Organisatoren haben viel zu tun, um Corona-Hygieneregeln umzusetzen

Vor dem Weltcup: Schnee in Willingen das kleinste Problem

Mühlenkopfschanze in Willingen
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Menschenleer war es am Freitag an der Mühlenkopfschanze in Willingen. Während des Weltcups wird es trotz der schönen Winterlandschaft dort auch nicht viel anders aussehen.

Der Skisprung-Weltcup in Willingen war stets auch ein Fest der Begegnung. Aber diesmal müssen die Veranstalter des Ski-Clubs viel Arbeit darin investieren, dass sich möglichst wenig Menschen rund um und in der Mühlenkopfschanze begegnen.

Willingen – Publikum verboten! Coronaischen Abstand halten und überall Maske aufsetzen ist für den Menschenrest oberstes Gebot, wenn vom 29. bis 31. Januar die Weltelite im Upland wieder ins Tal schwebt.

Keine Zuschauer, keine Party, kein Jubel und kein gemeinschaftlich angestimmtes „Ziiieeehhh“. Das tut den Machern in Willingen schon weh. Doch zum Trübsalblasen haben die Free-Willis mit ihrem Präsidenten Jürgen Hensel keine Zeit. Es ist viel zu tun, vermutlich sogar mehr denn je, weil es nicht so einfach ist, das Hygienekonzept sinnvoll in die Praxis umzusetzen. Hier gilt der Leitsatz: Gruppen bilden und dann alles so herrichten, dass sich die eine Gruppe nicht mit einer anderen vermischen kann.

Das geht soweit, dass die Sportler allein in einem Hotel einchecken, Funktionäre in einem anderen und die Medienleute separieren sich wiederum in einer weiteren Unterkunft.

„Wer im Springerlager die Startlisten verteilt, der darf nicht wie gewohnt im Pressezentrum arbeiten, sondern muss nach Hause fahren und darf erst am nächsten Tag wiederkommen“, sagt Hensel. Alle Konferenzen würden nur noch online stattfinden.

Wenn bisher beim Weltcup das Wort „testen“ gefallen ist, dachte jeder ans Skier wachsen und Material ausprobieren, diesmal wird diesen Wort weniger sportlich, sondern fast nur für die medizinische Kommunikation genutzt.

Wer während seines Einsatzes den Abstand nicht einhalten kann, wird täglich getestet. Ein Journalist erhält seine Akkreditierung nur dann, wenn er einen negativen PCR-Test nachweist. Doch damit nicht genug, täglich muss er sich mit seinem Handy ins System einloggen und gesundheitliche Fragen beantworten, um wieder aufs Gelände zu kommen. Keine Zuschauer, keine Buden und Festzelte bedeuten auch weniger Helfer. Bei der Auswahl ziehen die Organisatoren vor allem gesundheitliche Aspekte in den Vordergrund. „Wir wollen kein Risiko eingehen, daher sollten chronisch Kranke, diesmal aussetzen“, erzählt Hensel. Die Zahl der Free-Willis wird auch durch eine Altersbeschränkung reduziert: Nicht älter als 70 und jünger als 17 Jahre.

Keine Chance für Zaungäste

Die Organisatoren müssen sich natürlich auch Gedanken über mögliche Zaungäste machen, die sich in den angrenzenden Wald stellen könnten, um das Springen live zu verfolgen. „Wer es trotz der Kontrollen bis dorthin schaffen sollte, wird von der Polizei und vom Sicherheitsdienst entfernt“, kündigt Hensel an.

Der Schutz vor dem Virus kann einfache Abläufe zu einer Prozedur ausufern lassen. Normalerweise betritt ein Skispringer den Schanzenturm durch eine Tür, fährt mit dem Aufzug nach oben und wartet dort bis er an der Reihe ist. Hensel beschreibt diesen Ablauf in Corona-Zeiten so: „Die Springer kommen mit einer FFP2-Maske am Adlerhorst an, an der Tür müssen sie den Mundschutz tauschen, ihre FFP2-Maske in den Anzug stecken, den Reißverschluss wieder schließen, nun erhalten sie eine einfache Maske, setzen diese auf, gehen zur Materialkontrolle, danach dürfen sie den Reißverschluss nicht mehr öffnen und vor dem Sprung wird die normale Maske entsorgt.“

Und so sitzen die Willinger diesmal im Corona-Karussell, für das niemand den Knopf zum Anhalten findet. Nachdem das Hygienekonzept stand, wurde es am vergangenen Dienstag von Mitarbeitern des Gesundheitsamts und des Landkreises auf seine Tauglichkeit hin überprüft. Und so werden übliche Hauptfragen fast zur Nebensache: Ist genug Schnee vorhanden? - Hensel: „Ja, wir produzieren nachts, hier läuft alles wie geplant.“ Wie angenehm waren doch die alten Probleme. (rsm)

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