Der Fußball-Verbandsligist in der Winterpause: Was war, was soll kommen

TSV/FC Korbach: 2011 mehr Auf als Nieder?

- Korbach (py). Auf und nieder, immer wieder: Der TSV/FC Korbach fand in der Hinrunde der Fußball-Verbandsliga Nord keine Konstanz. Erst der Start in die Rückrunde weckt Erwartungen. Was kann die Mannschaft noch erreichen? Eine Zwischenbilanz.

Wo der Tiefpunkt dieser Hinrunde lag, ist schwer zu sagen. Nach verheißungsvoller Vorbereitung waren zu oft nicht nur die Ergebnisse ausgeblieben, Frust hatte auch der wiederholte Holperfußball der Mannschaft und haarsträubende Abwehrpatzer ausgelöst. Die Nerven des neuen Trainers Tobias Cramers schienen nach der 0:4-Schlappe Mitte September in Sand blank zu liegen. Er reagierte gereizt auf kritische Fragen, nachdem der TSV/FC zwar besser gespielt, aber eben auch seine Gegentore 21 bis 24 kassiert hatte – im erst zehnten Saisonspiel.

Die Korbacher waren zu diesem Zeitpunkt Neunter, nicht ihre schlechteste Platzierung, denn zu Saisonbeginn hatten sie schon die Ränge 15, 13 und 11 besetzt. Aber die Tabelle hatte nach Sand eine größere Aussagekraft: Die Abstiegsplätze lagen nur drei Punkte entfernt. Cramer hatte mittlerweile sogar die Viererkette auflösen müssen und war zum System mit Libero und Manndeckern zurückgekehrt. Eine Vernunftentscheidung, aber auch eine, die Cramers Verständnis von modernem Fußball kapital widersprach.

Doch Cramer warb um Geduld. „Wir hatten durchschnittlich immer sechs bis sieben Spieler auf dem Feld, die unter 21 waren. Dass da Formschwankungen vorkommen, war mir von vornherein klar“, sagt er heute. Die Folge: das Auf und Ab und manch „schmutziger Sieg“.

Vielleicht muss man noch einmal die Aufgabe betrachten, die Tobias Cramer gemeinsam (darauf legt er Wert) mit seinen Co-Trainern Ulrich Schwalenstöcker und Bernd Beckmann in der Vorbereitung zu lösen hatte. Bis zu 40 Spieler wollten sinnvoll bewegt und taktisch ausgebildet werden. „Das lief wirklich hervorragend“, sagt Cramer beim Blick zurück. Doch Cramer benennt auch das zentrale Problem. „Es war natürlich schwierig, den ungemein großen Kader mit vielen jungen Leuten leistungsgemäß richtig einzuschätzen, um zwei schlagkräftige Mannschaften zu bilden.“ Er muste ausieben, dabei gab es Enttäuschungen, verständlich. "Dass ich da manchem weh getan habe, ist mir klar. Es glaube aber bitte keiner, dass mir das leichtgefallen ist“, sagt Cramer.

Cramer musste aber nicht nur auswählen, sondern dann beim Personal auch sein Spielsystem etablieren. Das dauerte. Und diese Arbeit an der Taktik ist nicht zu Ende. „Wir haben das Zeug, im oberen Drittel mitzuhalten“, meint Cramer. „Entscheidend für mich wird aber sein, wie die Mannschaft mit meinen Vorgaben umgeht und sie umsetzt.“

Das tat sie beim 4:0-Erfolg in Asbach, dem letzten Spiel des Jahres hervorragend. Dieser Sieg war der (vorläufige) Höhepunkt eines perfekten Rückrundenstarts der Kreisstädter mit drei Siegen in drei Spielen. Als Rangvierter steht der TSV/FC so gut da wie nie in dieser Saison. Da aber die Konkurrenz bis zu drei Spiele weniger ausgetragen hat, gibt die Tabelle ein schiefes Bild wider.

Auf der anderen Seite nimmt den Korbachern ihre 34 Zähler niemand mehr. Sie gehen zudem trotz weiterer drei Abmeldungen aus dem Kreis der zweiten Mannschaft personell gestärkt ins neue Jahr. Raphael Leibfacher, Tim Bialuschewski, Wladislaw Blum und Jan Pohlmann haben sich nach teilweise langwierigen Verletzungen zurückgemeldet. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung bei den Kreisstädtern, auch wenn die Plätze eins und zwei nach wie vor fast unerreichbar scheinen. Cramer formuliert als seine kommenden Aufgabe aber ohnehin nichts, was sich in Zahlen ausdrücken lässt. Er wolle „die Spieler weiterentwickeln, um das Niveau noch zu steigern.“ Ab dem 26. Februar 2011 und dem Gastspiel in Dörnberg wissen die Korbacher, ob sie ihren Aufwärtstrend über die Winterpause hinüberretten konnten.

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