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Moritz Müller zieht Bilanz: „Alle Seiten haben profitiert“

Eishockey Kassel Huskies DEL2 Eissporhalle - Ein Kasseler Kölner in Kassel: Moritz Müller war einige Wochen lang ein Husky.
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Ein Kasseler Kölner in Kassel: Moritz Müller war einige Wochen lang ein Husky.

Wenn es am schönsten ist, dann soll man gehen. Sagt der Volksmund. „Und schön war sie wirklich, die Zeit in Kassel bei den Huskies“, sagt Moritz Müller und zieht Bilanz einer gelungenen Mission.

Kassel - Dass er Nordhessen nun wieder verlassen hat, seine Heimatstadt, wie der in Frankfurt geborene Kölner Kassel nennt, bereitet ihm folglich gemischte Gefühle. Eine Bilanz – das sagt der Kapitän der Eishockey-Nationalmannschaft über:

Die aktuelle Lage: „Natürlich wäre es super gewesen, wenn wir drei Kölner noch gegen Landshut und in Bayreuth hätten spielen können. Doch der Plan war letztlich, dass wir am Montag in Köln um 8.30 Uhr ins Trainingslager für den DEL-Auftakt starten sollten. Das wäre nach einem Sonntagspiel in Bayreuth nicht machbar gewesen. Hinzu kommt, dass wir zum Einstieg in Köln einen negativen Coronatest vorlegen sollten, was Sinn macht. Und so mussten wir dann abwägen, was wir gewinnen, was wir verlieren können bei einem Einsatz gegen Landshut. Wäre ich ein Husky, hätte ich definitiv gespielt. Aber ich bin Angestellter der Haie, und da war mir das Risiko doch zu hoch.“

Die Bilanz: „Es war definitiv eine tolle Zeit hier. Ich war 17 Jahre fort von daheim. Und konnte jetzt wieder Zeit verbringen mit meiner Familie und mit Kiki, meinem besten Freund. Das war klasse. Und dass die Huskies an der Tabellenspitze stehen jetzt am Ende unserer Mission, das beweist, dass Corona nicht nur negative Folgen haben kann.“

Den Sport: „Es war eine Win-win-Situation für alle. Ich habe schon zu Beginn beim Deutschland-Cup gemerkt, dass mir das Training mit den Huskies gutgetan hat, bei jedem Schritt, bei jedem Wechsel. Wir sind hier super aufgenommen worden, die Stimmung in der Truppe ist klasse. Schade, dass keine Zuschauer die Spiele erleben konnten.“

Die Vorbildrolle: „Wir haben uns sehr bemüht, uns einzuordnen. Ich weiß, dass wir das Mannschaftsgefüge verändert haben, aber hoffentlich nicht gestört. Wir haben natürlich mit unserer Erfahrung auch Qualität hereingebracht. Und nach jedem Training bin ich mit jungen Spielern noch länger auf dem Eis gewesen, habe spezielle Dinge mit ihnen geübt. Ich bin sicher, alle Seiten haben von diesen gemeinsamen Wochen profitiert.“

Die Kritik: „Nach dem Wochenende der Niederlagen in Weißwasser und gegen Bad Nauheim soll es Leute gegeben haben, die uns drei Kölnern mangelnden Biss vorgeworfen haben. Ein Blick auf die Statistik widerlegt das eindeutig. Wir haben das sehr ernst genommen hier.“

Der Weg der Huskies: „Die Mannschaft hat Qualität, definitiv. Auf Leon Hungereckers Weg bin ich gespannt, andere wie Marco Müller sind besser, als sie in Nordhessen gesehen werden. Und ja, es wäre klasse, wenn wir uns 2021/22 in der DEL dann als Gegner treffen würden. Aber dafür müssen auch die jungen Spieler nun den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen, wenn wir wieder fort sind.“

Seine Zukunft: „Mein Vertrag bei den Haien läuft noch bis 2023, allerdings hat der Verein für 2022 eine Kündigungsoption. Er beinhaltet auch einen Anschlusskontrakt für eine Einbindung in der Geschäftsstelle für die Zeit nach der Spielerkarriere – wenn ich das will.“

Eine Rückkehr nach Kassel: „Man soll niemals nie sagen. Aber ich freue mich natürlich auch auf meine Familie in Köln. Dort leben wir, dort haben wir unsere Freunde, meine Töchter gehen da in den Kindergarten. Und dort in Köln sehe ich auch unser weiteres Leben später.“

Die Spielergewerkschaft: „Mein Engagement soll immer ehrenamtlich bleiben, ich möchte keine berufliche Perspektive da in Form einer Anstellung. Ich will nicht in den Verdacht kommen, aus der Sache persönlichen Nutzen ziehen zu wollen. Wichtig ist, dass wir das deutsche Eishockey voranbringen – dazu gehört vor allem eine Stärkung der Spielerposition.“
(Gerald Schaumburg)

Zur Person

Moritz Müller (33) kam in Frankfurt zur Welt, spielte aber bis 2001 bei der Eishockey-Jugend Kassel - als Stürmer. 2002 trug er erstmals das Trikot der Kölner (Jung-) Haie, wo er seit 2004 zum DEL-Team gehört – als Verteidiger und inzwischen auch als Kapitän. Drei Jahre lang bestritt er als Förderlizenzler auch Zweitliga-Spiele für Essen. Müller absolvierte 235 Länder- und 864 DEL-Spiele für die Haie. Sein Vertrag läuft bis 2022. Im November schloss er sich wie seine Kölner Kollegen Marcel Müller und Dominik Tiffels den Kassel Huskies an, um sich in der DEL2 auf den verspäteten Saisonstart der DEL am 17. Dezember vorzubereiten. Müller bezeichnet Kassel als Heimat, dort leben Vater Rainer, seine Familie und die engsten Freunde. Seit Juni 2014 ist er verheiratet mit Nadja Eichin, beide haben zwei Töchter. sam 

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