Heimische Bezirke brechen Ligasaison ab

Sportschießen nach der Corona-Pause: Neue Pläne für die Meisterschaften

Nur zwei Mann auf dem Schießstand, Plexiglas und großer Abstand: So wie hier beim SSV Korbach im Sommer 2020 sah der Trainingsalltag vieler Schützenverein aus. Seit Ende Oktober geht gar nichts mehr.
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Nur zwei Mann auf dem Schießstand, Plexiglas und großer Abstand: So wie hier beim SSV Korbach im Sommer 2020 sah der Trainingsalltag vieler Schützenverein aus. Seit Ende Oktober geht gar nichts mehr.

Keine Feste, kein Sportbetrieb: die Schützenvereine leiden doppelt unter dem Corona-Stillstand. Zumindest für den Schießbetrieb gibt es nun einen neuen Fahrplan.

Ende Februar – das heißt normalerweise: Hochsaison bei den heimischen Sportschützen: Ligasaison gerade vorbei, Auftakt des Bezirksmeisterschafts-Reigens. Doch bekanntlich ist auch und gerade bei den Schützen – die auch auf ihre Feste verzichten müssen – in Pandemiezeiten nichts normal.

Kurz nachdem die meisten Bezirkstitel vergeben waren, hatte das Corona-Schicksal im vergangenen Jahr seinen Lauf genommen. Königsschießen und Schützenfeste wurden verlegt und müssen dies in diesem Sommer wohl erneut.

Der sportliche Teil schien zunächst erfreulicher zu verlaufen, als Ende September die Rundenwettkämpfe begannen. Das Glück war aber auch diesen Sportlern nur bis Ende Oktober hold. Der Ligabetrieb landesweit und in den Bezirken wurde zunächst auf Eis gelegt – und nun zum Jahresbeginn 2021 ganz begraben.

Die Pläne des Verbandes: Landesmeisterschaft gestrichen

Inzwischen wissen die Sportschützen, wie das Wettkampfjahr in etwa aussehen könnte; wie es sich zumindest der Hessische Schützenverband (HSV) vorstellt. „Die Landesverbände können einen Qualifikationsweg wählen, wie er zu Pandemiebedingungen möglich ist“, berichtete Landessportleiter Otmar Martin kürzlich bei einer Videokonferenz mit den Bezirkssportleitern von einer Entscheidung des Deutschen Schützenbundes.

Martins Vorschlag stieß unter den 38 Beteiligten auf breite Zustimmung: Die Hessenmeisterschaften werden 2021 gestrichen; stattdessen werden an der Basis die Bezirksmeisterschaften ausgetragen, deren Ergebnisse die Grundlage zur Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften sein sollen. „Diese Entscheidung gilt für alle Disziplinen, denn wir wollen im Sinne des Breitensportgedankens entscheiden“, erläuterte Martin.

Auf Landesebene ist allenfalls ein Pokalwettbewerb für Auflageschützen angedacht, sofern es umsetzbar ist.

Dieses Meisterschafts-Prozedere ist freilich vor allem dem Zeitfaktor geschuldet: Für zwei Meisterschaften (Bezirk und Land) fehlt die Zeit – zumal niemand weiß, wann der Schießbetrieb wieder aufgenommen werden darf. „Vor April werden wir wenig bis gar nichts machen können“, meint der Landessportleiter.

Die Lage im Bezirk: Meisterschaften müssen neu organisiert werden

„Wir brauchen eine Inzidenz von 35; vorher geht nichts“, verdeutlicht auch Thorsten Schrauf, Sportleiter im Schützenbezirk 15 Waldecker Land, die unklare Ausgangslage. Klar ist bisher nur: Bis 6. Juli müssen die Bezirke die Ergebnisse ihrer Meisterschaft den den Landessportleiter melden.

Für manche Bezirke, die mit 1400 Meldungen für die Bezirkstitelkämpfe rechnen, bedeutet das, dass sie rund acht Wochenende brauchen, um alle Disziplinen durchzuziehen. Im Waldecker Land hat es Schrauf einen Tick einfacher – für die Meisterschaft 2021 lagen ihm rund 300 Meldungen vor. Die sind aber nun Schall und Rauch. „Alle Meldungen werden gelöscht, die Vereine müssen sich bis Ende März neu anmelden“, erklärt der Korbacher.

Organisatorisch wird er vor zusätzlichen Herausforderungen stehen. Einerseits, weil man die Wettbewerbe zeitlich entzerren muss, um nicht zu viele Menschen an gleicher Stelle und zu gleicher Zeit anzuhäufen. Andererseits müssen aber alle Schützen einer Altersklasse am gleich Tag an den Schießstand. Gleichwohl muss bekanntlich regelmäßig gelüftet werden.

Landkreis kommt entscheidende Bedeutung zu

Hier und da müssen sich die Aktiven auch auf mehr „Arbeit“ einstellen, denn es gelten diesmal auch für die Bezirksmeisterschaften die Schusszahlen einer regulären Hessischen Meisterschaft. Und: In Disziplinen, bei denen eigentlich erst auf Landesebene die Zehntelwertung angewendet wird, muss nun auch im Bezirk das Resultat auf diese Weise ermittelt werden. Das ist schon eine Umstellung, denn mit dem Luftgewehr gilt das für alle Klassen.

Schrauf macht einmal mehr auch deutlich, was die Vertreter vieler Sportarten derzeit sagen: „Mit entscheidend ist letztlich, was der Landkreis sagt.“ Heißt: Bevor es keine Entscheidung über die Öffnung von Hallen und Bürgerhäusern gibt, in denen vielerorts die Schießstände untergebracht sind, gibt es auch keine konkrete Planung der Meisterschaften. „Da geben wir den Vereinen zum trainieren einen möglichst großen Vorlauf“, so Schrauf. Darauf einstellen könnten sich die Schützen aber darauf, dass es „wahrscheinlich ein reines Qualifikationsschießen wird – ohne Essen- und Getränkeverkauf, ohne direkte Siegerehrung“.

Rundenwettkämpfe starten im Herbst „bei null“

Nur zwei bzw. drei Durchgänge konnten bei den Rundenwettkämpfen der Bezirke 15 und 16 ausgetragen werden. Nach einer Unterbrechung Ende Oktober wurde für beide nun festgelegt: Die Saison wird abgebrochen und nicht gewertet. „Im Herbst geht es bei null los“, erklärt Thorsten Schrauf, Sportleiter im Bezirk Waldecker Land. Die Klasseneinteilung wird 1:1 aus dem Vorjahr übernommen, sodass keine erneute Meldung notwendig ist. So verfahren auch die Bad Wildunger.

„Wir sind guten Mutes bald wieder loslegen zu können. Man kann die Leute auch nicht viel länger einsperren“, sagt Heinrich Schmitz, Bezirksschützenmeister im Bezirk Bad Wildungen. Auch dort bereitet man sich auf die beschlossenen Veränderungen in Sachen Bezirksmeisterschaft vor. und bittet die Vereine um erneute Meldungen.

„Wir planen, wann der Startschuss fällt, werden wir dann sehen. das liegt nicht in unserer Hand“, meint Schmitz, der aber betont: „Auch wenn wir im Sommer schießen, stehen Sicherheit und Gesundheit der Teilnehmer an erster Stelle.“ (schä)

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