DEL und DEL2 einigen sich

"Bald geht es wieder um was": Auf- und Abstiege im Eishockey wieder ab 2021

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Gute Nachrichten für das deutsche Profi-Eishockey: Ab 2020/21 gibt es wieder Auf- und Abstieg. Im Bild: Husky Jens Meilleur (in Blau) gegen Frankfurts C.J. Stretch. Das Bild entstand in der vergangenen Saison.

Die geschlossene Gesellschaft DEL öffnet wieder ihre Türen. Nach jahrelangen und emotional geführten Debatten werden in der Saison 2020/21 wieder Auf- und Absteiger zwischen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und ihrem Unterhaus, der DEL 2, ermittelt.

Dieser Artikel wurde um 17.50 Uhr aktualisiert - Der Gesellschafter-Beschluss der beiden Ligen wurde am Freitagvormittag veröffentlicht. Die Unterschriften unter die getroffene Vereinbarung stehen noch aus, sollen aber in Kürze erfolgen und gelten nur noch als Formsache. Für die Kassel Huskies, den heimischen DEL2-Klub, bedeutet das: Würden sie im Frühjahr 2021 Zweitliga-Meister, könnten sie in die DEL aufsteigen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was bedeutet diese Einigung?

Zunächst einmal ist das vielleicht schwierigste Problem des deutschen Profi-Eishockeys gelöst. Im Jahr, in dem die Eishockey-Nationalmannschaft mit dem Gewinn der Silbermedaille für die größte Überraschung bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gesorgt hat, lassen nun auch die Funktionäre positive Schlagzeilen folgen. Denn durch Auf- und Abstieg wird der sportliche Wettkampf wiederbelebt. DEL-Aufsichtsratschef Jürgen Arnold erklärt: „Wir erhoffen uns davon natürlich einen wichtigen Impuls für unseren Sport.“ Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, drückte es noch ein wenig plastischer aus: „Dass die berühmte Kuh jetzt vom Eis ist, ist absolut überragend für unseren Sport.“ Die Einigung werde „auch große sportliche und infrastrukturelle Impulse verstärken.“

Wie sieht die Einigung im Detail aus?

„Der Letzte der DEL-Hauptrunde wird absteigen, der Meister der DEL2 wird aufsteigen“, kündigt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke an. Außerdem werde es ein wie in anderen Ligen übliches Lizenzierungsverfahren geben, die zu hinterlegende finanzielle Sicherheit von 816.000 Euro und ein Pflichtenheft von 8000 Punkten rund um Halle und Infrastruktur bleibe bestehen. Aber es müsste nicht mehr auf jeden Fall sechs Bewerber aus der DEL2 geben. „Wir wollten eine gewisse Planbarkeit für jeden. So kann kein Klub sagen, er fühle sich überrumpelt oder sei überrascht“, erklärte Tripcke.

Was sagen die Vertreter der DEL2?

Die Zweitligisten sind nun ihre größte Baustelle los. Entsprechend groß ist die Erleichterung und Freude. Stellvertretend für die Klubs äußerte sich Peter Merten, Aufsichtsratsvorsitzender der DEL2: „Gewinner dieser Vereinbarung ist der Eishockeysport in Deutschland, wie in allen anderen Sportarten wird Auf- und Abstieg auch bei uns für zusätzliche Spannung sorgen.“

Was bedeutet der Beschluss für die Huskies?

Schon bei der Rückkehr in die Zweitklassigkeit hatten die Kasseler den Aufstieg in die DEL als langfristiges Ziel ins Auge gefasst. Nun wird er wieder möglich. „Die Entscheidung ist wichtig für Eishockey in Deutschland, da damit der sportliche Anreiz wieder deutlich wichtiger wird und die Liga für Spieler, Fans und Sponsoren noch attraktiver wird“, betont Huskies-Geschäftsführer Joe Gibbs. Michael Scholtyssek, der Gibbs unterstützt, kündigt an: „Wir werden jetzt alles dafür tun, die sportlichen und strukturellen Voraussetzungen für einen möglichen Aufstieg zu schaffen. Dafür brauchen wir die Unterstützung der ganzen Region – von Fans und Sponsoren gleichermaßen.“

Und was sagen Kasseler Spieler und Fans?

Kassels Rückkehrer Derek Dinger wird von der Nachricht am Vormittag überrascht. „Für den Sport, den Verein, die Fans und die Stadt ist das klasse. Das wird dem Eishockey einen weiteren Schub geben. Und natürlich schiele ich mit einem Auge darauf, in drei Jahren mit meinem Heimatverein noch einmal in der DEL zu spielen.“ Sven Breiter, Fanbeauftragter der Huskies, ergänzt: „Das ist ein Quantensprung fürs Eishockey. Wir haben mit so vielen Rückschlägen zu kämpfen gehabt, jetzt kommt das, was sich jeder sportlich denkende Mensch wünscht. Bald geht es wieder um was. Jetzt müssen alle etwas draus machen.“ (mit sid)

Die DEL: Seit 2006 eine (fast) geschlossene Gesellschaft

Zur Planungssicherheit der finanziell schwächeren DEL-Mannschaften wurde der Auf- und Abstieg nach der Saison 2005/06 abgeschafft – letzter sportlicher Absteiger waren die Huskies 2006. Jeder DEL-Klub erhielt nach Vorbild der nordamerikanischen Profiliga NHL eine Lizenz, die weiterverkauft werden konnte. So oder aufgrund von Insolvenz ergaben sich dennoch einige Wechsel.

  • Aufstockung der DEL von 14 auf 16 Teams: Wolfsburg (2007) und Kassel (2008) steigen auf 
  • 2009: Duisburg insolvent, nur 15 Klubs spielen 
  • 2010: Zweitliga-Meister München rückt nach. Frankfurt und Kassel verlieren wegen Insolvenz ihre Lizenzen. Die DEL wird von 16 auf 14 Teams verkleinert. 
  • 2013: Zweitligist Schwenningen übernimmt die DEL-Lizenz der Hannover Scorpions 
  • 2016: Zweitligist Bremerhaven ersetzt die Hamburg Freezers nach dem Rückzug der Anschutz-Gruppe (sam/mis)

Quelle: HNA

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