nahe kommen dürfe. „Es ist schwierig mit freien Gedanken auf den Platz zu gehen“, sagt die Nummer zwei des TC.

Ganz wesentlich für alle Teams auf Landesebene ist die Lockerung der Beförderungsregeln durch die Landesregierung. Die Sportler könnten jetzt sogar im Kleinbus unterwegs sein. Noch im Mai hätten höchstens zwei Menschen im Auto sitzen dürfen. Bei Fahrten im ganzen Hessenland hätte diese Vorschrift leicht zum K.o.-Kriterium werden können.

Auch so nehmen nur 49 Mannschaften aus Waldeck-Frankenberg die Corona-Runde auf. Groß sind die Lücken in den Altersklassen – lediglich 14 heimische Teams haben ihre Meldung aufrecht erhalten. Das lag nicht allein daran, dass man offiziell über 60 zur sogenannten Risikogruppe zählt. Ab einem gewissen Alter ist schlicht das Après-Tennis genauso wichtig wie der Sport.

Einige Lücken riss diese so andere Saison auch beim Nachwuchs. 14 Jugendteams aus dem Tenniskreis 35 gehen ins Rennen. Die wenigsten Rückzüge gab es in den Aktivenklassen, sie bieten 22 Vierer- und Sechser-Formationen auf. Ganz oben in Waldeck, ein : Novum: zwei Verbandsligisten.

TC Sachsenhausen: Trainingslager in Wien musste ausfallen

Aufgestiegen sind die Herren des TC Sachsenhausen. Sie rauschten in drei Jahren durch von der Bezirks- in die Verbandsliga. Für die höhere Liga haben sich die Neulinge fest vorgenommen, den schon besiegelten Klassenerhalt sportlich zu bestätigen. „Ich würde mich freuen, wenn wir knapp im Mittelfeld landen würden“, sagt Mannschaftsführer Jeremias Tent. Der 22-Jährige spielt nach wie vor an Position vier, vor ihm reihen sich André Dämmer an eins, Steffen Henckel und Steven Seidler an zwei und drei ein.

Eigentlich hatten sich die Vier mit einer Trainingswoche in Wien auf die Spielzeit vorbereiten wollen. Corona machte einen Strich durch die Rechnung. So trainieren sie seit etwa Mitte April in Sachsenhausen.

Dass die höchste hessische Spielklasse für Vierer-Formationen eine andere Nummer sein kann als die Gruppenliga, die der TC 88 als Aufsteiger im Vorjahr mit Platz zwei abschloss, zeigt der Blick auf die Leistungsklassen. Gegner wie Teutonia Hausen oder TC Alsbach verfügen über gleich zwei Spitzenspieler mit einstelliger LK. Beim TC 88 weist sie allein Dämmer (LK 9) vor.

Strikt untersagt: Zuschauer und Handschlag nach dem Match, hier zwischen dem Mengeringhäuser Bertolt Linder (links) und Jeremias Tent vom TC Sachsenhausen.

Wohl entscheidender ist die größere Leistungsdichte der Gegner. „Sie sind breiter gut aufgestellt“, sagt Tent. Zwei Rivalen aus der Achter-Staffel kennen er und die Seinen: BW Zeppelinheim, Meister der Gruppenliga, und BW Kassel, im Vorjahr Dritter.

Zum Auftakt erwartet Sachsenhausen am Sonntag den Tennisclub am Schwimmbad (TAS) Pfungstadt. Der Verbandsliga-Vierte der Vorsaison ist ein Gradmesser. An Ehrgeiz zu bestehen fehlt es den Platzherren garantiert nicht. „Es ist zwar ganz schön, dass es keine Absteiger gibt“, sagt Tent, „aber wir haben die gleiche Einstellung wie in einer normalen Saison. Wir gehen da nicht einfach so locker rein.“

Odershäuser Damen: Hammergegner zum Auftakt

Der TV Odershausen ist ein Aufsteiger, aber kein Neuling in der Verbandsliga. Vor zwei Jahren schlug die heimische Nummer eins im Frauentennis bereits in der höchsten Liga des Verbands für Viererteams auf. Sie hielt die Klasse, ging dann freiwillig – um als Gruppenliga-Sieger nun fulminant zurückzukehren.

An Ehrgeiz werde es den Spielerinnen auch ohne Auf- und Abstiegskampf nicht fehlen. Da ist sich Petra Jacobs, die zweite Vorsitzende des Vereins und Zuständige für die Öffentlichkeitsarbeit, sicher. „Sie sind bestrebt, einen guten Platz zu machen. Ich schätze ihre Chancen auch ganz gut ein“, sagt Jacobs.

An der internen Rangfolge hat sich nichts geändert. Vorn spielt Katharina Jacobs, Theresa und Lena Engels stehen an Position zwei und drei, die jungen Spielerinnen Emilia Schrauf und Marleen Spangenberg an vier und fünf. Großer Trumpf der TVO-Damen sind traditionell die Doppel. Im Vorjahr ging nur ein einziges verloren, und da traten sie mit Ersatz an. Es gibt zwar eingespielte Paare, aber auch eine hohe Flexibilität „Es können alle miteinander Doppel spielen“, sagt Petra Jacobs. Trainiert werde derzeit mindestens einmal die Woche.

Das Virus hätte sie womöglich gestoppt, wenn die zu Beginn der Pandemie beschlossenen Abstandsregeln für Autofahrten noch gelten würden. Das deutet Petra Jacobs angesichts von Auswärtstouren nach Schlüchtern oder Wetzlar und zwei Fahranfängerinnen im Team an. Kein Thema mehr. Ja zur Saison haben die Fünf auch deshalb gesagt, weil sich drei von ihnen nach dem Abschluss an Schule oder Uni neu orientieren werden. Wohin sie gehen, ist offen, und damit auch die Zukunft dieser Formation.

Odershausen startet am Sonntag in Schlüchtern – eine schwer zu lösende Aufgabe. Gastgeber TV Blau-Weiß war im Vorjahr Verbandsliga-Meister. Danach geht es zum Kasseler TC 1931, ebenfalls gestandener Verbandsligist und im letzten Sommer als Sechser-Team Zweiter.

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