Analyse nach dem Hessenderby 

Von Freiheit, Arbeit, Sicherheit: Der KSV Hessen nach dem 1:1 im Derby

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Mit Einsatz zum Erfolg: (von links) Kassels Sergej Schmik im Zweikampf mit Offenbachs Serkan Firat. Im Hintergrund schaut KSV-Kapitän Frederic Brill zu. Rechts beobachtet Schiedsrichter David Scheuermann das Geschehen. 

Kassel. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - so lautete die Parole der Französischen Revolution. Eine Revolution wäre auch die Folge eines Abstiegs für den KSV Hessen Kassel.

Bei den Löwen beschreibt derzeit ein anderer Dreiklang die Situation: Freiheit, Arbeit, Sicherheit. Nach dem 1:1 im Hessenderby am Dienstagabend gegen Kickers Offenbach wird deutlich, dass dem Team die beiden letzten Worte eher liegen.

Die nicht hilfreiche Freiheit

„Die Situation diese Woche war nicht einfach. Wir haben nach dem Debakel gegen Mainz schön auf die Fresse bekommen.“ KSV-Trainer Tobias Cramer fand während der Pressekonferenz deutliche Worte. Er habe die andere Seite des Trainerjobs in Kassel kennengelernt. Die Mannschaft und er hätten viel aufgearbeitet.

Er habe sich die Freiheit genommen, in Mainz auf das 3-5-2-System umzustellen, sagte Cramer. Das sei sein Ziel gewesen. „Die Mannschaft konnte das aber nicht so annehmen, wie ich geglaubt habe. Da musste ich zurückrudern.“ Er habe aber aus dieser Woche nach dem Mainz-Spiel viel gelernt und für sich selbst mitgenommen. Und Cramer sagt ganz klar: „Ich werde das Jahr hier als Trainer beenden - wenn die Verantwortlichen diesen Weg mitgehen wollen.“

Wer weiß, dass der 43-Jährige noch einen Vertrag bis 2020 beim KSV hat, fragt sich natürlich, ob der Coach seinen Abschied im Sommer plant. „Nein. Mein Vertrag und die der Spieler sind nur für die Regionalliga gültig. Sollten wir absteigen, müssen wir alle neu verhandeln. Das hätte ja auch wirtschaftliche Einschnitte als Folge“, sagt Cramer. An einen Abstieg denke er aber momentan noch nicht. Mitte März könne man absehen, wo es in der nächsten Saison hingeht. Und dann müsse man im Zweifel zweigleisig planen.

Die notwendige Arbeit

Was der KSV gegen Mainz vermissen ließ, war gegen Offenbach wieder da: Zweikampfstärke, Leidenschaft, Laufbereitschaft. Cramer nennt das gern das Einmaleins des Fußballs. Wer die Löwen im Auestadion sah, der fragte sich, wie dieses Spiel eine Woche zuvor zustande kommen konnte.

Der Einsatz führte zur verdienten Führung durch Sebastian Schmeer (24.). Typisch für ihn nahm er den Ball mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich und schloss aus knapp 20 Metern ab. Der Ball ging flach unten rechts ins Tor. Weil Offenbachs Semih Sentürk acht Minuten später ein ähnlicher Treffer auf der anderen Seite gelang, reichte es für den KSV aber auch im 16. Spiel in Folge nicht für einen Sieg.

Die wiedergewonnene Sicherheit

Auch nach dem Ausgleich wurden die Löwen aber nicht nervös und waren mit wenigen Ausnahmen das bessere Team. Es gab kein Zeichen von Verunsicherung. Das bestätigte auch Kapitän Frederic Brill: „Wir leben davon, dass wir eine Mannschaft sind. Wir wurden vergangene Woche hart kritisiert - zu Recht. Heute fühlt es sich so an, dass der Punkt zu wenig ist.“

Deutlich wurde gegen Offenbach: Das 4-1-4-1-System gibt dem Team mehr Sicherheit. Die Mannschaft ist regionalligatauglich. Die Sicherheit, auch in der kommenden Saison dort zu spielen, wird aber immer geringer. 13 Spiele stehen noch aus. Cramer sagt: „Wenn ich dieses Spiel gegen die Offenbacher sehe, dann möchte ich in der Klasse bleiben und wieder gegen sie spielen.“ Vielleicht klappt das. Voraussetzung sind Arbeit und Sicherheit.

Rund ums Spiel

Ein Neuer und das erste Mal für den Neuen

Auch rund um das Hessenderby in der Fußball-Regionalliga zwischen dem KSV Hessen Kassel und Kickers Offenbach gab es einige Geschichten, die auffielen.

Der Neue Spieler

Schon vor dem Anpfiff wurde die erste Personalie für die kommende Saison bekannt gegeben. Der A-Jugendliche Joannis Mitrou erhält einen Vertrag für die erste Mannschaft. Der 18-Jährige spielt am liebsten auf Linksaußen.

Die alten Fans

2100 Zuschauer für ein Derby sind nicht wirklich viel - Wetter und Wochenspiel werden ihren Teil dazu beigetragen haben. Aber die, die da waren, waren mal wieder beeindruckend. Block 30 der Nordkurve war prall gefüllt. Auf die alten Fans ist Verlass. Und sie zeigten vor dem Anpfiff eine beeindruckende Choreografie: „Alles geben für Kassel“ stand da auf zwei Bannern. Und dann wurde 90 Minuten unterstützt.

Die Alten Skandale

In der vergangenen Saison wurde der Sieg der Löwen gegen Offenbach in Kassel von einem Skandal überschattet. OFC-Fans hatten geklaute KSV-Fahnen ins Stadion geschmuggelt und dann öffentlich zerrissen und verbrannt. Daraufhin versuchten Kasseler, zum Gäste-Fanblock zu gelangen. Dieses Mal sangen die Offenbacher: „Wo sind eure Fahnen hin?“ Das war’s aber auch. Und wo die Fahnen sind, wissen wir ja jetzt. Verbrannt.

Der neue Spieler

Für einen war das Derby gleichzeitig das Debüt im Aue-stadion: KSV-Innenverteidiger Cédric Mimbala. Der zeigte eine ansprechende Leistung. Auch sein Trainer Tobias Cramer war zufrieden. Der 31-Jährige sagte selbst hinterher: „Es war super, die Fans waren super. Jeder weiß, wir stehen nicht gut da. Wir hätten heute mehr mitnehmen müssen. Es sind aber noch genug Spiele zu spielen. Nächste Woche holen wir den Dreier.“

Quelle: HNA

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