Generationenteam der Huskies begeistert in der Hessenliga – Henri Blaschke und Shane Tarves im Gespräch

Huskies: „Die Saison ist einfach magisch“

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Schulter an Schulter zum Erfolg: Der jüngste Husky Henri Blaschke (links, 18 Jahre) und der älteste Shane Tarves (56) stehen gemeinsam auf dem Eis.

Kassel. Die DEL ist Geschichte, es lebe die Hessenliga: So lautet das neue Motto des Kasseler Eishockeys. Mit einem einmaligen Generationen-Team um Kasseler Urgesteine wie Shane Tarves (56) und Nachwuchshoffnungen aus dem Junioren-Team wie Henri Blaschke (18) lockt die Mannschaft bei jedem Spiel 5000 Zuschauer in die Eissporthalle.

Beide kannten einander vor Saisonbeginn nicht, Blaschke bewunderte als Junge aber immer Tarves’ Trikot unterm Hallendach. Wir haben mit dem jüngsten und ältesten Husky gesprochen.

Wir würden dieses Gespräch nicht führen, wenn es das Profiteam noch gäbe. Der Rechtsstreit zwischen Huskies und DEL hat den Sommer bestimmt. Wie haben Sie all das erlebt?

Shane Tarves: Ich war nicht dabei, habe es wie viele andere auch nur in der Zeitung verfolgt. Natürlich haben wir mitgefiebert, uns sicher gefühlt. Es war ein Schock, als das Aus so plötzlich kam.

An die Stelle der Profis traten die Amateure. Das 1b-Hessenliga-Team wurde plötzlich zur ersten Mannschaft.

Henri Blaschke: Das kam schon überraschend. Aber ich gehörte zur 1b-Mannschaft und wollte auf jeden Fall in der Hessenliga spielen.

Und Shane Tarves spielt mit 56 Jahren plötzlich noch einmal in einer Eishockey-Liga.

Tarves: Das hätte ich nie gedacht. Mein Leben ist in den vergangenen Monaten ganz schön auf den Kopf gestellt worden. Unser Trainer Milan Mokros hat mich dazu überredet. Es ist ja für einen guten Zweck, wir sitzen alle in einem Boot und haben ein gemeinsames Ziel: den langfristigen Wiederaufbau des Eishockeys in Kassel.

Das soll ein einmaliges Generationenteam richten. Sie beide bilden die Eckpfeiler, könnten sogar Opa und Enkel sein.

Tarves: Uns trennen 38 Jahre. Das ist eine Menge.

Blaschke: Es ist schon lustig. Mein Opa ist 61 Jahre, aber er spielt kein Eishockey.

Jugendliche Schnelligkeit gepaart mit der Erfahrung der Älteren – ist das ein Geheimnis dieses Teams?

Blaschke: Die älteren Semester sind vielleicht nicht mehr die Schnellsten. Aber sie beherrschen alle Tricks immer noch. Sie sind richtig gut mit den Händen und haben einen super Überblick. Und Tore schießen sie ja auch.

Tarves (lacht): Ich aber bin kein Torjäger mehr, sondern eher ein Spielmacher. Mein Instinkt ist mir abhanden gekommen.

Haben Sie aufgrund Ihres Alters besondere Rollen im Team?

Tarves: Ich habe keine besondere Rolle, aber ich versuche, den jungen Spielern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Blaschke: Dafür durfte er als Ältester aber zuerst seine Trikotnummer wählen. Ich musste bis zum Schluss warten. Ich habe auch bestimmte Jobs: Als Jüngster muss ich die Scheiben einsammeln und den CD-Player tragen. Dafür passen die anderen beim Feiern auf mich auf.

Tarves (lacht): Ich darf aber nicht mehr mit feiern gehen. Dafür bin ich zu alt.

Diese Saison in der Hessenliga ist mittlerweile ein Selbstläufer, jedes Spiel eine einzige Party. Wie erklären Sie sich das?

Tarves: Eigentlich ist es nicht normal. Wenn ich wehmütig werde, sage ich: Vielleicht helfen die Oma Liesel, Opa Horst oder Frankie oben im Himmel nach. Fakt ist: Diese Saison ist einfach magisch. Die Leute wollen ehrliches Eishockey sehen. Und es ist ein Familiending. Es sind so viele wieder in der Halle, die 20 Jahre dort nicht waren.

Blaschke: Das sehe auch ich in der Schule. Ich hatte Mitschüler, die hatten keine Ahnung von Eishockey-Regeln. Und plötzlich kennen sie sich aus und fragen mich nach unseren Spielen. Eishockey ist greifbar geworden. Und wir sind einfach eine Spaßmannschaft, die außerdem noch viele Tore schießt.

Tarves: Und dann hat es sich herumgesprochen, wie gut es läuft. So kann es weitergehen.

Blaschke: Aber trotzdem freuen wir uns immer wieder über jeden, der kommt.

Was waren denn bisher Ihre schönsten Momente?

Tarves: Es gibt so viele Momente. Die allgemeine Begeisterung bei Jung und Alt ist ein dauer-schönster Moment.

Blaschke: Großartig sind die Momente, in denen wir aufs Eis kommen und uns in der Halle umschauen. Oder als wir nach dem ersten Spiel gegen Pohlheim auf den Heuboden geklettert sind. Einmal ist auch Milan beim Feiern mitgehüpft. Das vergisst man einfach nicht.

Werden Sie in der Stadt mittlerweile häufiger erkannt?

Tarves (lacht): Nein.

Blaschke: In der Schule ja. Aber vor allem bei sozialen Netzwerken im Internet. Da haben wir alle ziemlich viele Freundschaftsanfragen.

Die Huskies gehen als Spitzenreiter ins Jahr 2011. Ist die Aufstiegsfeier schon geplant?

Tarves: Daran denken wir jetzt nicht. Wir werden am Saisonende aber gemeinsam wegfahren. Das haben wir früher als Profis auch gemacht. Ein Unterschied wird aber sein, dass wir in den Osterferien fahren müssen. Denn viele im Team sind ja noch Schüler.

Zu den Personen

SHANE TARVES (56) ist im kanadischen Calgary geboren. Er kam 1980 aus Essen zum Oberligisten ESG Kassel. Bis 1992 bestritt der Stürmer 517 Punktspiele im Trikot mit der Nummer 3 ( 600 Tore). Der Controller lebt in Espenau mit Ehefrau Christiane, Tochter Sina (16) und Sohn Nick (10).

HENRI BLASCHKE (18) besucht die Jahrgangsstufe 12 des Kasseler Goethegymnasiums und ist stellvertretender Schulsprecher. Der Verteidiger will Medizin studieren, spielt begeistert Schach in der dritten Mannschaft des SK Vellmar und hört in seiner Freizeit gern Nirvana. Er ist ledig.

Quelle: HNA

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