Niederländerin wird dem Bundesligisten HSG Bad Wildungen fehlen  

Viper Sabine Heusdens beendet Handballkarriere

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Das kann doch nicht wahr sein: Bad Wildungens Torjägerin Sabine Heusdens hatte an ihrem durch den Saisonabbruch vorze itigem Karriereende einige Zeit zu knabbern. Im Hintergrund Vipers-Torfrau Anne Bocka. 

Durch den Saisonabbruch am 18. März ging die Handballkarriere von Sabine Heusdens knapp zwei Monate früher als geplant zu Ende.

Bad Wildungen – Zuvor war die niederländische Halblinke erneut eine der Leistungsträgerinnen der zwölftplatzierten HSG Bad Wildungen. Das belegen auch ihre 105 Treffer, mit denen ‘Sabi´ die drittbeste Torschützin in der 1. Handball-Bundesliga war. Wegen ihres kämpferischen Einsatzes und ihrer Offenheit war der sympathische Spaßvogel der Mannschaft immer ein Publikumsliebling bei den Vipers.

Wie hatten Sie sich Ihren Abschied auf dem Handballfeld vorgestellt?

Meine Planungen waren natürlich auf unser letztes Saisonspiel gegen Neckarsulm ausgerichtet. Der 16. Mai wäre deshalb ein besonderer Tag für mich gewesen, auch weil ich viele Höhen sowie Tiefen im Handball hatte und dadurch viel gelernt habe. Das Spiel hätten wir logischerweise gewonnen und danach hätten wir richtig gefeiert. Meine Familie wäre aus Holland gekommen und meine Freunde und Bekannten wären auch dabei gewesen, sodass wir sicher eine schöne Party gehabt hätten.

Und dann kam Corona.

Genau, zuerst hat man gehört, dass es fraglich sei, ob die Saison zu Ende gespielt werden wird. Dann hatte man die Hoffnung, dass es doch, vielleicht auch erst im Juni oder Juli, weitergeht und dann hat uns unser Vorstand am 18. März auf dem Parkplatz der Ense-Halle, natürlich mit dem notwendigen Abstand, mitgeteilt, dass die Saison offiziell abgebrochen worden ist. Dann war auf einmal alles vorbei. Wir hatten die Meldung vorher zwar schon im Internet gelesen, aber irgendwie wollte ich sie nicht verstehen oder wahrhaben. Der Abbruch hat mich echt sprachlos gemacht, auch wenn er die richtige Entscheidung war und die Gesundheit natürlich vorgeht. Sport ist da nur Nebensache. Ich habe in dem Moment aber noch nicht verstanden wie schlimm Corona ist und welch krasse Auswirkungen der Virus auf die Welt hat. Das ist mir dann erst am Abend bewusst geworden. Auf dem Weg von der Halle nach Hause habe ich dann richtig losgeflennt.

Und danach?

Habe ich ein paar Tage gebraucht, um mich aus meinen Tief herauszuarbeiten. Das lag auch daran, dass ich dann wegen einer normalen Grippe ein paar Tage flach lag und keinen Handball und keine normale Arbeit hatte, weil ich krank geschrieben war. Ich habe dann zu Hause gesessen und mich kurz gefragt, ob ich doch noch ein Jahr weiterspielen soll. Zum Glück hat mich meine Partnerin dann aus meinem Tief herausgezogen.

Gibt es einen neuen Plan für ihren handballerischen Abschied?

Es gibt den Gedanken, dass ich mit einem Allstar-Team, das heißt mit Spielerinnen mit denen ich noch einmal gerne zusammenspielen würde, gegen die Vipers spiele. Wann das sein wird, kann man aber noch nicht planen.

Ist es ein Trost für Sie, dass ihr Pass zu Trainerin Tessa Bremmer vor deren Ausgleich zum 27:27 in Bensheim die letzte Aktion ihrer Handballkarriere war?

Auf jeden Fall. Auch weil meine Handballlaufbahn so aufgehört hat, wie sie angefangen hat, da ich mit Tessa, die mich noch in Windeln gesehen hat, schon in der Jugend in Nea und später auch in Den Haag zusammengespielt habe, habe ich mein vorzeitiges Karriereende akzeptiert. Das Tor nach einem Bauerntrick, den wir 100 000 Mal einstudiert haben, war schon ein guter Abschluss.

Hätten die Vipers auch ohne den Abbruch sportlich die Klasse gehalten?

Ja, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Wir hatten am Anfang einige Male den Kopf verloren und auch viel Pech mit den Schiedsrichtern, sodass wir Punkte liegen gelassen haben. Ab Dezember haben wir dann aber weniger Fehler gemacht.

Was war Ihr schönstes Handballerlebnis?

Die Teilnahme am Final Four- Turnier 2018 in Stuttgart und vor allem der Viertelfinalsieg zuvor in Leverkusen und natürlich unser erster Aufstieg 2011 sowie der Aufstieg mit Rosengarten-Buchholz 2015.

Sie waren Führungsspielerin, Torjägerin und Abwehrchefin bei der HSG. Sind Sie froh, dass Sie diesen Druck nun nicht mehr haben?

Klar hatte ich als ältere und erfahrenere Spielerin mehr Druck als die jungen Hühner. Es wurde mehr von mir erwartet, aber es ist nichts von mir abgefallen, weil der Druck nicht mehr da ist.

Dass es Wichtigeres als Handball gibt, haben Sie schon weit vor Corona durch die Knochenmarkkrebserkrankung ihrer Mutter 2011 und ihren erfolgreich entfernten Gehirntumor 2015 gelernt.

Als meine Mutter damals erkrankte, war mir Handball erst einmal scheißegal, denn die Familie geht vor. Durch so etwas guckt man anders auf viele Sachen. Mir geht es sehr gut. Ich habe gar keine Beschwerden mehr und ich bin auch nicht extra gefährdet. Dagegen gehört meine Mutter zur höchsten Risikogruppe, sodass ich sie derzeit in Holland auch nicht besuche, um sie nicht irgendwie zu gefährden. Sie benimmt sich auch sehr gut und macht nur das Nötigste außerhalb des Hauses. An so etwas sieht man schon, dass Handball nicht das Leben ist und nicht das A und O, für das man lebt. Aber natürlich ist es sehr schön, wenn man sein Hobby Handball zum Beruf oder zum Teilzeitberuf machen kann.

Auf was freuen Sie sich nach dem Handball und hoffentlich bald auch nach der Corona-Krise.

Darauf, einfach mal etwas mit der Familie zu unternehmen, mal wegzugehen, in Urlaub zu fahren, ohne dass man diese Dinge um den Handball herum planen muss. Oder auch darauf, Einladungen zu Geburtstagen oder Hochzeiten nicht absagen zu müssen.

Ihre Freundinnen Tessa Bremmer und Miranda Schmidt-Robben haben nach ihrem ersten Karriereende wieder für die Vipers gespielt, die auch darauf hoffen, im Notfall wieder auf Sie zurückgreifen zu können. Schließen Sie Ihr Comeback aus?

Man soll nie nie sagen. Ich hoffe natürlich nicht, dass es ein Comeback geben muss, weil das hieße, dass die Vipers viele Verletzte hätten oder es bei ihnen überhaupt nicht laufen würde. Ich gehe nicht davon aus, dass ich ein Comeback machen werde, aber komplett ausschließen sollte man das auch nicht, denn leider gibt es viele Verletzungen beim Handball. (jh)

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