Die fast 40 Jahre alte Lauf-Tradition im Advent braucht einen neuen Veranstalter

Twistesee-Marathon vor dem Ende

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Ein Bild ohne Zukunft? Der  Advent-Marathon  am Twistesee 2013, der dritte unter den Wierschulas.

Wetterburg – Das 1981 von Heinrich Kuhaupt als Advent-Wald-Marathon etablierte Treffen naturliebender Dauerläufer steht in diesem Jahr schon nicht mehr im Kalender. Und findet sich kein neuer Ausrichter, bleibt das in Zukunft so.

Dem Advent-Marathon am Twistesee droht das Aus. Ein von Organisator Hans-Joachim Wierschula erhoffter Deal mit dem TSV Wetterburg scheiterte.

Dass er den Termin Ende November abgesagt hat, begründet Wierschula so: „Wir schaffen das organisatorisch mit der Familie nicht mehr.“ Die Familie stand stets hinter dem Sport-Event-Team (SET) von Wierschulas Tochter Lisa, das den Klassiker im Jahr 2011 übernommen hatte. Zwei Jahre vorher war Kuhaupt das letzte Mal als Veranstalter aufgetreten.

Die im Handelsregister eingetragene Unternehmensgesellschaft SET, gegründet für „Planung, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen aller Art“, werde gerade aufgelöst, sagt Wierschula. Damit fehlte dem Marathon die Voraussetzung für eine Neuauflage – es sei denn, ein anderer Ausrichter wäre in die Bresche gesprungen.

Sportverein zunächst zurückhaltend

Den Dauerlauf, der zuletzt Ende November 2018 knapp 250 Starter auf die Beine brachte, einfach auf seine Person zu überschreiben, sei nicht möglich gewesen, sagt Wierschula. Der 66-Jährige nennt haftungs- und steuerrechtliche Gründe.

Er hatte gehofft, dass der TSV Wetterburg einspringen würde. Ein Sportverein kann nicht nur die rechtlichen Bedingungen erfüllen, die an die Organisation eines Sportwettbewerbs im öffentlichen Raum geknüpft sind, sondern könnte auch Helfer mobilisieren. „Im Endeffekt brauchen wir zusätzliches Personal“, sagt Wierschula, als Triathlet selbst ein großer Anhänger des Ausdauersports. Mit dem neuen TSV-Vorsitzenden Heinz Lösekamm sprach Wierschula intensiv. Sie kennen sich als Nachbarn gut. Zusammen kamen sie trotzdem nicht.

Warum nicht? „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und nicht kategorisch gesagt, das machen wir nicht“, betont Lösekamm. Sogar im Wetterburger Ortsbeirat stand das Thema Marathon auf der Tagesordnung – vor allem wegen dessen außerordentlich langer Tradition und seiner Bekanntheit über die Region hinaus. Lösekamm sagt aber auch: „Wir wollten nicht einfach ins kalte Wasser geworfen werden.“ 

Nur begleiten war nicht drin

Der Verein hat keine Erfahrung als Ausrichter von Läufen, aber auch, ein ganz grundsätzliches Hindernis, keine wirklich lauf-affinen Mitglieder. Deshalb, so Lösekamm, habe der Vorstand Wierschula vorgeschlagen, den Marathon in diesem Jahr mit zu begleiten, um dann eine Entscheidung zu treffen.

Daraus konnte nichts werden. „Begleiten hätte bedeutet, (für den TSV, Anm. der Redaktion) nicht als Veranstalter aufzutreten. Das wäre nur möglich gewesen, wenn die Firma unserer Tochter dies wieder übernommen hätte. Dies geht aus den bekannten Gründen nicht“, erklärt Hans-Joachim Wierschula.

So ganz hat er die Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Erfolgsgeschichte Twistesee-Marathon noch nicht aufgegeben. Der Mann, der als Streckensprecher die Stimme des Wettkampfs geworden ist, sagt, er habe schon dem TSV Wetterburg „Unterstützung in allen möglichen Richtungen“ zugesichert. 

Wierschula: "Das können andere auch"

Das Angebot steht. Es umfasse ebenso die Bereitstellung von Equipment wie von fachlichem Knowhow bis hin zur Bereitschaft, die Leitung einer zu gründenden Laufabteilung zu übernehmen. Drei bis fünf Jahre lang sei er bereit, den Übergang bis zu einer Nachfolgelösung zu begleiten, sagt Wierschula. 

Die Furcht, einen Marathon dieser Größenordnung stemmen zu können, hält er für nicht plausibel. „Ich halte mich nicht für einen Übermenschen, das können andere auch.“

Für Wierschula ist die Organisation des Twistesee-Marathons immer auch eine Herzensangelegenheit gewesen. „Ich mache es gern und würde es auch immer wieder machen“, sagt er. Und: „Ich kann mich einfach nicht damit anfreunden, dass ich am ersten Advent freihabe.“ Für dieses Jahr ist es zu spät, falls sich doch ein Verein findet, der einspringen würde. Vielleicht folgt das Comeback ja 2020. (mn)

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