Referat bei Mitgliederversammlung

Tennis-Verband: Talente und Trainer im Fokus

Kinder mit Trainer beim spielerischen Tennistraining auf Ascheplatz.
+
Um sie geht‘s: Kinder beim Tennistraining (Atchivfoto).

Jörg Barthel, Sportdirektor des Hessischen Tennis-Verbands, hat beim Tenniskreises Waldeck-Frankenberg für mehr Miteinander bei der Talentförderung geworben.

Sachsenhausen - Solche Selbstkritik ist selten zu hören. „Wir hätten in vielen Bereichen einen besseren Job machen können, vielleicht sogar machen müssen“, sagte Barthel zum Auftakt seines Referats. Sein Wort galt Auftreten und Basisferne der Spitze des drittgrößten Fachverbands im Landessportbund Hessen (LSBH) in der Vergangenheit. Sein Anliegen aber war die Zukunft.

Den Online-Auftritt bei der Kreis-Mitgliederversammlung des für den Spitzensport zuständigen Mannes beim HTV, seit einem halben Jahr im Amt, kann man als Vertrauensoffensive lesen, er versprach mehr Offenheit und Zugewandtheit des Verbands den Klubs gegenüber und warb für ein neues Miteinander. Sein eigentliches Thema: Nachwuchsförderung und die Rolle der Trainer. Rund eine Stunde referierte und diskutierte er zu diesem Komplex – und bekam auch skeptische Stimmen zu hören.

Plakativ formuliert sucht der HTV, in Barthels Worten, „die nächste Andrea Petkovic oder den nächsten Rainer Schüttler“. Kern des neues Konzepts zur Förderung talentierter Kinder: In jedem Bezirk richtet der HTV einen Talentstützpunktkader ein, der die bisherigen E-Kader ablöst, und genau 20 Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren zählt. Im Bezirk Nordhessen ist der Stützpunkt in Baunatal angesiedelt, geplanter Start (trotz Corona) ist am 1. Mai, zuständiger Trainer Thomas Rachow von der SGT Baunatal.

Kreiskader soll weiter Rolle spielen

Als „ganz entscheidend“ für das Gelingen einer systematischen Talentförderung bezeichnete Barthel höhere Investitionen des HTV in die Vereinstrainer. Der Verband will dafür mehr Geld ausgeben, die Ausbildungsinhalte anpassen und der Trainerexpertise mehr Gewicht geben. Für diesen Punkt im neuen Konzept, dessen Umsetzung aktuell von Corona erschwert wird, stehen die sogenannten HTV-Partnertrainer.

Der Titel wird für jeweils zwei Jahre an jeweils 15 Männer und Frauen vergeben; einziger Nordhesse in diesem Kreis ist Marko Neunteibl vom TC 31 Kassel. Die Partnertrainer sollen sich regelmäßig mit dem Verband austauschen, ihre Vorschläge und ihre Kritik Gehör finden. Barthel sprach insgesamt davon, dass der HTV den Trainern eine höhere Wertschätzung entgegenbringe wolle. Er betonte mehrfach, ohne sie und die Vereine gehe es nicht. „Allein kann der HTV nicht die Talente entdecken.“

Vorbehalte schlugen Barthel am Freitag zunächst wegen der Zentralisierung des Kaders in Baunatal entgegen, Kreisvorsitzender Emde mutmaßte, vielen Eltern sei der Weg zu weit, „als dass daraus ein attraktives Angebot in der Fläche werden könne“.

Emde wies auch auf eine „Überdeckung“ mit dem Kreiskader hin. Der soll laut Barthel auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Talentfindung haben. Das Training des Talentstützpunktkaders zu dezentralisieren, sei wegen der Richtlinien von LSBH und Land nicht möglich.

„Werden viele Talente verlieren“

Fragen blieben auch zur Nominierung der Kinder für den Kader, der zum 1. Oktober neu aufgestellt werden soll. Sie soll über Sichtungen und Ergebnisse durch Rachow erfolgen; Corona macht die Auswahl jedoch schwer. „Wir werden viele gute Kinder und Talente verlieren“, sagte Barthel voraus.

Das passiert laut Eva-Maria Zürker, Jugendwartin des TC Korbach, bereits. Ihre Erfahrungen mit dem Bezirkskader fasste sie so zusammen: Es gebe auch in Korbach talentierte Kinder, sie würden jedoch „nicht gesehen“. „Ich habe das Gefühl, dass Kasseler deutliche Vorteile haben in den Kader zu kommen.“

Ganz grundsätzlich wurde Dino Schreiner, der Vorsitzende des TC Hatzfeld: Talentförderung, sagte er, sei in den Vereinen nicht das größte Thema. Es gehe vielmehr darum, Kinder überhaupt ins Spielen zu bringen. „Wir brauchen spielfähige Ligen auf Kreisebene, sonst wird unser Sport mehr und mehr sterben.“ (mn)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare