Deutsche Nummer eins siegt in Willingen

Überflieger Freund / Bildergalerie

- Willingen (ni). Tolle Geschichte, Reifeprüfung bestanden: Bundestrainer Werner Schuster fand große Worte zum Weltcup-Sieg von Severin Freund in Willingen. Der wollte seinen Triumph „einfach nur genießen“.

Der 22-Jährige aus Rastbüchl hatte schon im ersten Durchgang mit dem weitesten Sprung die 10 200 Zuschauer am Mühlenkopf restlos begeistert. „Lassen wir uns überraschen“, sagte er nach seinen 143,5 Metern, die ihm das Privileg des letzten Sprungs des Wochenendes bescherten. „Severin hat sehr viel richtig gemacht“, sagte Co-Trainer Christian Winkler während der Pause – am Ende hatte der neue Stern am deutschen Springerhimmel alles richtig gemacht. Mit der richtigen Mischung aus Anspannung und Lockerheit gelang ihm der große Wurf. Seine 139 Meter waren die exakte Antwort auf die Vorgaben der Konkurrenz. Mit 289,1 Punkten lag Freund hauchdünne 2,2 Zähler vor dem Österreicher Martin Koch (286,9/141,5+140,5). Auch der war glücklich. „Die Schanze liegt mir, die Atmosphäre taugt mir“, küsste der Villacher bei der Siegerehrung seine Ski. Dritter wurde Simon Ammann, der mangels Schweizer Springerkollegen nicht am Team-Wettbewerb teilnehmen konnte und dafür in Hinterzarten für die Weltmeisterschaft in Oslo trainiert hatte. Den Weltcup-Gesamtzweiten konnte auch ein Missgeschick nicht bremsen. Er hatte die Handschuhe im Container liegen gelassen. „Eigentlich vergesse ich nie was. Aber weil die Sonne wegging, habe ich die zweite Brille eingepackt und dabei bin ich mit meiner Checkliste durcheinandergekommen“, verriet er. „Aber dafür waren die 143 Meter doch gar nicht schlecht.“ Mit Handschuhen reichte es dann noch einmal zu 140,5 – mit 284,5 Punkten hieß das Rang drei. Damit verwies Ammann die Österreicher Thomas Morgenstern (139+138/280,1) und Vorjahressieger Gregor Schlierenzauer (136,5+141/274,4) auf die nächsten Plätze. Bei aller Freude und Euphorie über den Sieg von Severin Freund war das Leistungsdefizit bei den übrigen DSV-Adlern unübersehbar. „Uns wird die Arbeit nicht ausgehen“, meinte Werner Schuster, nachdem sein zweitbester Schützling, Martin Schmitt, erst als 20. notiert wurde. Der 33-jährige Schwarzwälder war zunächst bei 133,5 Meter gelandet („hat sich ganz gut angefühlt“), um dann nur 128,5 nachzulegen. Verständlich, dass er selbst befand, nur „Basissprünge, nichts Herausragendes“ zustande gebracht zu haben. „Eine schöne Veranstaltung, aber nur mittelprächtige Sprünge von mir“, diese Eindrücke nimmt Pascal Bodmer (27.) mit auf die nächste Station der Team-Tour nach Klingenthal. Zumindest hatte er bei seinen Sätzen auf 131 und 126 Meter eine „Tendenz, die steigend ist“ bemerkt. Stephan Hocke (129,5+117,5) wurde als vierter Deutscher im Finale 29. Michael Neumayer (32.) und Michael Uhrmann (33.) durften nach Hüpfern auf 124 und 127 Meter im Finale nur zuschauen; sie hatten freilich schlechte Windverhältnisse erwischt. „Das ärgert mich schon ein bisschen“, sagte Neumayer, der im vergangenen Jahr an gleicher Stelle noch als Dritter auf dem Podest gestanden hatte. Severin Freund wollte derweil seinen „Erfolg einfach nur auskosten“. Gleich danach sagte er aber, er wolle auf dem Boden bleiben und müsse konzentriert weiterarbeiten. „Ich bin froh, dass ich meinen Beitrag dazu leisten konnte, dass die Leute in Willingen viel Spaß hatten.“

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