"Kleiner Hype entstanden"

Ex-Kasseler Mario Pokar spielt jetzt für F91 Düdelingen

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Auf der großen Fußball-Bühne: Der frühere Kasseler Mario Pokar (gelbes Trikot) beim Spiel der Europa League in Sevilla.

Kassel. Der Außenseiter verkauft sich teuer. Zwar verlor der luxemburgische Fußball-Erstligist F91 Düdelingen bislang seine beiden Partien in der Europa League, hielt aber sowohl beim 0:1 gegen AC Mailand als auch beim 0:3 bei Betis Sevilla mit.

Heute erwartet der kleine Klub, der sich als erster Luxemburger Vertreter überhaupt für eine Gruppenphase qualifizierte, ab 18.55 Uhr Olympiakos Piräus (Dazn) im Stadion in Luxemburg. Wir haben mit Düdelingens Mittelfeldspieler Mario Pokar, früher unter anderem beim KSV Hessen Kassel, über das Fußball-Märchen gesprochen.

AC Mailand, Betis Sevilla und nun Olympiakos Piräus – wie oft haben Sie sich zuletzt selbst zwicken müssen?

Mario Pokar: Schon das eine oder andere Mal. Wir hatten schon gemeinsam die Auslosung verfolgt, und nun haben wir praktisch die interessanteste Gruppe erwischt. Wir sind super-glücklich über diese attraktiven Gegner.

Inwiefern lebt Düdelingen gerade seinen Traum?

Pokar: Das ist schon der Wahnsinn, dass wir dies geschafft haben. Allerdings war dieser Erfolg auch kein Zufall. Wir haben von acht Quali-Partien nur eine verloren.

Was hat sich für den Klub seit der Qualifikation für die Europa League verändert?

Pokar: Hier ist schon ein kleiner Hype ausgebrochen. Die Menschen haben unsere positive Entwicklung registriert. Wir haben jetzt so etwas wie Fankultur, es hat sich sogar ein Fanklub gegründet. Mittlerweile wird man schon mal an der Tankstelle angesprochen, wenn man dort im Ausgeh-Anzug ankommt. Viele Fußball-Fans, auch aus anderen Ländern, kaufen Trikots von uns.

Zeigt sich dies auch in den Zuschauerzahlen?

Pokar: In der Liga kommen im Regelfall 800 bis 900 Besucher, bei Topspielen zum Ende der Saison hin werden es auch schon mal 3000 bis 4000 Fans. Für die Europa League müssen wir in die Hauptstadt Luxemburg ausweichen, da finden 8000 Zuschauer Platz. Alle Spielen waren innerhalb einiger Stunden ausverkauft.

Wie viel Qualität steckt im luxemburgischen Fußball?

Pokar: Wir sind das Nonplusultra. Unsere Mannschaft hat gutes Drittliga-Niveau, wir hätten wahrscheinlich auch in der 2. Bundesliga Chancen. Ansonsten würden die Teams in Deutschland in der Regionalliga spielen.

Düdelingen hat klangvolle Namen im Team. Der Trainer heißt Toppmöller und ein Mitspieler Ibrahimovic.

Pokar: (lacht) Wir haben schon eine sehr gute Mannschaft. Dino Toppmöller kennen die Leute natürlich durch seinen Vater Klaus. Marc-Andre Kruska war in Dortmund, Levan Kenia auf Schalke. Dazu kommt Milan Bisevac, der war bei Olympique Lyon und Paris Saint-Germain. Zudem haben die Luxemburger Spieler wie Stürmer Dave Turpel in der Mannschaft ihre Klasse.

Was hat Sie bewogen, 2016 nach Düdelingen zu wechseln?

Pokar: Damals war ich beim 1. FC Kaiserslautern. Ich gehörte zwar zum Profikader, habe aber nur ein Zweitliga-Spiel gemacht. Der Durchbruch hat nicht geklappt, es herrschte so etwas wie Stillstand. Dann hat bei mir Dino Toppmöller nachgefragt.

Und Sie haben direkt zugesagt?

Pokar: Bei einem französischen Trainer hätte ich diesen Schritt vielleicht nicht gemacht. Kaiserslautern ist für mich so etwas wie eine zweite Heimat geworden. Meine Freundin stammt von dort. Und da es von Düdelingen aber bis dorthin nur eineinhalb bis zwei Autostunden sind, passt es ganz gut für mich.

Wie bewerten Sie die bisherigen Leistungen von Düdelingen im Europapokal?

Pokar: Wir sind immer der Underdog, und dafür haben wir uns in den beiden Partien gegen Mailand und Sevilla ganz gut geschlagen. Allerdings muss man auch sagen, dass die Gegner schon große Qualität haben und hohes Tempo gehen können.

Welche Ziele haben Sie mit Düdelingen noch für diesen Wettbewerb?

Pokar: Jetzt geht es gegen Piräus, das ist die vermeintlich schwächste Mannschaft. Wir haben gezeigt, dass wir kein Kanonenfutter sind, leider haben wir uns noch nicht belohnt. In der Qualifikation haben uns die Kontrahenten durchaus mal unterschätzt. In der Gruppenphase gehen die Gegner die Partien seriöser an. Klar ist aber auch: Wir wollen die Runde nicht mit null Toren und null Punkten beenden.

Mario Pokar

Mario Pokar (28 Jahre) stammt aus dem hessischen Usingen, lebt aber in Saarbrücken. In der Saison 2010/11 spielte der Mittelfeldakteur Pokar für den KSV Hessen Kassel – zu dem einen oder anderen Kollegen aus der damaligen Zeit hat er noch Kontakt: Florian Heussner, Mentor Latifi und Andreas „Bobo“ Mayer. Über die Reserve von Eintracht Frankfurt und den 1. FC Kaiserslautern kam Pokar 2016 zum luxemburgischen Erstligisten F91 Düdelingen. Er ist Vollprofi, hat aber nebenbei bereits ein Fernstudium zum Sportfachwirt erfolgreich abgeschlossen. Der gebürtige Hesse ist in festen Händen.

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