„Es hängt immer an Personen“

Zahl der Sportabzeichen an Schulen geht zurück

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Kann so viel Spaß machen: Gemeinsames Training für das Sportabzeichen von Korbacher Schülern der Westwallschule und der Schule Enser Tor.

Die Abnahme des Sportabzeichens sei in vielen Schulen „ein fester Bestandteil des Sportunterrichts“. Das schreibt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in seiner Sportabzeichen-Bilanz für 2019. An den Schulen in Waldeck-Frankenberg war die Wirklichkeit im vergangenen Jahr eine andere. 

Korbach. Die Zahl der Fitnesstest sei „kolossal eingebrochen“. So vermeldet es Kerstin Mühlhausen, die Sportabzeichen-Beauftragte des Sportkreises.

Erwarben 2018 noch 767 Schüler und Schülerinnen das Abzeichen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 360 – ein Rückgang von deutlich mehr als 50 Prozent. Das Minus spiegelt sich in der Statistik für den gesamten Sportkreis (Vereine, Schulen, Bundeswehr) wider: Die Zahl der Sportabzeichen sank im Jahresvergleich von 1675 auf 1059. Auch bei den Erwachsenen verzeichneten die Prüfer (leicht) sinkende Nachfrage, sie händigten an Frauen und Männern knapp 40 Sportabzeichen weniger aus als 2018. „Ich finde es schade, das Sportabzeichen ist doch eine gute Sache“, sagt Kerstin Mühlhausen mit Blick auf die Schulen. Sie sehe in den Vereinen, „dass die Kinder mit großem Spaß dabei sind. Warum sie in den Schulen nicht genauso begeistert sind, verstehe ich nicht.“ Zumal der Einbruch nur in Waldeck-Frankenberg so deutlich ausgefallen sei. „Sonst in Hessen sind die Schulen überall fleißig dabei.“

Im Landkreis haben sich 2019 nur noch 14 Schulen überhaupt beteiligt, genauso so viele fielen im Vergleich zu 2018 als Anbieter wieder aus. Spitzenreiter bleibt die Integrierte Gesamtschule Edertal; sie weist 100 Sportabzeichen vor, allerdings auch 50 weniger als 2018. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren die Nicolaus-Hilgermann-Schule Rosenthal (42 Sportabzeichen) und die Grundschule Röddenau (39).

Referentin Mühlhausen vermutet, dass vielen Sportlehrern die Sache mit dem Sportabzeichen zu aufwendig ist. Einmal seien die Klassen vom Alter her nicht homogen zusammengesetzt, die Lehrer hätten es also mit unterschiedlichen Prüfungs-Anforderungen für unterschiedliche Jahrgänge zu tun. Dann liege der Sinn des Fitnesstests ja vor allem in der Hinführung zur Prüfung über kontinuierliches Training. Sportabzeichen nur aufgrund der Leistungen bei Bundesjugendspiele zu vergeben, widerspreche dem.

Corona macht es Prüfern schwer

Wie sehr das Engagement einzelner die Dinge beeinflusst, zeigt das Beispiel Theo Schätte. Der frühere Schulsportkoordinator ist Lehrer an der Cornelia-Funke-Schule Gemünden und war zusätzlich an die Grundschule Haina abgeordnet. 2018 brachten es beide Schulen zusammen auf 128 Sportabzeichen, im vergangen Jahr auf zehn – Schätte war aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen.

„Es hängt immer an Personen“, sagt er und verweist auf weitere Schulen im Südkreis, an denen ebenfalls personelle Veränderungen sofort Konsequenzen für die Abnahme von Sportabzeichen hatten. „Ich blicke aber positiv nach vorn“, sagt Schätte.

Auch Kerstin Mühlhausen malt nicht schwarz. Sie ist bereit, auf der nächsten Schulsportleiter-Sitzung über das Sportabzeichen zu sprechen und ihre Unterstützung anzubieten. Allerdings weiß auch sie, dass die Schulen gerade drängendere Probleme zu lösen haben. Das laufende Jahr dürfte wegen der Corona-Krise weitere Rückgänge mit sich bringen, 2021 sollte es wieder aufwärts gehen.

Auch die Vereine können in nächster Zeit nur unter strikter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln Sportabzeichen-Training anbieten. Ihre Zahlen könnten weiter zurückgehen. 2019 nahmen sie 440 Prüfungen erfolgreich ab. Das Ranking führt der TSV Frankenberg mit 79 Sportabzeichen an. TSV Korbach, TV Rhoden und Eintracht Waldeck brachten es als gemeinsame Zweite jeweils auf 77 Abzeichen.  mn

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