Entscheidung im Rahmen der Sportgerichtsbarkeit - Verfahren vor ordentlichen Gerichten laufen noch

DEL-Schiedsgericht bestätigt Lizenzentzug - Westhelle: Eklatante Rechtsverstöße

Kassel. Das Schiedsgericht der Deutschen Eishockey-Liga hat am Freitagnachmittag in München die Klage der Kassel Huskies gegen die Kündigung des Lizenzvertrages durch die DEL abgewiesen.

Das würde heißen: Der Ausschluss der Huskies durch die DEL wäre im Rahmen der Sportgerichtsbarkeit rechtens. Doch: Huskies-Geschäftsführer Dr. Fritz Westhelle hat den DEL-Verantwortlichen erneut schwere Formfehler nachgewiesen: „Die dürfen eigentlich gar nicht entscheiden.“

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Bindend für die DEL und die Huskies ist aber weiterhin die Einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln, wonach die Kassel Huskies zum Spielbetrieb der kommenden Saison zugelassen werden müssen. Ein Blick zurück ist notwendig, um den Ärger auf Seiten der Huskies zu verstehen. Am 30. Juni schloss die DEL die Huskies auf ihrer Gesellschafterversammlung aus. Am 6. Juli beantragten die Huskies vor dem Münchener Oberlandesgericht, dass das DEL-Schiedsgericht wegen verschiedener Mängel der Schiedsgerichtsordnung nicht über den Lizenzentzug entscheiden dürfe. Darüber dürften allein ordentliche Gerichte urteilen, sagt Westhelle.

Am 7. Juli reichten die Huskies dann, so wie es der DEL-Gesellschaftervertrag vorsieht, eine Schiedsklage beim Schiedsgericht der DEL gegen den Lizenzentzug ein. Als sich Westhelle und seine Anwälte daran setzen, diese vorzubereiten, stießen sie auf Unstimmigkeiten. „Ich habe bei der Vorbereitung einer Klage noch nie so viele Formfehler gefunden“, sagt der Insolvenzexperte.

Dr. Fritz Westhelle

Zunächst fiel den Huskies-Anwälten auf, dass kein wirksamer Vertrag zwischen den Schiedsrichtern und den Klubs der DEL existiert. Sie mussten sogar ein eigenes Exemplar anfordern. Kurios: Es war datiert auf das Frühjahr 2009, doch die Huskies waren darin gar nicht erwähnt, wohl aber alle anderen 14 Gesellschafter. „Dieser Vertrag wurde nicht von uns unterschrieben, deshalb ist er für uns auch nicht bindend, für die anderen Klubs hat DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke unterschrieben“, sagt Westhelle.

Hinzu kommt: „Für die laufende Amtszeit gibt es keinen Gesellschafterbeschluss für die Schiedsrichter, sodass von einem bestehenden Schiedsgericht nicht ausgegangen werden kann“, erklärt Westhelle. Heißt konkret: Johann Fuchs, einer der drei Schiedsrichter, die gestern im Schiedsgericht, in dem ausschließlich Juristen sitzen, über den Fall der Kassel Huskies urteilten, wurde nicht rechtmäßig von den Gesellschaftern auf einer Versammlung gewählt.

Sein Name sei von Tripcke im Protokoll der Versammlung unter dem Punkt "Verschiedenes" vermerkt worden. Für Freitag berief das Schiedsgericht der DEL dann eine mündliche Sitzung ein - obwohl eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes München noch aussteht.

Sechs Stunden verhandelten beide Seiten allein über die Zuständigkeit des Gerichtes. Die Huskies-Anwälte weigerten sich, über den Lizenzentzug zu verhandeln und stellten einen Antrag auf Befangenheit des Schiedsgerichtes. Diesen lehnten die Richter ab und fällten ihr Urteil.

Vor einem ordentlichen Gericht werden die Huskies weiter um ihr Recht kämpfen. Bis zum 2. August hat das OLG der DEL Zeit eingeräumt, auf die Klage der Huskies vom 6. Juli zu reagieren. Tripcke war gestern nicht erreichbar.

Auf der Homepage ließ die Liga verlauten: „Die DEL wird nunmehr unverzüglich die Vollstreckbarkeitserklärung dieses Schiedsspruches beim Oberlandesgericht München beantragen.“

Fakt ist: Die Huskies dürfen in der neuen Saison starten. Die DEL erstellt derzeit den neuen Spielplan. „Sollte Kassel nicht im neuen Spielplan auftauchen, werde ich einen Bestrafungsantrag gegen die DEL stellen“, kündigte Westhelle bereits an. (mis)

Hintergrund: Zwei Schiedsgerichte

• Schiedsgericht der Deutschen Eishockey-Liga: Ausschließlich mit Juristen besetzt. Vorsitzender ist Rechtsanwalt Klaus Schilling (Landshut), der sich im Fall der Huskies mit zwei von vier Beisitzern berät. Zur Verfügung stehen die Rechtsanwälte Blechschmidt (Essen), Dauernheim (Altenstadt bei Hanau) und Falder (München) sowie der einstige Richter am Bundesgerichtshof, Fuchs (Landshut).

• Neutrales Schiedsgericht: Über dessen Bildung wird derzeit zwischen DEL und Huskies verhandelt. Es bestünde aus drei Personen: Je eine bestimmen DEL und Huskies, eine dritte beide gemeinsam. Vorschlag der Huskies: Sie unterwerfen sich diesem Urteil, sofern sie die kommende Saison in der DEL spielen. (mis)

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Quelle: HNA

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