Erste Tests auf dem Rollfeld

Ein Turnier in Coronazeiten: Handball-WM beginnt heute mit einigen Sorgen

Am Fuße der Gangway wird bei Bundestrainer Alfred Gislason (rechts) die Temperatur gemessen.
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Ankunft in Kairo: Am Fuße der Gangway wird bei Bundestrainer Alfred Gislason (rechts) die Temperatur gemessen.

Heute beginnt die Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten. Schon vor dem Start gibt es erhebliche Corona-Probleme. Die Tschechen haben sogar kurzfristig ihren Verzicht erklärt. Dafür rückt Nordmazedonien nach.

Kassel - Seit gestern Nachmittag sind die deutschen Handballer in Ägypten. Kurz vor 15 Uhr (Ortszeit) landete die Chartermaschine mit der Flugnummer EW5214 in Kairo. Bevor sich der 20-köpfige Kader von Bundestrainer Alfred Gislason aber überhaupt auf den Weg in Richtung Hotel machen durfte, wurde der DHB-Tross noch auf dem Rollfeld auf das Coronavirus getestet. Die erste von mehreren Testungen, bevor das Team am Freitag ab 18 Uhr (ARD) in Madinat as-Sadis min Uktubar gegen Uruguay ins Weltmeisterschafts-Turnier starten kann.

Nur wer mehrere negative Testergebnisse vorweisen kann, darf überhaupt in die WM-Blase – auch bekannt als rote Zone. Das ist Teil des Hygienekonzepts, das der Weltverband IHF für das Turnier am Nil entwickelt hat – immer auch in Absprache mit den teilnehmenden Nationen. „Wir werden sehr gut gehört“, hatte Axel Kromer, der Sportvorstand im Deutschen Handballbund (DHB), jüngst betont.

Seit Monaten schlägt dem Veranstalter allerdings eine gewisse Skepsis entgegen – insbesondere aus der deutschen Bundesliga. Von 640 Spielern bei dem erstmals mit 32 Mannschaften ausgetragenen Turnier kommen mehr als 100 Profis aus dieser Liga. Sollten sich einige davon bei der WM im XXL-Format infizieren, hätte das gravierende Auswirkungen auf den Spielbetrieb, der Anfang Februar fortgesetzt werden soll. Bereits eine Woche nach dem Finale am 31. Januar in Kairo stehen schon wieder Punktspiele auf dem Programm.

Insbesondere die MT Melsungen kann keine weiteren Hiobsbotschaften mehr gebrauchen. Der Klub, der mit Tobias Reichmann, Timo Kastening, Julius Kühn, Kai Häfner und Silvio Heinevetter ein Viertel des deutschen Teams stellt, ist coronagebeutelt schon jetzt mit sechs Spielen in Rückstand. „Es ist erst mal positiv, wenn man so viele Nationalspieler im Kader hat. Denn das spricht für die Qualität einer Mannschaft“, betont Axel Geerken. Der MT-Manager erklärt aber auch vielsagend: „Es war nicht mein allergrößter Wunsch, dass unsere Spieler nach Ägypten reisen.“

Dass die IHF mit dem ägyptischen Präsidenten Hassan Moustafa am Sonntag dem Wunsch europäischer Handball-Stars entsprochen hat, keine Zuschauer in die Arenen zu lassen, kann den Klubchefs die grundsätzlichen Bedenken nicht nehmen.

Erst Recht nicht, nachdem gestern auch noch bekannt wurde, dass sich 18 Spieler im US-Team mit Covid-19 infiziert haben. Positiv getestet wurde ebenfalls der US-Coach Robert Hedin (früher Melsungen). Die Tschechen mit ihren Trainern Daniel Kubes und Jan Filip erklärten gestern Abend wegen zu vieler Coronafälle sogar ihren WM-Verzicht. Dafür rückt Nordmazedonien nach.

Die verbliebenen US-Boys wollen nun trotzdem heute in kleiner Besetzung vom dänischen Billund nach Kairo fliegen. In Dänemark hatte sich die Mannschaft seit mehr als einer Woche vorbereitet. „Wir sind hier in einem Sportzentrum praktisch isoliert“, hatte der Schwede Hedin im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt, bevor die Coronafälle auftraten.

Genauso wie die deutsche WM-Delegation und alle anderen Teams der Vorrundengruppen A und E werden auch die US-Amerikaner im Luxushotel Mena House am Fuße der Pyramiden von Gizeh untergebracht. Der DHB-Auswahl steht ein komplettes Erdgeschoss zur Verfügung. „Das ist eine riesige Hotelanlage, in der man nicht wie die Heringe aufeinander kleben wird“, sagte Kromer. In einigen Zimmern haben die Spieler von ihren Terrassen einen fantastischen Blick auf die Jahrtausende alten Bauwerke. Die angeschlossenen Poolanlagen wird die Mannschaft aus Vorsicht nicht nutzen.

Wie alle anderen teilnehmenden Nationen erhielt auch der DHB vom Organisationskomitee das Angebot, dass für ihn ein Kulturprogramm arrangiert wird – zum Beispiel mit Besuch der Pyramiden. Dafür würde laut Kromer „die Bubble phasenweit erweitert“. Der deutsche Verband hat sich aber (erst einmal) dagegen entschieden.

Der Veranstalter stellt seit Tagen Videos von der Ankunft der verschiedenen Mannschaften auf seinen diversen Kanälen ins Netz. Es werden Bilder gezeigt, wie bei den WM-Teilnehmern Abstriche für die PCR-Tests genommen werden oder wie bei den Spielern Fieber gemessen wird. Wie sicher es in der Blase wirklich ist, muss sich aber erst noch zeigen. (Björn Mahr)

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