Erster Weltcuperfolg überhaupt auf der Heimatschanze 

Der Mühlenkopf fliegt: Stephan Leyhe siegt in Willingen

Weltcup Willingen 2020.Alle wollen ein Bild von ihrem Helden - Stephan Leyhe und der unbändige Jubel der Free Willis.
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Alle wollen ein Bild von ihrem Helden - Stephan Leyhe und der unbändige Jubel der Free Willis.

Klingt wie ein Märchen, ist aber wahr: Stephan Leyhe hat auf seiner Heimschanze den ersten Weltcupsieg seiner Karriere geholt. Der Mühlenkopf fliegt.

Willingen - Als Stephan Leyhe in einem ebenso spannenden wie hochklassigen Finale im Tal gelandet war, jubelten Tausende, flippten aus, schwenkten Fahnen, riefen sich die Kehlen heiser: 144,5 Meter, der weiteste Flug des Tages. Leyhe zeigte unten angekommen sein breitestes Lachen.

Dann kam Kamil Stoch, führend nach Durchgang eins - und der Pole zeigte Nerven: 137,5 Meter, Platz drei hinter Marius Lindvik aus Norwegen, der satte 143,0 Meter vorgelegt hatte. Die Party erreichte ihren Höhepunkt.

 Als erste umarmten ihren Gewinner die wartenden Kollegen Pius Paschke (24.), Constantin Schmid (21.) und Markus Eisenbichler (26.). Karl Geiger auf Platz fünf hinter Stefan Kraft aus Österreich freute sich ausgelassen mit. 

"Insgeheim hatte ich aufs Podium gehofft, so relaxt war ich noch nie", sagte Leyhe in einer ersten Reaktion, "dass es der erste Sieg werden würde, daran hatte ich aber nicht gedacht." Nicht wenige Mitglieder des Ski-Clubs hatten Tränen in den Augen, Gänsehaut hatten alle - und ihre Freude kannte keine Grenzen. 

Stephan Leyhe - einer von uns

Die Gefühle der "Free Willis", die geackert bis an ihren Grenzen hatten, um diesen Weltcup überhaupt möglich zu machen,  brachte Moderator Jürgen Bangert auf den Punkt: "25 Jahre nach dem ersten Weltcup in Willingen hat er gewonnen - einer von uns."

Träume erfüllt: Stephan Leyhe jubelt nach der Siegerehrung am Fuße der Schanze.

Ski-Club-Präsident und OK-Chef Jürgen Hensel überreichte Leyhe den Siegerpokal, umarmte ihn herzlich. Auch Vater Volker und Bruder Christoph umarmten sich und warteten auf Sohn und Bruder. "Es war traumhaft", sagte Volker Leyhe. 

Und Hensel machte seine Ankündigung wahr: Nach der Nationalhymne sang man an der Schanze das "Waldecker Lied". Zu Ehren des 28-Jährigen Schwalefelders Leyhe, der in der Wertung "Willingen/5" mit 398 Punkten vor Stefan Kraft (375,8) und Marius Lindvik (370,8) führt und auf eine satte Extraprämie hoffen kann. Geiger ist mit 367,4 Zählern Vierter.

Zweiter nach dem ersten Sprung

139,5 Meter hatte Leyhe im ersten Durchgang unter den Augen der 23 500 restlos begeisteren Zuschauer bei prima Bedingungen vorgelegt. Die Führung mit 128,2 Punkten. Marius Lindvik kam da nicht heran, trotz seiner 140 Meter stand er bei 126,1 Punkten und erreichte am Ende Rang drei.

Dann kam Stoch, auf dem Klangteppich, den seine in die Tausende gehende Fanschar legte, sprang er auf ebenfalls 139,5 Meter - und erhielt 0,8 Zähler mehr als Leyhe, der beim Gang durch die Mixedzone zurückhaltend den Zuschauern winkte. 

Weitester Sprung am Mühlenkopf in der Quali: Stephan Leyhe im Flug.

Weder der Japaner Ryoyu  Kobayashi (14.) noch Karl Geiger als 6. mit 138,5 Metern) und auch nicht Stefan Kraft aus Österreich (4. mit 135,5 Metern) verdrängten Leyhe oder Stoch. Von den deutschen Springern war Richard Freitag  (123,0 Meter/Platz 31) als einziger nicht im Finale dabei. 

Weltcup Willingen 2020: Sieger Stephan Leyhe zwischen dem zweitplatzierten Marius Lindvik (links) und Kamil Stoch auf Rang drei.

Sieger Stephan Leyhe zwischen dem zweitplatzierten Marius Lindvik (links) und Kamil Stoch auf Rang drei.

"Wie geil ist das denn"

"Wie geil ist das denn" war einer Ski-Club-Helferin spontan entfahren, als feststand: Stephan Leyhe hat die Qualifikationam Mühlenkopf gewonnen.

Der Skispringer aus Schwalefeld setzte mit 145,5 Metern bei idealen Aufwindbedingungen ein dickes Ausrufezeichen. Und wusste sofort, was ihm gelungen war. 

Leyhe strahlte über das ganze Gesicht. Nachdem dann der Weltcup-Führende Stefan Kraft bei 138 Metern (Platz zwei) gelandet war, wusste der 28-Jährige: Sein erster Sieg auf der Heimatschanze war ihm nicht mehr zu nehmen. Auch wenn es "nur" die "Quali" war. Platz drei belegte der Slowene Timi Zajc mit 138,5 Meter.

Scheck vom Präsidenten

Leyhe erhielt direkt nach der "Quali" einen Scheck über 3000 Euro. Jürgen Hensel überreichte ihn mit sichtlich großer Freude. Danach wagte Hensel die Prognose "Wenn er so springt, dann springt er aufs Podest oder kommt zumindest unter  die ersten Fünf." 

Auch die anderen Deutschen qualifizierten sich für das Springen. Karl Geiger war auf Rang fünf der zweitbeste (135 Meter).

Die Fotos zum Sieg von Stephan Leyhe und mehr.

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