Niederlage im Hessenpokal-Finale

Der Traum ist zerplatzt: KSV Hessen verliert 0:2 gegen Steinbach

Kassel. Noch einmal wollte der KSV Hessen Kassel alle Kräfte bündeln, um ein großes Ziel zu erreichen: den Einzug in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals. Das gelang am Montag nicht.

0:2 unterlagen die Löwen dem TSV im Finale des Hessenpokals vor 3300 Zuschauern in Stadtallendorf. Zur Pause hatte es noch 0:0 gestanden.

700 KSV-Fans im Sonderzug, fast 1500 Löwen-Anhänger im Herrenwald-Stadion in Stadtallendorf – das Hessenpokalfinale zwischen den Regionalliga-Klassenkameraden KSV Hessen Kassel und TSV Steinbach war schon vor dem Anpfiff ein großes Fest, das die mitgereisten Zuschauer aus Kassel zu einem echten Heimspiel für ihr Team werden ließen. Doch was dann um 18.52 Uhr folgte, waren Enttäuschung, Frust und Ernüchterung. Mit 0:2 verlor der KSV das Endspiel und verpasste damit den Einzug in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals.

„Wir haben ein Endspiel verloren, das ist absolut enttäuschend, aber auch verdient“, bilanzierte Trainer Tobias Cramer später. „Die Steinbacher waren giftiger in den Zweikämpfen.“ Und der Coach grübelte im Stile von Bayern-Boss Uli Hoeneß: „Ich weiß nicht woran es liegt, dass wir in den entscheidenden Spielen nie 100 Prozent auf allen Positionen auf den Platz bringen.“

Seine Löwen hatten vor insgesamt 3300 Zuschauern schon nervös begonnen. Sehr nervös. Bälle versprangen in der Abwehr, die Innenverteidiger verschätzten sich ein ums andere Mal, und auch der Gegenwind machte der offiziellen Gastmannschaft ordentlich zu schaffen. So sorgte ein Fehler von Lucas Albrecht in der dritten Minute für die erste Chance der Steinbacher, doch Toptorschütze Fatih Candan drosch den Ball weit über das KSV-Gehäuse. Wenig später hatte Nicola Trkulja die Führung des TSV auf dem Fuß, doch er verpasste eine Candan-Hereingabe am langen Pfosten.

Erst nach einer Viertelstunde wirkten die Löwen konzentrierter. Die Abstimmung passte endlich, erste Kombinationen funktionierten. Sergej Schmik stand in der 18. Minute noch im Abseits, ein Freistoß von Adrian Bravo Sanchez ging deutlich drüber (21.). Die erste richtig dicke Möglichkeit hatte dann Marco Dawid, der von Schmik mustergültig bedient wurde und mit einem platzierten Schuss in die kurze Ecke an Steinbachs Torwart Frederic Löhe scheiterte (29.).

In einer insgesamt ausgeglichenen ersten Halbzeit verbuchte das Steinbacher Team des einstigen Ex-KSV-Trainer Matthias Mink die letzte Chance, die Dino Bisanovic vergab. Er schoss völlig frei stehend aus zentraler Position in die Arme von KSV-Torwart Niklas Hartmann (40.). Bitter für die Löwen: Tim Philipp Brandner verletzte sich kurz vor der Pause und musste durch Steven Rakk ersetzt werden.

Nachdem in der zweiten Halbzeit eine Viertelstunde lang kaum etwas passierte, wurde der KSV dann kalt erwischt. Florian Heister hatte freie Bahn über die linke Seite, flankte flach nach innen, und Sascha Marquet schoss den Ball trocken in die lange Ecke – 1:0 für Steinbach nach einer Stunde Spielzeit.

Richtig bitter wurde es dann in der 74. Minute. Niklas Hartmann leistete sich einen folgenschweren Fehlpass, indem er den Ball dem Steinbacher Candan genau in die Füße spielte. Der brauchte nur noch aufs Tor zu gehen und zum 2:0 einzuschieben – die Vorentscheidung. Der KSV riskierte noch einmal alles, lief zwangsläufig in Konter, die im letzten Moment aber noch entschärft wurden. Am Ende arbeiteten sich die Löwen aber auch zu wenige Torchancen heraus, sodass der Traum vom Einzug in den DFB-Pokal zerplatzte.

Am Ende einer Rückrunde „mit vielen guten Leistungen“, wie Tobi Cramer befand. „Und ein Endspiel erreichen wird auch nicht alle Jahre.“

KSV Hessen Kassel verliert Pokalfinale gegen Steinbach

Statistik: So hat der KSV Hessen Kassel gespielt

Kassel: Hartmann - Schmik, Albrecht, Mimbala, Korb - Brill - Dawid (83. Evljuskin), Schwechel (74. Szimayer), Bravo Sanchez, Brandner (44. Rakk) - Schmeer 

Steinbach: Löhe - Mißbach, Herzig, Strujic, Heister - Marquet, Bisanovic (76. Bektasi), Müller, Wegner - Trkulja (87. Reith), Candan (83. Celani)

Zuschauer: 3300 

Tore: 1:0 Marquet (60.), 2:0 Candan (74.)

Gelbe Karten: Heister / Brill, Mimbala

Fast 1500 Löwen-Fans waren mit ihrer Mannschaft mitgereist. Bereits vor dem Spiel hatten sie in Steinbach für Stimmung gesorgt:

Die Lage vor dem Finale

Kopf an Kopf ins letzte Endspiel

Wie sind die Kräfteverhältnisse vor dem Endspiel? Wie verliefen die bisherigen Duelle? Und wie sieht es personell bei den Teams aus? Diese Fragen beantworten wir hier.

