Rückzug wegen Risiko und Regeln

Tennis: Elf von 60 Teams im Kreis steigen aus

Diese freundliche Geste bleibt wohl verboten: Shake Hands zwischen Friedemann Tonner (TV Odershausen) und Roland Mell (TC Niestetal) nach dem Match. 
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Diese freundliche Geste bleibt wohl verboten: Shake Hands zwischen Friedemann Tonner (TV Odershausen) und Roland Mell (TC Niestetal) nach dem Match. 

Punktspiele in der Corona-Pandemie: Das wollen nicht alle Tennisspieler. Einige haben die Reißleine gezogen.

Waldeck-Frankenberg– Die Medenrunde 2020 des Hessischen Tennis-Verbands, die am dritten Juni-Wochenende starten soll, wird keine sein wie sonst. Das steht fest.Schon weil es keine Absteiger geben wird. Doch auch die Zahl der teilnehmenden Mannschaften wird so niedrig sein wie lange nicht. 

Aber wie sehr anders wird Mannschafts-Tennis in Corona-Zeiten sein? „Alles ist im Fluss. Bis zum 20. Juni sind ja noch ein paar Tage Zeit“, sagt Karl-Friedrich Emde, Vorsitzender des heimischen Kreisverbands und als Spielleiter im Bezirk Nordhessen Chef vieler Ligen.

Emde spielt auf die noch fehlende Freigabe für den Wettspielbetrieb an. Über das Konzept dafür verhandelt der HTV mit der Landesregierung. „Dieses Konzept werden wir nach Freigabe durch die Politik schnellstmöglich veröffentlichen und umsetzen“, sagt HTV-Vizepräsident Michael Otto.

Hessenweit ziehen rund 27 Prozent der Teams zurück

Die Klubs konnten darauf nicht warten. Ihre aktiven Mitglieder mussten bis Sonntag entscheiden, ob sie trotz der Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie Punktspiele bestreiten wollen. Elf von 60 Mannschaften aus Waldeck-Frankenberg haben ihren – für 2021 sportlich folgenlosen – Rückzug erklärt. 

Karl-Friedrich Emde, Vorsitzender des Tenniskreises

Im Bezirk Nordhessen verzichtet laut Emde etwa ein Drittel der ursprünglich gemeldeten Teams auf den Start, hessenweit sind es 1464 von 5380 Mannschaften, das entspricht knapp 27 Prozent.

Vor allem Ältere sagen ab

Während einzelne Klassen wie die Bezirksliga A der Herren alle acht Mannschaften gehalten haben, sind vor allem Ältere ausgestiegen. Sie bilden die Gruppe, die das größte Risiko trägt, sich mit Sars-CoV2 zu infizieren. In der Altersklasse der Herren 70 sind in Nordhessen von zunächst 14 Mannschaften liga-übergreifend noch fünf übrig geblieben, sechs von 18 sind es bei den Herren 65 und sogar nur vier von 20 in den Ligen der Herren 60.

Bei den Damen 50 halten sechs von zehn Teams aus Bezirksober- und Bezirksliga A an ihrer Meldung fest. Klassenleiter Emde hat reagiert, indem er etwa Staffeln einfach zusammenlegt. Die neue Einteilung wird in Kürze veröffentlicht.

Die Risikoaversion ist freilich unterschiedlich ausgeprägt. Die Herren 70 des TC Korbach etwa wollen in der Gruppenliga antreten. Kapitän Ronald Gutberlett hofft jedoch, dass die Auflagen, unter denen die Spiele stattfinden dürfen, noch gelockert werden.

Ungelöste Probleme als K.o.-Kriterium

Die Infektionsgefahr war beileibe nicht das einzige Kriterium bei den teaminternen Debatten um Bleiben oder Gehen. Die Abstands- und Hygieneregeln sind ein weiterer Knackpunkt, für zwei Teams des TC Bad Arolsen (H50 in der MSG mit dem TSC Korbach und H65) gaben sie den Ausschlag zum Rückzug aus der Gruppenliga.

„Wir mussten uns bis Sonntag entscheiden, aber viele Rahmenbedingungen sind nicht endgültig geklärt“, sagt Gerd-Wilhelm Rüßeler, Vorsitzender des Arolser Klubs und aktiver Spieler. Es ging den Barockstädtern um konkrete Fragen, die viele Spieler und Spielerinnen umtreiben:

Gemeinsames Essen klappt - vielleicht

– Dürfen bei der Fahrt zu Auswärtsspielen nur zwei Leute im Auto sitzen? So legen es die Kontaktbeschränkungen der Landesregierung fest.

– Kann man nach den Matches an Ort und Stelle duschen? Nach dem Stand der Dinge: Nein.

– Ist ein gemeinsames Essen nach der Begegnung erlaubt? „Die Vereinsgaststätten dürfen offen sein, gemäß der gültigen Regeln für den Gastronomiebetrieb. Eine Verköstigung der Gastmannschaft ist nicht zwingend, kann je nach örtlichen Gegebenheiten aber unter Einhaltung der Abstandsregeln durchgeführt werden“, schreibt der HTV. Eine Info an die Gäste hierzu sei wünschenswert.

Gerd-Wilhelm Rüßeler, Vorsitzender TC Bad Arolsen

Diese ungeklärten Punkte „sind ein Problem, wenn man nach Darmstadt oder Frankfurt fährt. Wir wollten das nicht machen“, sagt Rüßeler. Bei kürzeren Fahrten könne man die Einschränkungen dagegen eher in Kauf nehmen. Im Bezirk mischt der TC wie geplant mit zwei Altersklassenteams mit.

Wie viele steigen aus für immer?

Gewicht besaß in den Rückzugs-Überlegungen im TC Bad Arolsen auch die Terminplanung. Die ursprünglichen Spieldaten sind teilweise überholt, die Corona-Runde dürfte bis weit in den September dauern. „Vielleicht wollten die Leute ja dann mal wegfahren“, sagt Vorsitzender Rüßeler. Die Nachsaison ist bei den Älteren ohne Kinder für Urlaub beliebt. 

Dieses Argument kann auch Kreisvorsitzender Emde nachvollziehen. Er verweist darauf, dass immerhin die Sommerferien wie in den vergangenen Jahren auch spielfrei bleiben sollen – ein Argument etwa in den Aktiven- oder jüngeren Altersklassen. Die überarbeiteten Terminpläne will der HTV bis Ende der Woche fertigstellen. 

Vorteil Tennis: Schön auf Abstand

Ein Thema sind bei Verband und Vereinen die langfristigen Folgen der Corona-Medenrunde. Er habe die große Sorge, dass Spieler dem Tennissport nach dem Rückzug ihrer Mannschaft dauerhaft fernbleiben könnten, sagt Rüßeler. „Gerade die Älteren könnten sagen, es ging ja ganz gut ohne Tennis.“ 

Eine Prognose spricht Rüßeler nicht aus, und auch Emde will nicht darüber spekulieren. „Die Mannschaftsrunde ist schon der Herzschrittmacher und für viele ein deutlicher Anreiz mitzumachen“, sagt er, wendet diesen Fakt aber ins Positive: Dass überhaupt die Chance bestehe, die Medenrunde zu starten, sei doch das Thema: „Wir haben einiges hinter uns gebracht, was wir im März nicht für möglich gehalten haben.“ Tennis habe halt einen Vorteil: „Man kann es schön auf Abstand spielen

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