Von Anspannung und Erleichterung

Derby zwischen Huskies und Löwen: „Vielleicht haben sie Handball geguckt“

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Sam Povorozniouk bereitet sich auf das Derby vor.

Unterwegs beim Derby zwischen den Kassel Huskies und den Löwen Frankfurt: Warum in der Kasseler Eishalle auch die Handball-WM eine Rolle spielte.

Der Goldhelm ist schon da. Etwas verlassen wirkt er auf der Bande vor der Spielerbank der Huskies. Betreuer Fränkie Schönewolf hat ihn dort abgestellt während des Aufwärmens. Der Goldhelm hat Schlagzeilen gemacht im Vorfeld dieses hessischen Derbys. Der, der ihn zuletzt getragen hat, ist ja nicht mehr da. Tyler Gron. Suspendiert nach der Pleite am Sonntag.

Es ist eine Personalie, die für Gespräche sorgt. Herbert Heinrich, das Huskies-Urgestein, sagt auf der Tribüne: „Es werden sicher nicht nur die paar dummen Strafen gewesen sein.“ Über Gründe möchte er nicht spekulieren. Lieber spricht er von früher: „Ich habe immer in Kampf-Mannschaften gespielt. Da habe ich gelernt: Zusammenhalt ist alles! Das sehen wir ja gerade auch beim Handball.“

Gron ist auch am Bratwurst-Stand Thema. Er ist der perfekte Ort für Stimmungslagen. Beim Warten auf Brötchen und Wechselgeld fliegen Satzfetzen hin und her. „Noch einer weniger, der mal trifft.“ „Sechs, sieben andere hätten gleich mitgehen können.“ „Heute muss endlich ein Sieg her.“ „Ja, aber wie denn?“ „Ich bin seit zwanzig Jahren hier. So schlimm war es noch nie.“

Im Spielergang ist es still. Nick Walters lehnt an der Wand. Vorgebeugt. Die Arme auf den Knien. Erst als Kapitän Alex Heinrich und Adriano Carciola aus der Kabine kommen, wird es laut. Carciola ruft: „Los geht‘s. Rauf!“ Und Heinrich: „Auf, Boys, heute geben wir alles.“

Und das tun sie. Begünstigt von einem Auftakt nach Maß. Eine frühe Zeitstrafe. Ein frühes Tor. Fans, die plötzlich wieder singen: „Steht auf, wenn Ihr Huskies seid.“ Als Richie Mueller, von den Löwen-Fans mit einem Bart-Simpson-Stinkefinger-Plakat begrüßt, jubelnd auf die Bank zufährt, ist die Erleichterung greifbar. Und sie wird noch größer, als Sam Povorozniouk in der zehnten Minute das 2:0 nachlegt.

Kassel Huskies: Spielplan für die Saison 2018/2019

Und doch, es gibt sie auch, die Gesten des Zusammenhalts. Als Stürmer Tim-Lucca Krüger einen Löwen-Konter abfängt, wird er auf der Bank mit Beifall empfangen. Als Nick Walters hinter dem Tor ein Puckverlust passiert, klopft ihm Team-Manager Manuel Klinge aufmunternd auf die Schulter.

Nachwuchs-Stürmer Lasse Bödefeld steht diesmal nicht auf dem Eis. Stattdessen kommentiert er als Experte im HNA-Radio. Als seine Mannschaft schon 3:0 führt, sagt er: „So ein Umschwung ist nicht wirklich zu erklären. Aber klar ist: Das Derby trägt seinen Teil dazu bei.“

Als der Sieg näher rückt, rufen die Huskies-Fans, von denen am Sonntag nichts zu hören war: „Frankfurt, wir hören nichts.“ Bödefeld spricht von sehr, sehr großer Erleichterung. Und sagt: „Ich bin immer noch optimistisch, dass die Jungs in dieser Saison noch die Kurve kriegen.“ Und Herbert Heinrich? Der mutmaßt ganz trocken: „Vielleicht haben sie ja gestern Handball geguckt.“

Quelle: HNA

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