„Es gibt gerade einfach Wichtigeres“

Umfrage zur beschlossenen Einfachrunde im hessischen Tischtennisverband

Der Tischtennis-Sport ruht derzeit
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Der Tischtennis-Sport ruht derzeit: In Hessen soll die Saison in einer Einfachrunde gespielt werden.

Das Präsidium des Hessischen Tischtennisverbandes (HTTV) hat auf die Corona-Pandemie reagiert und seine Saison verkürzt.

Frankfurt – Wie der HTTV mitteilte, soll in allen hessischen Ligen die Rückrunde gestrichen werden. Im neuen Jahr sollen – sofern die Entwicklung es zu lässt – nur noch die Spiele der Hinrunde ausgetragen werden. Die Spiele der Rückrunde entfallen.

Sind Spiele der Rückrunde bereits vorverlegt und ausgetragen worden, so werden diese aus der Wertung genommen, teilte der HTTV mit. Ziel ist es, dass jeder Verein einmal gegen alle anderen Klubs angetreten ist, um die Saison am Ende werten zu können. Dass es am Ende zu einem Ungleichgewicht zwischen Heim- und Auswärtsspielen kommen kann, lässt sich laut Verband nicht vermeiden.

Auch alle weiterführenden Veranstaltungen, wie Bezirks- oder Hessenmeisterschaften sind abgesagt worden. „Der Verband plant jetzt eine Hessenmeisterschaft im Sommer. Daran sieht man ja, dass man nicht damit rechnet, dass sich die Lage kurzfristig entspannt“, sagt Waldeck-Frankenbergs Kreiswart Karl-Friedrich Meyerhöfer.

Wir haben uns bei den heimischen Spielern und Funktionären über die Entscheidung des HTTV umgehört.

Nicht überrascht: Lutz Friedrich.

Lutz Friedrich (Vorsitzender TuS Helsen): „Die Maßnahme ist nachvollziehbar. Sie war auch absehbar und ist das kleinste Übel. Dass einzelne Mannschaften unterschiedlich viele Heimspiele haben, ist unglücklich. Ebenso, wenn eine Mannschaft fast nur gegen die guten Teams zu Hause und gegen die schwächeren Mannschaften nur auswärts spielt. Das ist schon eine kleine Ungerechtigkeit, aber es geht ja nichts anders. Ich bin auch skeptisch, dass schon Ende Januar weitergespielt werden kann. Hinsichtlich der Frage des Auf- und Abstiegs bin ich unentschieden. Es spricht einiges dafür, dass man den Wettbewerb nicht aussetzt. Andererseits spricht auch einiges dafür, die Saison als Beschäftigungstherapie stehen zu lassen.“

Will aufsteigen: Alexander Abdo.

Alexander Abdo (VfL Bad Wildungen, Kreisliga): „Für uns ist die Entscheidung gut, weil wir so nur noch zwei Auswärtsspiele haben und wir auch immer gerne zu Hause spielen. Heimspiele sind für uns auch immer gut, weil ich es mir da als Schichtarbeiter so einrichte, dass ich immer da sein kann. Wenn ich dabei bin, haben wir in der Liga durch mich und Alexander Hoyer schon zwei sichere Siege, weil wir beide aus der Hessen- beziehungsweise Verbandsliga kommen. Wir wollten aber in Bad Wildungen spielen, auch weil wir beide da wohnen. Ich gehe stark davon aus, dass wir den Aufstieg feiern können, sofern die Saison fortgesetzt werden kann. Ich bin auch nach dem ganzen Hin und her dafür, dass es Auf- und Absteiger geben wird und nicht beides ausgesetzt wird. Es muss nach den jetzt neu angesetzten Spielen, wenn sie alle ausgetragen werden, definitiv einen Aufsteiger und einen Absteiger geben.“

Verständnis für Verband: Petra Ullrich.

Petra Ullrich (TSV Wetterburg, Bezirksoberliga). „Die Entscheidung des Verbands ist nachvollziehbar, auch weil man es sonst wegen den Terminen nicht mehr hingekriegt hätte. Wir hatten schon zu Beginn der Runde das Gefühl, dass die Saison abgebrochen werden wird. Für uns ist es schade gewesen, dass wir bisher nur vier Spiele bis zum 10. Oktober hatten, auch weil wir immer etwas brauchen, bis wir in Tritt kommen. Dass wir nun durch Einfachrunde mehr Heim- als Auswärtsspiele haben, ist beim Tischtennis nicht so entscheidend, weil wir nicht vor Massen von Zuschauern spielen. Wir kommen natürlich auch deshalb nun gut weg, weil uns so unsere weiteste Fahrt nach Richelsdorf in der Nähe von Eisenach, wo wir im November eigentlich hätten spielen müssen, erspart bleibt. Auch weil das alles etwas wettbewerbsverzerrend ist, wäre ich dafür, dass es in so einer Rumpelsaison weder Auf- noch Absteiger geben würde. Wir hoffen, dass es spätestens im Herbst 2021 wieder normal mit den gleichen Mannschaften in den Ligen weiter geht.“

Nur logisch: Melanie Landau.

Melanie Landau (SV Rennertehausen, Hessenliga): „Also die Entscheidung kommt für mich nicht überraschend und ist nur logisch. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich die Hinrunde ins neue Jahr ziehen wird. Ich habe unsere bisherigen drei Saisonspiele als sehr krampfig empfunden, wegen des hohen Aufwands bezüglich der Hygieneregeln, weil keine Zuschauer da sind und es kein Zusammensitzen nach den Spielen wie gewohnt gibt. Mit Spaß hatte das wenig zu tun. Ich kann in dieser Zeit aktuell gut auf den Wettkampfsport verzichten, es gibt gerade einfach Wichtigeres.“

Hofft auf Spiele: Karl-Friedrich Meyerhöfer

Karl-Friedrich Meyerhöfer (Kreiswart Waldeck-Frankenberg): Ich weiß trotz der Entscheidung noch gar nicht, wie das terminlich alles gehen soll. Bislang war es in der Hinrunde ja so, dass Spiele ohne Bestrafung kurzfristig abgesagt werden konnten. Die müssen ja alle auch noch nachgeholt werden, um eine gesamte Hinrunde zu schaffen. Und es muss jedes Team mindestens einmal gegen ein anderes spielen, um eine Saisonwertung möglich zu machen. Dass eine gesamte Runde mit Hin- und Rückspiel ausgetragen werden kann, halte ich für ausgeschlossen. Ein Ende mit den gesperrten Hallen und Gemeinschaftshäusern ist ja nicht absehbar. Es könnte so ja unter Umständen sein, dass ein Verein gar kein Heimspiel mehr austragen kann.

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