Genug Schnee für die Mühlenkopfschanze?

Willinger Schanzenchef Rohn: „Wir sind auf der guten Seite“

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Zuversichtlicher Schanzenchef: Andi Rohn.

Reicht der selbst produzierte Schnee? Muss man sich um den Weltcup in Wilingen sorgen? Schanzenchef Andi Rohn zeigte sich im Interview am Dienstag Nachmittag gelassen und zuversichtlich.

WillingenDer Winter ist grün, auch im Upland. Doch 16 Tage vor dem Weltcup der Skispringer gibt sichAndi Rohn, Schanzenchef des Ski-Clubs Willingen, zuversichtlich: Dank der aktuellen Minustemperaturen läuft an der Mühlenkopfschanze die dritte Phase der Produktion von Kunstschnee – er könnte zusammen mit den bisher erzeugten und unter Planen gelagerten Mengen reichen, um die Schanze zu belegen.

Rohn (65) ist seit vergangenem Jahr für die Belegung der Mühlenkopfschanze als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Wolfgang Schlüter hauptverantwortlich. Er verfügt über viel Erfahrung - seit 1995 war er bei jedem Weltcup in Willingen als freiwilliger Helfer dabei.  

Herr Rohn, alles grün im Upland, fast nirgendwo Schnee: Machen Sie sich Sorgen, dass der Weltcup gefährdet sein könnte?

Das würde ich nicht sagen, wir sind so ziemlich auf der guten Seite. Wenn wir heute Nacht (Nacht von Dienstag auf Mittwoch, Anm. der Redaktion) bei voraussichtlich vier bis fünf Grad Minus noch mal Schnee machen können, sollten wir genug beisammen kriegen. Wir brauchen noch ein, zwei kalte Nächte.

Die kalten Temperaturen in dieser Woche kamen also wie gerufen. Wie viel Schnee fehlt Ihnen noch?

Das kommt darauf an, was wir in der kommenden Nacht produzieren. Sollte es aber nicht langen, hätten wir die Option, kurzfristig in der Skihalle in Bispingen Schnee zu bestellen. Aber erst mal sind ja bis Donnerstag Minustemperaturen vorhergesagt.

Kurzfristig heißt?

Frist in etwa einer Woche.

Rechnen Sie damit, dass Sie ohne Schneetransporte davonkommen?

Davon würde ich ausgehen – wenn es in der zweiten Nacht genauso gut läuft wie von Montag auf Dienstag. Da haben wir unheimlich viel produziert, weil die Luftfeuchtigkeit und auch die Temperatur stimmten. Wir haben mit neun Kanonen geschossen – es sieht gut aus.

Welche Rolle spielt die Snowfactory, die am Auslauf der Schanze fleißig produziert?

Wir benötigen sie als Reserve. Die Maschine produziert ja Splittereis, das wir im Steilhang nicht gebrauchen können. Es ist aber ganz gut dafür geeignet, den Auslauf unten im flachen Bereich zu belegen. Oben müssen wir unseren geschossenen Schnee nehmen, er lässt sich da besser verarbeiten.

Hält das Splittereis im Steilen nicht?

Sie müssen es sich vorstellen wie einen Haufen Splitt, der rieselt. Den bekommen Sie im Steilhang nicht fest.

Wie funktioniert die Snowfactory eigentlich?

Im Inneren des Containers befinden sich drei doppelwandige Zylinder. Sie werden durch ein Kühlmittel bis auf minus 25 Grad heruntergekühlt, Von oben wird Wasser zugeführt, es läuft an den Wandungen runter, vereist und wird durch ein Schabemesser abgeschabt. Das Eis fällt in eine Schnecke, die es zum Gebläse transportiert, das den Schnee in den Auslauf bläst. Ein einfacher Effekt.

Gibt es eine Vorgabe des Weltskiverbands Fis, bis wann die Schanze fertig präpariert sein muss?

Spätestens am Donnerstag der Weltcup-Woche findet die Abnahme statt. Meistens sind wir aber schon am Mittwoch fertig, dann sind die Delegierten und Trainer schon da und wollen sich die Schanze anschauen. Die Freigabe erfolgt aber am Donnerstag durch den Technischen Delegierten und den Rennleiter.

Freuen Sie sich auf den Weltcup oder sind Sie vor allem angespannt?

Natürlich freuen wir uns. Angespannt ist man aber schon. Wir sind seit November in der Vorbereitung und je näher der Termin rückt – also man ist angespannt, kriegt wenig Schlaf. Bei der Schneeproduktion arbeiten wir in Zweierteams ja praktisch Tag und Nacht.

Hatten Sie in der Nacht zu Dienstag auch Schicht?

Ja, bis morgens um 7 Uhr und ich bin auch diese Nacht wieder dran. Die Kollegen, die uns abgelöst haben, haben gegen 12 Uhr die Kanonen abgestellt, weil es wegen der Temperaturen nicht mehr ging. Danach sind Wartungsarbeiten angesagt oder Filterwechsel – sie müssen schauen, dass alles für die Nachtschicht wieder einsatzbereit ist.

Was sind nachts Ihre Aufgaben – müssen Sie in den Produktionsprozess eingreifen?

Auf jeden Fall. Wir können ja die Schneequalität beeinflussen und trocken schneien oder nass, das hängt auch von der Luftfeuchte ab. Wenn wir zum Beispiel die Schneequalität auf feucht hoch stellen, braucht die Schneekanone mehr Wasser, aber ich bekomme eine größere Menge an Schnee. Schraube ich sie zurück, wird der Schnee trockener und die Menge geringer.

Wie überstehen Sie so eine Nacht – mit viel Kaffee?

Wir haben unsere Kontrollgänge zu machen; Dafür müssen wir auch nach oben fahren, denn eine Kanone steht am Schanzentisch und produziert Schnee für den Anlauf. Diesen wollen wir ab Samstag belegen. Alle anderthalb bis zwei Stunden unternehmen wir so eine Kontrollfahrt. Ansonsten haben wir uns einen Container eingerichtet, in dem beim Weltcup der Rundfunk sitzt. Der ist beheizt, da steht ein Fernseher drin und eine Kaffeemaschine.

Was wünschen Sie sich für den Weltcup?

Was kann man sich besser wünschen als schönes Wetter, etwas Kälte und möglichst keinen Wind. Vor Jahren hatten wir mal die Schanze komplett super belegt und dann fiel ein Springen aus. Na ja, das ist halt so, Skispringen ist eine Freiluftveranstaltung. Und was ich mir auch wünsche: keinen Neuschnee mehr (lacht).

Der würde dann noch mal sehr viel Arbeit bedeuten.

Ja, genau das.

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