THW-Coach Gislason ist ein ruhiger Trainer, der den richtigen Ton findet - Morgen bei MT zu Gast

THW Kiel: Festplatten voller Ideen

Blick für die Details: Der Kieler Trainer Alfred Gislason ist ein ausgewiesener Handball-Fachmann. Foto: dpa

Kiel/Kassel. Der typische Isländer ist optimistisch, kämpferisch und besitzt eine große Portion schwarzen Humors. Sagt Alfred Gislason. Und welche Charakterzüge davon passen auch zu ihm? „Alle!“, erklärt der Bundesliga-Erfolgstrainer des Spitzenklubs THW Kiel. Kurz und knapp, wie das nun einmal der Stil des Handball-Lehrers von der Insel im Nordatlantik ist.

Für eine Auszeit während eines Spiels braucht Gislason eigentlich keine 60 Sekunden. Weil er in wenigen Sätzen das ausdrücken kann, was seine Schützlinge wissen müssen. Davon können sich die Zuschauer auch am Dienstag überzeugen, wenn er ab 19 Uhr mit dem THW in der Kasseler Rothenbach-Halle bei der MT Melsungen zu Gast ist. Ob 2005 mit dem SC Magdeburg, später mit dem VfL Gummersbach oder zuletzt eben mit den Kielern – immer ging der Isländer aus den Duellen mit der MT als Sieger hervor.

Was den früheren Melsunger Coach Robert Hedin sogar zu der Feststellung trieb, dass „Gislason im gesamten Spiel praktisch keinen Fehler macht“. Wenn so wie vor einer Woche bei der ersten Saisonniederlage (23:26) in Berlin sein Angriff nicht effektiv genug war, dann ist allerdings auch er machtlos. An Ideen mangelt es dem 51-Jährigen jedenfalls nicht. Allein für das, was er an Spielszenen in seiner bisherigen Trainer-Karriere gesammelt hat, braucht er mehrere externe Festplatten. Nicht zu vergessen die Erinnerungen aus seiner eigenen aktiven Zeit, als er unter anderem für Tusem Essen (von 1983 bis 1988) mehr als 500 Tore aus dem Rückraum und vom Siebenmeterpunkt warf.

Die Video-Analyse erledigt Gislason immer noch selbst. Dass dafür vier bis sechs Stunden pro Tag draufgehen, versteht sich von selbst. So oft, wie der THW durch Meisterschaft, Pokal und Königsklasse im Einsatz ist.

Noch härter als Serdarusic

Es heißt, die Trainingsintensität bei Gislason sei noch höher als bei seinem Vorgänger Noka Serdarusic, und der galt schon als harter Hund. An dessen Erfolge knüpft der Nordeuropäer nahtlos an. Vom Beginn einer neuen Ära will Gislason (Vertrag bis 2014) nichts wissen. Sein vorrangiges Ziel ist die Weiterentwicklung des Teams. Bei ihm ist die Mannschaft der Star.

Erst durch akribische Arbeit kann Gislason die Ruhe auf sein Team übertragen, die es benötigt, um nicht (oft) auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Wenn die Partie erst einmal läuft, verfolgt er das Geschehen so, als würde er jede Spielentwicklung für zukünftige Aufgaben abspeichern. Typisch für ihn, dass er dabei die Arme vorm Körper verschränkt oder die Finger in die Hosentaschen vergräbt.

Zeichen der Anspannung, die praktisch erst in den eigenen vier Wänden von ihm abfällt. Dort, wo Frau Kara, die Söhne Elfar und Andri sowie Tochter Adelheid warten. Wenn er abschalten will, steigt er für einige Stunden aufs Rad. Oder geht zum Angeln. Was bei einem Isländer nicht überrascht, wo doch das Land zu einem großen Teil vom Fischfang lebt. Gislason betont, dass er Nord-Isländer ist. Die seien in ihrem Auftreten noch ruhiger als die Menschen aus dem südlichen Teil.

Von Björn Mahr

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare