Trotz Absage am Sonntag  zieht der Skiclub eine positive Bilanz 

Willinger Weltcup 2020 - ein großes Gemeinschaftsweinen 

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Lange Latte als Lohn. Der Deutsche Skiverband hat dem SC Willingen zum 25. Welcup-Jubiläum einen Ski mit den Unterschriften von Leyhe & Co geschenkt. Das Bild zeigt (von links) DSV-Teammanager Horst Hüttel, Jürgen Hensel und Bundestrainer Stefan Horngacher. 

Ein Traumsieg von Stephan Leyhe - aber zwei von drei  Tagen quasi ohne Skispringen. Gemischte Bilanz also beim Ski-Club Willingen? Nein. Das Positive überwiegt.

Willingen - Jürgen Hensel macht gleich das Licht aus. Viel früher als erwartet. Der Vereinspräsident und Organisationschef des SC Willingen sitzt an diesem Sonntagabend nur noch allein in der Geschäftsstelle an der Schanze und fühlt sich müde, kaputt und überglücklich.

Das Orkantief Sabine hat ihm zwar an diesem Tag in die Suppe gespuckt und das zweite Einzelspringen verhindert, aber eins weiß Hensel auch: Es kann in Zukunft noch weitere 25 Weltcups in Willingen geben, an den Weltcup des Jahres 2020 wird vermutlich so schnell keiner heranreichen. Stephan Leyhe hat mit seinem Sieg am Mühlenkopf nicht wenige Vereinsmitglieder oder Zuschauer in einen so starken emotionalen Glückszustand versetzt, der sich über Freudentränen Bahn brechen musste.

Hensel: Erst Tränen, dann eine schwere Entscheidung

 „Mich hat es auch übermannt, es war ein großes Gemeinschaftsweinen, das war schon beeindruckend“, erzählt Hensel. „Diese ganze Geschichte klingt so inszeniert, im Nachhinein kommt einem das so vor, wie man liegt am Samstagabend auf dem Sofa, Rosamunde Pilcher ist zu Ende und man sagt, das war ja ein Kitsch.“

Das schöne an diesem Erfolg sei auch gewesen, dass Stephan das Ding nicht durch Wind und Glück gewonnen hat, sondern weil er an diesem Tag der beste war.“

Hensel musste aber seine Siegesfeierlaune am Samstagabend immer wieder unterdrücken, denn es stand noch eine wichtige Entscheidung an: Springen am Sonntag oder Absage. Der OK-Chef und Rudi Tusch als Vertreter des Deutschen Skiverbands hätten noch mal deutlich gemacht, dass morgens zumindest ein Durchgang möglich gewesen wäre, aber die Sicherheit der Zuschauer und Helfer bei der Heimreise wäre nicht gewährleistet gewesen. 

„So hat uns die Ortspolizeibehörde die Verantwortung abgenommen und das Stadion gesperrt. Der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte hatte das letzte Wort dazu. Und es war die richtige Entscheidung, da waren wir uns alle einig.“

Orkantief macht den Free Willis Beine

Der Abbau an den Mühlenkopfschanze ging am Sonntag vermutlich so schnell wie nie zuvor vonstatten, denn das herannahende Orkantief machte den Free Willis Beine und es fassten viele freiwilligen Helfer beim Aufräumen mit an, weil sie alle da waren.

Doch wer zahlt die Rechnung für das ausgefallene Springen? Laut Hensel erhalten die Zuschauer für die Tickets am Sonntag ihr Geld zurück. Da die Willinger beim Weltcup fast alles selbst gestalten fehlen die Einnahmen für den Sonntag. 

Wie hoch ist der finanzielle Ausfall und tritt dafür möglicherweise auch eine Versicherung ein? Diese Frage möchte Hensel nicht beantworten, denn die finanziellen Aspekte bei einem Weltcup, blieben innerhalb des Vereins. 

Zusage für Weltcup 2021 liegt Willingen schon vor

Drohen denn dem Verein durch die Absage am Sonntag möglicherweise noch negative Folgen seitens des Skiweltverbands? „Von der Fis wird mit Sicherheit nichts mehr kommen. Ich denke wir haben alles richtig gemacht mit der Absage.“ Die Zusage der Fis für den Weltcup 2021 liege auch schon vor, nur der genau Termin noch nicht.

Hensel befürchtet auch keinen Imageverlust durch die Absage durch verärgerte Zuschauer. Er beobachte eher das Gegenteil, denn die Reaktionen in den sozialen Medien und in Telefonanrufen seien fast alle positiv und verständnisvoll. „Das geht sogar soweit, dass Ticketbesitzer ihr Geld nicht zurück haben wollen und sie es dem Ski-Club spenden.“ 

Ein Tanz auf der Rasierklinge

Und jetzt, wo alles vorbei ist, könnte Hensel es ja sagen, wie der Vorstand die späte Präparierung der Schanze wirklich eingeschätzt hat, denn diese war sogar noch am Montag grün. „Es war schon ein Tanz auf der Rasierklinge, aber da Frost angekündigt war, waren wir uns sicher, wir schaffen das.“ Das Schanzenteam um Andreas Rohn, Jörn Kesper, Uwe Leipold und Sebastian Szlachta habe sensationelle Arbeit geleistet.

Der Samstag lief nicht nur wegen Leyhes Sieg für den Veranstalter gut, denn bis auf wenige Ausnahmen sei alles friedlich und verletzungsfrei geblieben.

Aber lässt sich nichts gegen den Wind tun? Einige Veranstalter bauen Fangnetze auf. „Die würden bei uns nichts bringen, denn die schwierigste Richtung ist Südost, dann kommt der Wind mit unberechenbaren Böen schräg von vorn“, sagt Hensel.

Mit dem Sieg von Leyhe hat sich der Ski-Club aber ein neues Problem eingehandelt. Der Weltcup hat seinen Zenit erreicht. Mehr geht nicht. Wie will Hensel künftig seine Free Willis noch motivieren? Auch sind am Ziel, alles erreicht. Da muss Hensel lauthals lachen: „Da sehe ich auch künftig keine Probleme.“ (rsm)

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