Sie sind heiß auf das Pokalendspiel: (von links) Sebastian Schmeer, Sergej Schmik, der das letzte Mal für den KSV Hessen auflaufen wird, Sascha Korb und Jan Erik Leinhos. Am Montag treffen die Löwen in Stadtallendorf auf Steinbach.

Der Städtevergleich

Steinbach ist ein Stadtteil von Haiger im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis zwischen Wetzlar und Siegen. Der Ligakonkurrent des KSV ist erst seit 2015 in der Regionalliga Südwest. Möglich machte diesen Aufstieg Unternehmer Roland Kring, der einen Bremsenhersteller führt. Mit Kring als Sponsor gelang der Durchmarsch von der Kreisliga B bis in die vierthöchste Spielklasse. Anlässlich des Pokal-Endspiels vergleichen wir die beiden Städte der Finalteilnehmer. Kassel und Haiger – wer hat mehr zu bieten?

Zwei Urkunden von 913 belegen eine mehr als 1000-jährige Geschichte von Kassel. Ende 2017 hatte die Stadt 204 021 Einwohner. Das Auestadion – die Heimat der Löwen – wurde 1953 erbaut und zuletzt zwischen 2003 und 2010 renoviert. Bei Fußballspielen könnten 18 000 Zuschauer einen Platz finden.

Stadt und Stadion

Haiger liegt im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis zwischen Wetzlar und Siegen. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt datiert aus dem Jahr 778. Haiger ist damit die älteste der drei Städte an der Dill – älter als Dillenburg und Herborn – und hat rund 36 000 Einwohner. Steinbach spielt im Sibre-Sportzentrum Haarwasen. Das Stadion bietet rund 4700 Zuschauern Platz. Seit 2014 trägt der TSV dort seine Heimspiele aus.

Nicht umsonst wird der KSV Hessen als Traditionsverein bezeichnet. Die Erstgründung des Klubs fand am 17. November 1945 statt. Die Löwen spielten lange in der Zweiten Bundesliga, verpassten mehrfach den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse. Zu den größten Erfolgen zählen einige Aufstiege, die Hessenpokalsiege 1961 und 2015 sowie das Erreichen des DFB-Pokal-Viertelfinals 1991.

Titel und Tradition

Mehr Tradition als der TSV Steinbach hat sicherlich Eintracht Haiger. Die erste Mannschaft spielte von 1980 bis 1997 in der Oberliga Hessen. 1987 holte die Eintracht die Vizemeisterschaft und stand kurz vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga. 1984 gewann Haiger den Hessenpokal, spielte im Jahr darauf im DFB-Pokal und scheiterte erst im Achtelfinale. 2003 war der Verein insolvent. Der Nachfolgeklub FC Eintracht Haiger spielt heute in der Kreisliga.

Holger Brück ist nach wie vor der bekannteste Name, wenn es um Fußball und Kassel geht. Der heute 70 Jahre alte Abwehrspieler ist eine Legende des Klubs. Brück war in Kassel so ungefähr alles – Spieler, Trainer und Präsident des Vereins. Mit Hertha BSC spielte er zwischenzeitlich in der Bundesliga. Noch heute lebt Brück in Kassel.

Lebende Legenden

Peter Cestonaro wurde am 14. Mai 1954 In Haiger geboren. In Kassel ist der Deutsch-Italiener ein bekannter Name: Von 1983 bis 1986 lief der Stürmer für den KSV Hessen auf, erzielte in 120 Spielen 43 Tore. Anschließend ging der Ex-Darmstädter zurück in seine Heimatstadt, wo er drei Jahre als Spielertrainer bei Haiger tätig war. Von 2013 bis 2015 war der heute 64-jährige Coach des TSV Steinbach.

Kassel hat mehr zu bieten als die Gebrüder Grimm: zum Beispiel Rudolf Erich Raspe. Der lebte von 1767 bis 1775 in Nordhessen. Er erfand die Geschichte des legendären Lügenbarons Münchausen. Bekannt ist auch Adolf Freiherr von Knigge, der von 1772 bis 1775 am Kasseler Hof tätig war. Bekannt wurde dieser durch sein Werk „Über den Umgang mit Menschen“. Heute steht sein Name stellvertretend für gutes Benehmen – allerdings hatte seine Schrift mit dem Benimmratgeber von heute gar nichts gemein.

Baron und Benehmen

Einen Lügenbaron hat Haiger nicht zu bieten – dafür aber einen schönen. Mathias Baron wurde 2016 bei der Wahl zum „Mister Germany“ immerhin Dritter. Damals musste er sich in Jeans und mit freiem Oberkörper sowie im Anzug präsentieren. Und gutes Benehmen ist für einen „Mister Germany“-Anwärter sicherlich ohnehin Pflicht.

Mittlerweile gibt es in Kassel mehr als Zissel und Paddeln auf der Fulda: Am Hauptbahnhof befindet sich seit 2016 eine Lasertag-Arena. Und auch das beliebte „Escape Game“, bei dem Gruppen innerhalb einer begrenzten Zeit Rätsel lösen und sich so aus einem Raum befreien müssen, ist in der Stadt mehrfach vertreten. Der Hessentag war natürlich auch schon mehrfach in Kassel – zuletzt 2013.

Spiele und Spaß

Täglich kommen viele Menschen nach Haiger – und zwar für einen der besten Geocaches in ganz Deutschland. „Die Kinder des Buchbinders“ gibt es seit dem 6. März 2016 und hat bundesweit den höchsten Wert. Spaß verspricht auch immer der Hessentag. Der kommt 2022 nach Haiger. Erst am 20. März dieses Jahres erhielt die Stadt durch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier den Zuschlag.

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Wir werfen einen Blick auf die Situation in der Regionalliga Südwest und schauen, was passieren muss, damit der KSV nicht in die Hessenliga absteigt.

Quelle: HNA

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