Trainer der Bulldogs Königsborn über den Oberligamodus

Interview mit Trainer Gentges: „Wir spielen 20 Spiele für nichts“

Musste in Königsborn das Verlieren lernen: Bulldogs-Trainer Frank Gentges. Foto: Schachtschneider/Archiv

Kassel. Nach dem Spiel gegen Herne tritt Eishockey-Oberligist Kassel Huskies am Sonntag (18.30 Uhr) in Unna bei den Königsborner Bulldogs an. Wir sprachen mit Unnas Trainer Frank Gentges, der den jetzigen Oberliga-Modus offen kritisiert.

Herr Gentges, am Sonntag geht es wieder einmal gegen die Kassel Huskies. Wie motivieren Sie ihr Team überhaupt noch für diese Spiele?

Gentges: Ich kann nur auf den guten Charakter hoffen. Eigentlich bin ich momentan mehr Psychologe als Trainer. Ich kann ja hier keinen Spieler bestrafen für eine schlechte Leistung. Ich kann weder das Gehalt kürzen, noch einen auf die Tribüne setzen. Stattdessen muss ich gute Laune verbreiten. Wir können uns gegen solche Gegner eigentlich nur hinten reinstellen.

Sie haben große personelle Sorgen. Wieviele fitte Spieler haben Sie überhaupt noch?

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Kassel Huskies gegen Herne

Frank Gentges: Wahrscheinlich stehen mir 13 Spieler zur Verfügung. Gegen Hamm am Dienstag hatte ich nur einen Verteidiger im Kader. Wir sind ja auch nur mit 17 Spielern in die Saison gestartet und können finanziell nicht mehr nachbessern. Mit dem Etat, den Kassel hat, könnten wir hier für insgesamt vier Jahre ein Oberligateam stellen.

Wer von den beiden steigt auf – Kassel oder Frankfurt?

Gentges: Ich hoffe beide. Dann hätten wir in der nächsten Saison zumindest einen annähernd gleichen Wettbewerb. In der Spitze hat Kassel die beste Mannschaft der Oberligen, Frankfurt verfügt über die bessere Quantität. Hannover wird Kassel keine Probleme bereiten, die haben nur einen starken Block. Die große Unbekannte ist Duisburg, das wird ein enges Ding. Zumal in der Olympia-Pause viele DEL-Förderlizenzler für Duisburg spielen können.

Welchen Spieler hätten Sie gern von den Huskies in Ihrem Team?

Gentges: Jeden. Wir haben hier ja noch acht, neun Lizenzen frei. Kassel hat einige starke Spieler. Snetsinger kann den Unterschied im Spiel machen. Pohanka ist der beste defensive Stürmer der Liga und Valenti der beste Verteidiger.

Sie haben bislang 33 Saisonspiele absolviert. Ist das nicht zu viel für Spieler, die arbeiten gehen müssen?

Gentges: Bei uns arbeiten alle Spieler acht Stunden lang bei einem Versandhändler, schleppen den ganzen Tag Pakete und kommen abends zum Training. Kürzlich ist einer von meinen Spielern zweimal beim Training eingeschlafen - das sagt doch alles.

Was wäre ein vernünftiger Modus für die Oberligen?

Gentges: Wir spielen jetzt in der Endrunde 20 Spiele für nichts, denn für die nächste Runde sind wir eh qualifiziert. Ich frage mich, wie man so einen Modus erfinden kann. Für die anderen Oberligisten war die Saison am 15. Dezember praktisch zu Ende. Vermutlich will der Verband möglichst viele Zuschauerabgaben aus Kassel und Frankfurt herausziehen. Das geht aber nicht auf, da auch dort die Zuschauerzahlen rückgängig sind.

Und nächste Saison wird alles besser?

Gentges: Das hoffe ich. Ich frage mich allerdings, ob sich überhaupt zehn Mannschaften finden, die in der Oberliga antreten können. Neben uns pfeifen ja auch Herne und Hamm aus dem letzten Loch.

Was haben Sie sich für die Oberliga-Endrunde mit den Teams aus Nord und Ost denn vorgenommen?

Gentges: Nur das Überleben zählt. Vielleicht ist auch ein Sieg drin, mehr aber auch nicht. Wir haben einen Spieleretat von 100 000 Euro. Das wäre so, als ob beim Fußball bei einer Mannschaft nur acht Spieler auf dem Feld stehen.

Als Trainer waren Sie zuletzt in Frankfurt tätig, bevor sie nach Unna kamen. Was war die größte Umstellung?

Gentges: In Frankfurt herrschen professionelle Bedingungen. Es ist ein Paradies für jeden Trainer. Das ist eine ganz andere Dimension. Das lässt sich nicht vergleichen.

Sie haben vor der Saison gesagt, die Zuschauerzahlen müssen steigen. Sind Sie mit dem aktuellen Schnitt zufrieden?

Gentges: Wir haben unseren Schnitt um 105 Prozent auf jetzt 300 Zuschauer gesteigert. Doch davon können wir gerade mal die Schiedsrichter und den Bus für das nächste Auswärtsspiel bezahlen.

Wie sieht Ihre Zukunft bei den Bulldogs aus?

Gentges: Ich habe hier für drei Jahre unterschrieben und will auch hier weiterarbeiten. Es hängt allerdings auch davon ab, ob wir neue Sponsoren ins Boot holen können.

Von Daniel Schneider

Quelle: HNA

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