Ein Sieg und Rummel um den Kapitän

Handballer verpassen trotz 31:24 das WM-Viertelfinale – heute gegen Polen

Der deutsche Kapitän Uwe Gensheimer (dunkles Trikot) überwindet Torwart Guilherme Silva.
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Der Ball schlägt im brasilianischen Tor ein: Deutschlands Uwe Gensheimer (dunkles Trikot) überwindet Torwart Guilherme Silva.

Eigentlich hätte es ein Endspiel um den Einzug ins WM-Viertelfinale werden sollen. Jetzt hat die letzte Hauptrundenpartie heute ab 20.30 Uhr (ARD) zwischen der deutschen und der polnischen Handball-Nationalmannschaft aber eher freundschaftlichen Charakter.

Kassel - Eigentlich hätte es ein Endspiel um den Einzug ins WM-Viertelfinale werden sollen. Jetzt hat die letzte Hauptrundenpartie heute ab 20.30 Uhr (ARD) zwischen der deutschen und der polnischen Handball-Nationalmannschaft aber eher freundschaftlichen Charakter. Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) gewann zwar nach zwei Niederlagen zuvor nun am Samstag 31:24 gegen Brasilien, auf Schützenhilfe wartete der Olympiadritte von Rio aber vergeblich. Die Polen unterlagen Ungarn 26:30 – damit besteht für das Team von Bundestrainer Alfred Gislason keine Chance mehr auf das Erreichen des Viertelfinales.

Nach dem Erfolg gab es dennoch viel Gesprächsstoff. Die wichtigsten Themen:

Gensheimers Rolle: Nein, das Turnier von Uwe Gensheimer wird es nicht. Der Kapitän setzte auf demFeld bislang nicht die erhofften Akzente – auch wenn er gegen Brasilien nicht enttäuschte. Als er im ZDF auf seine Leistungen angesprochen wurde, erklärte der Linksaußen: „Ich weiß nicht, ob das der Vereinszugehörigkeit geschuldet ist. Missgunst und Neid sind manchmal schon ein bisschen da, habe ich das Gefühl.“

Am Sonntagnachmittag sah sich der DHB berufen, noch einmal Stellung zu beziehen. Darin distanziert sich der Linksaußen vom Interview am Vorabend: „Ich habe mich nie negativ über Spieler und Trainer geäußert und werde dies auch nicht tun. Wer mir Böses unterstellt, irrt. Die ständige externe Kritik empfinde ich als respektlos und mangelnde Wertschätzung.“ Auch Sportvorstand Axel Kromer äußert sich zu Gensheimer: „Wir erleben ihn als hervorragenden Kapitän unserer Nationalmannschaft. Andere Einschätzungen bewirken auch bei seinen Mitspielern ausschließlich Kopfschütteln.“

Deutsche Leistung: Als sich die deutsche Mannschaft in der Halle am Spielort mit dem NAmen Neue Hauptstadt Ägyptens aufwärmte, wusste sie schon, dass sie die Mini-Hoffnung auf das Viertelfinale begraben muss. „Wir haben eine gute Antwort gegeben“, lobte DHB-Vizepräsident Bob Hanning bei der virtuellen Pressekonferenz am Sonntag. Das 0:1 durch den früheren Kieler Kreisläufer Rogerio Moraes blieb der einzige Rückstand im gesamten Spiel.

In der neunten Minute erzielte Julius Kühn bereits das 7:2. Und während der verbleibenden Spielzeit ließ die DHB-Auswahl nichts anbrennen. „Unsere Einstellung war sehr gut“, stellte Gislason erfreut fest. Dabei war er nicht nur mit der Offensive, sondern auch mit der Defensive zufrieden.

Wechsel im Tor: Die Rolle der Torwarte ist auch ein Dauerthema. Bei den Niederlagen gegen Ungarn und Spanien hatte Andreas Wolff im Kasten begonnen – und wurde wegen eher durchschnittlicher Darbietungen jeweils durch den 38-jährigen Johannes Bitter abgelöst. Diesmal nominierte Gislason neben dem Torwart-Oldie vom TVB Stuttgart noch den Melsunger Silvio Heinevetter – Wolff bekam dafür nur die Zuschauerrolle.

Bitter war nun ein hervorragender Rückhalt. Aber auch Heinevetter hatte nach seiner Einwechselung in der Schlussphase noch gute Szene. Dennoch ist davon auszugehen, dass Wolff heute im Kader steht. Denn er kennt den Gegner besser als seine beiden Kollegen. Er steht bei Kielce unter Vertrag – bei einem polnischen Verein also.

Der Mann des Spiels: Voller Einsatz am eigenen und am gegnerischen Kreis – das traf am Samstag auf Johannes Golla zu tun. Der Flensburger wurde zurecht zum Mann des Spiels gekürt. Er profitierte im Angriff nicht selten von den Anspielen des Melsungers Kai Häfner.

Hanning kann dadurch im Nachhinein dem WM-Verzicht einiger arrivierte Kräfte etwas Positives abgewinnen: „Johannes hätte sich nicht so gut entwickelt, wenn Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek dabei gewesen wären.“ Golla ist schon jetzt eine wichtige Option für die Olympia-Quali im März in Berlin, wenn es gegen Schweden, Slowenien und Algerien um zwei Plätze für die Sommerspiele in Tokio geht. (Björn Mahr)

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