Eishockey: DEB-Präsident Harnos im Interview - „Brauchen mittelfristig Zwölfer-Ligen“

Uwe Harnos

Kaum ein Tag vergeht derzeit, ohne dass nicht über die Krise in der Deutschen Eishockey-Liga berichtet wird. Über den Fall der Kassel Huskies und die Zukunft des Deutschen Eishockey-Bundes sprachen wir mit Uwe Harnos, dem Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes.

Herr Harnos, im Eishockey dominieren derzeit die Negativschlagzeilen. Wie oft haben Sie einfach mal der Hand auf den Tisch schlagen wollen?

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Uwe Harnos: Man muss zwei Dinge trennen. Es gibt die Weltmeisterschaft und die positiven Schlagzeilen. Dazu die Kehrseite der Medaille, mit dem, was in Kassel, Frankfurt und Hannover passiert ist. Diese Geschichten sind unschön und nicht förderlich, aber von der DEL insgesamt auch nicht zu vermeiden.

Bleiben wir beim Thema Kassel. Wie erleben Sie den Streit zwischen Huskies und DEL?

Harnos: Da wird mit harten Bandagen gekämpft. Die DEL versucht, ihre eigenen Statuten umzusetzen. Deshalb halte ich das Vorgehen der DEL gegenüber Kassel für 100 Prozent richtig. Es ist schädlich für den Sport, wenn sich ein Klub, der mehr Geld ausgibt als er einnimmt, und sich insoweit Wettbewerbsvorteile verschafft, auf Kosten Dritter saniert. So müssen zum Beispiel alle Vereine, die an die Verwaltungsberufsgenossenschaft Beiträge leisten, die fehlenden Beiträge der Huskies zukünftig mit höheren Beiträgen an die VBG auffangen. Wenn das Momentum Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung Schule macht, dann hat das Folgen für den gesamten deutschen Ligen-Spielbetrieb.

Hätte es eine andere Lösung geben können?

Harnos: In der zweiten Liga etwa ist festgelegt, dass ein Klub im Falle einer Insolvenz eine Liga tiefer spielen muss. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, wenn Kassel in die zweite Liga hätte zwangsversetzt werden können. Wobei ich auch nicht verstehe, warum die Huskies sich nicht einmal um eine Aufnahme beworben haben.

Aber Kassel ist mit seinen finanziellen Problemen nicht allein. Viele DEL-Vereine hängen von einem Geldgeber ab.

Harnos: Natürlich muss man sich Gedanken machen, ob es richtig ist, dass Privatleute in solch großem Umfang ihr Geld in Vereine hineingeben. Grundsätzlich sollte ein Klub nur soviel Geld ausgeben, wie er auch einnimmt. Das ist der Punkt, an dem man ansetzen müsste. Aber Lösungen können wir nur gemeinsam mit der DEL erarbeiten. Wir müssen an einem Strang ziehen.

Das wäre notwendig. Denn die WM-Euphorie ist ja schon fast vergessen.

Harnos: Aus meiner Sicht ist die Euphorie nach wie vor vorhanden. Das Eishockey in Deutschland steht nicht auf so kranken Füßen, wie es die momentane negative Berichterstattung zu Kassel, Hannover und Frankfurt suggeriert. Natürlich kann man die DEL-Geschehnisse nicht schönreden. Aber: Die Zusammenarbeit zwischen DEB und DEL ist nicht so schlecht, wie es häufig beschrieben wird. Auch die DEL und ihre Klubs haben zur erfolgreichen WM beigetragen. Möglicherweise wurde es von DEB und DEL in der letzten Zeit versäumt, dies nachhaltig öffentlich darzustellen. Ein regelmäßiger Austausch findet statt, wir müssen aber trotzdem weiter zusammenrücken und das auch gemeinsam nach außen dokumentieren.

Müsste dazu die Führung der DEL eine andere sein? Gernot Tripcke und Jürgen Arnold haben zuletzt unglücklich agiert.

Harnos: Sie haben gerade sicherlich einen schweren Job. Aber ich maße mir nicht an, darüber zu urteilen, ob sie gehen sollten. Das ist eine Entscheidung, die innerhalb der DEL zu treffen ist. Und im übrigen hat die DEL den Aufsichtsrat gerade bestätigt.

Wie können Sie denn die momentane Situation verbessern?

Harnos: Das Produkt Eishockey muss besser vermarktet werden. Das geht nur über Erfolg. Die WM hat positive Schlagzeilen in allen Medien geschrieben, weil unsere Mannschaft erfolgreich war. Grundsätzlich müssen wir mehr Geld in den eigenen Nachwuchs investieren. Davon profitieren Liga und Nationalmannschaft. Kurzfristig müssen wir uns darum bemühen, wieder ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zu kommen und die während der WM gegebene positive Präsenz im frei empfangbaren Fernsehen – Sport 1 – ausbauen. In Kürze werden wir deshalb die Eigner der DEL-Klubs und der zweiten Liga nach München einladen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und einen neuen Kooperationsvertrag auszuhandeln.

Geht’s dann auch um Auf- und Abstieg?

Harnos: Ja. Wir sind überzeugt davon, dass er in die sportliche Landschaft gehört. Aber wir müssen sicherstellen, dass Auf- und Absteiger in den anderen Ligen auch wirtschaflich überlebensfähig sind und sich nicht so verausgaben, dass sie von der Bildfläche verschwinden.

Sollte es denn bei 15 DEL-Klubs bleiben?

Harnos: Es muss über die Ligenstärke nachgedacht und mittelfristig am besten Zwölferligen etabliert werden. Dadurch könnten dann auch die Spielpläne entschlackt werden. Aber das geht nicht von heute auf morgen.

Das klingt nach Gesundschrumpfung, die besonders von den großen Klubs gefordert wird.

Harnos: Darüber werden wir sprechen. Und darüber, wie man das gegebenenfalls umsetzen kann. Wen trifft es möglicherweise? Da müssen wir einen Weg finden.

Warum kehrt die DEL nicht einfach zurück unter das Dach des DEB?

Harnos: Natürlich wäre es schön, wenn wir alles wieder vereinen würden. Es ist jedoch eher ein leuchtender Stern am Himmel, eine Vision, die aber im Moment nicht greifbar ist.

Von Michaela Streuff

Quelle: HNA

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